Im Zuge ihres bilateralen Rohölliefervertrages kündigten Russland und China bereits im Mai dieses Jahres an, auch Investitionen von umgerechnet mehr als $70 Milliarden stemmen zu wollen, die insbesondere in Infrastrukturprojekten entlang einer im Neubau befindlichen Ölpipeline veranlagt werden sollen. Im Falle Russlands entsprächen diese Investitionen nichts anderem als einem enormen Konjunkturprogramm, das der unter Druck stehenden Wirtschaft des Landes gerade zum jetzigen Zeitpunkt gut zu Gesicht stünde. Doch schon zeichnen sich neue Pläne ab.

Bis dato waren Überlandreisende neben zwei mehrtägigen Direktverbindungen auf eine rund einwöchige Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn angewiesen, um von Moskau bis nach Peking zu reisen. Zurückgehend auf den russischen Politiker und Visionär Sergej Witte, war der Bau der Transsibirischen Eisenbahn einst dazu angedacht, um den Westen des riesigen russischen Reiches mit dessen Osten zu verbinden.

Nicht nur der Handel begann nach Baubeginn entlang der Bahnstrecke zu prosperieren, sondern Witte leistete anhand seiner Vision auch seinen ganz eigenen Beitrag, um die Weiten des russischen Reiches zu erschließen und fortan besser erreichbar zu machen. Schon seit vielen Jahren sieht sich die Transsibirische Eisenbahn nun eher zu einer Touristenattraktion degradiert.

Trotz allem begünstigt sie den Handel im Land auch weiterhin. Dies soll sich in absehbarer Zeit ändern, da Moskau und Peking beabsichtigen, eine neue Hochgeschwindigkeitsbahn zu konstruieren. Die neu geplante Trasse soll die Reisezeit von Moskau nach Peking laut Chinas Medien auf nur noch zwei Tage verringern.

Dabei würde es sich um ein weiteres Megaprojekt handeln, das sich über mehr als 7.000 Kilometer erstrecken und gewaltige Baukosten von mehr als $230 Milliarden verursachen würde. Wie unter anderem die Peking Times in der letzten Woche berichtete, würde es sich im Falle einer Projektumsetzung um das größte Hochgeschwindigkeitsbahnprojekt in der Geschichte handeln.

Der geplante Bau einer Parallelstrecke zur Transsibirischen Eisenbahn würde die bis dato längste Hochgeschwindigkeitstrasse der Welt von Peking nach Guangzhou in ihrer Länge deutlich übertrumpfen. Doch nicht nur das. Vielmehr ginge von einer Projektumsetzung ein neuerliches und sehr machtvolles Signal aus, dass Moskau in der Welt nicht derart isoliert dasteht, wie es die geopolitischen Strategen in Washington gerne sehen würden.

Eine angedachte Isolierung Moskaus gipfelt hingegen immer stärker darin, dass sich mit Russland und China zwei alte politische Rivalen auf dem eurasischen Kontinent in den Armen liegen. Wie Jim Rogers bereits zu Beginn dieses Jahres ausführte, wird die Washingtoner Politik dazu führen, Russland immer stärker in die Arme Chinas zu treiben. Und genau diese Entwicklung lässt sich nun beobachten.

Mehr als zehn Jahre hatten Moskau und Peking vor der jüngsten Wende in den geopolitischen Entwicklungen und dem immer aggressiveren Auftreten des Westens verhandelt, um zum Abschluss eines Rohöldeals zu gelangen – ohne Erfolg. Doch nach dem offenen Ausbruch des Ukraine-Konflikts, durch den Westen gegenüber Moskau verhängten Sanktionen und einer Verschärfung der Spannungen im südchinesischen Meer ging plötzlich alles ganz schnell.

Wie sich zeigt, scheinen Moskau und Peking erkannt zu haben, dass ein entschlossenes Entgegentreten gegenüber den Interessen der Amerikaner nur gemeinsam erfolgen kann. Die Europäer spielen in diesem Kontext eine untergeordnete Rolle. Zu abhängig ist der Kontinent von russischem Erdgas, dazu politisch schwach und seit jeher ohne gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Nichts also, wovor man in Moskau mit den Knien schlottern müsste.

Auch mit Blick auf die sich in der Welt verschärfenden Konflikte wird die politische Annäherung zwischen Moskau und Peking keineswegs ohne Folgen bleiben. Militärisch zu den Großmächten zählend, sind beide Länder darüber hinaus auch zwei ständige Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, womit sie jedwede Interessenentscheidungen der westlichen Mächte diplomatisch blockieren oder zu Fall bringen können.

Die gemeinsamen Pläne zum Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke von Moskau nach Peking sind bereits so weit gediehen, dass beide Seiten vor wenigen Tagen während eines Besuchs des chinesischen Premiers Li in Moskau eine Absichtserklärung zum Bau eines ersten Streckenabschnitts unterzeichneten, der von Moskau bis ins erdölreiche Kazan reichen soll.

Sollte die Finanzierung für das geplante Megaprojekt auf die Beine gestellt werden – woran bislang kaum ein Experte Zweifel hegt – könnte die Hochgeschwindigkeitsbahn in rund fünf Jahren zum Einsatz kommen. Ein weiteres Großprojekt, zu dessen Umsetzung sich Moskau und Peking bereits entschlossen haben, ist der gemeinsame Bau eines Tiefseewasserhafens (ausgerechnet!) auf der Halbinsel Krim (ich berichtete).

Dieser Hafen soll Endpunkt der neuen Seidenstraße werden, die den Handel in der Region zu neuer Blüte bringen soll. Die Baukosten für die geplante Hochgeschwindigkeitstrasse lassen sich zum aktuellen Zeitpunkt leicht hochrechnen. Denn es liegen bereits Analysen und Machbarkeitsstudien zum Bau dieser Trasse vor, aus denen Chinas Medien zitierten. Darin wird der Bau von 1 Kilometer Hochgeschwindigkeitstrasse mit $33 Millionen veranschlagt.

Würde es zum Bau der Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke von Moskau nach China kommen, würden unter Berücksichtigung dieser Kosten pro Kilometer Gesamtbaukosten von $230 Milliarden entstehen. Es wäre eines der größten Bauprojekte, das es in der Geschichte jemals gegeben hätte, wenn nicht gar das größte.

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