Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0662 (07.45 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0622 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 122.35. In der Folge notiert EUR-JPY bei 130.45. EUR-CHF oszilliert bei 1.0833.

Gestern hat die Türkei für eine verschärfte globale Sicherheitslage gesorgt und zudem die in Ansätzen konsequentere Bekämpfung der globalen Terrorgefahren ausgehend von diversen Terrorgruppen im Nahen Osten erschüttert. Beide Tendenzen haben eine erhöhte Risikoaversion an den Finanzmärkten zur Folge. In wie weit daraus auch messbare Belastungen für die Realwirtschaft erwachsen, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Zu den Fakten: Der russische Kampfjet ist nach US-Einschätzung innerhalb des syrischen Luftraums getroffen worden. Die Maschine sei zwar wenige Sekunden im türkischen Luftraum gewesen, dort aber nicht getroffen worden, sagte ein Vertreter der US-Regierung. Die Türkei hatte das Flugzeug am Dienstag abgeschossen. Nach türkischer Darstellung wurde der Pilot mehrfach gewarnt, ohne den Kurs zu ändern.

Putin betonte, dass das Flugzeug über syrischem Gebiet abgeschossen worden sei. Die Türkei sei in keiner Form bedroht gewesen. Der Vorfall werde ernste Konsequenzen für die Beziehungen beider Staaten haben.

US-Präsident Obama hat zwischenzeitlich mit Präsident Erdogan telefoniert. Die USA unterstützten zwar das Recht der Türkei, die Landesgrenze zu verteidigen. Es habe aber auch Einigkeit gegeben, dass die Lage nach dem Abschuss jetzt entschärft werden müsse.

Fazit: Die Stellungnahme der Nato fällt zwar zu Gunsten der Türkei aus. Sie ist jedoch bestenfalls "lauwarm". Die Proportionalität des Abschusses im Verhältnis zu dem erhobenen Vorwurf ist grotesk. Mehr noch sind die Vorwürfe Putins bezüglich der Rolle der Türkei in der Unterstützung/Finanzierung der Terrorgruppen sachlich basiert. Das globale Risiko einer Eskalation ist nach dem gestrigen Vorfall deutlich erhöht.

Wie mittlerweile üblich, konnten positive Daten aus der Eurozone keine Wirkung an den Devisenmärkten zu Gunsten des Euros auslösen. Das nehmen wir interessiert zur Kenntnis und erlauben uns den Hinweis, dass asymmetrische Wahrnehmung und wesentlicher asymmetrische Diskontierung, anders ausgedrückt die Negation der Realität, in der belegbaren Historie noch nie einen belastbaren Trend auslösen konnte.

Der viel beachtete, aber offensichtlich derzeit zur Marktdiskontierung nicht zugelassene, IFO-Geschäftsklimaindex legte per November unerwartet von 108,2 auf 109,0 Punkte zu. Die Prognose lag bei lediglich 108,2 Zählern. Der Index markierte damit den höchsten Wert seit Juni 2014!

Der IFO-Lageindex legte von zuvor 112,7 auf 113,4 Punkte zu (Prognose 112,4), während der Erwartungsindex einen Anstieg von 103,9 auf 104,7 Zählern zu verzeichnen hatte (Prognose 104,0).

Da positive kontinentaleuropäische Daten keine Rolle spielen, verzichten wir heute auf die erfrischenden Handelsbilanzdaten Italiens im Warenverkehr außerhalb der EU per Oktober. Die vermeintlichen Profis sind ohnehin nicht daran interessiert.

Das gilt auch für enttäuschende britische Daten. Die massive Verfehlung des Index CBI Distributive Trades per November ist nachrichtentechnisch bestenfalls eine marginale Randbemerkung wert. Also verzichten auch wir auf eine tiefer gehende Betrachtung.

Das Datenbild aus den USA war zumindest auf ersten Blick durchwachsen:

Laut der zweiten Schätzung legte das US-BIP im dritten Quartal 2015 um 2,1% in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung zu. Das entsprach den Erwartungen nach 1,5% in der ersten Schätzung. Das ist zunächst positiv.

Negativ ist anzumerken, dass diese Anpassung maßgeblich bedingt ist durch einen stärkeren Lageraufbau als zunächst berechnet. Der Konsum fiel dagegen niedriger aus. Ergo hält die Komposition qualitativ nicht das, was quantitativ erfrischend scheint.

Auch der Anstieg der Immobilienpreise, der im Case/Shiller 20 Städtevergleich per September mit +0,6% im Monatsvergleich (Prognose 0,3%) und 5,5% im Jahresvergleich (Prognose 5,1%) ausgewiesen wurde, kann nicht wirklich beruhigen.

Da insbesondere die nominalen mittleren Einkommen weitaus geringer steigen, ergibt sich ein "Affordability Gap". Deutlich wird das unter anderem an der niedrigen Hypothekenvergabe mit Kaufabsicht (MBA Purchase Index - siehe nachfolgender Chart) im historischen Kontext.

Unerwartet schwach fiel das notorisch volatile Verbrauchervertrauen nach Lesart des Conference Board aus. Per November kam es zu einem Einbruch von zuvor 99,1 (revidiert von 97,6) auf 90,4 Punkte. Die Prognose lag bei 99,5 Zählern. Damit wurde der niedrigste Wert seit September 2014 markiert.

Der Richmond Composite Index zeigt einen verstärkten "Konjunkturblues" in diesem Fed-Bezirk. Per November sank der Index von zuvor -1 auf -3 Punkte. Damit bewegt sich der Index den dritten Monat in Folge auf negativem Terrain. Das war zuletzt 2012 der Fall…

Insbesondere kam der Dienstleistungssektor unter brachialen Druck. Hier kollabierte der Index im Berichtsmonat von zuvor +18 auf -1 Punkte. Es kam zum ersten Rückgang seit April 2013.

Diese Entwicklung im Fed-Bezirk Richmond steht übrigens im diametralen Widerspruch zu dem ISM-PMI für den Dienstleistungssektor, der bekanntlich für den ausgewiesenen Boom am Devisenmarkt in der letzten Woche erfolgreich zu Gunsten des USD abgefeiert wurde…

Zur Rekapitulation des ISM-Dienstleistungsindex: Es wurde mit 59,1 Punkten der zweithöchste Wert seit November 2005 markiert!

Im Forex Report werden auch positive US-Daten gewürdigt.

Zur Würdigung gehört jedoch auch eine Qualitätsprüfung. Die Erfahrungen der Vergangenheit zwingen förmlich zu diesem qualitativen Ansatz. Blindes Vertrauen in die Verbalakrobatik insbesondere der Federal Reserve (Neue Paradigmen, "The crisis is contained") hat sich in den entscheidenden Momenten nicht ausgezahlt, sondern ultimativ Krisen ausgelöst! "Food for thought!"

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.0820 - 50 neutralisiert den negativen Bias.



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