Die Berichte so genannter Nachrichtenkanäle zu den aggressiven Zentralbankeingriffen haben meist einen deutlichen Finanzgeruch. Aus äußerst zweifelhaften Subventionen werden vermeintliche Rettungen während die Schönfärbung ihren Gipfel im Begriff Konjunkturstimulus findet. Der Konjunktur ist dies alles ebenso gleichgültig wie den Millionen Menschen, die keine Tickets für die große Verlosung besitzen…

Manchen Finanzpriestern und Riesterjüngern mag ein Mangel an Skrupeln oder Fachwissen als Ausrede dienen. Die Aussagen des Fed-Vorsitzenden Bernanke lassen jedoch wenig Klarheit vermissen. Das Ziel der Programme im Dunstkreis von QE und Twist ist die Stützung der Assetpreise. Allein auf dem Vermögenseffekt ruhen die größten Hoffnungen der Zentralbank, die Steigerung der Buchwerte werde schon für eine positive Gesamtentwicklung Sorge tragen. Für die Besitzer von Assets ist diese Lotterie ein Spiel mit zwei Losen. Selbst wenn die strukturellen Probleme sich nicht in Luft auflösen verbleibt noch der erkleckliche Trostpreis der Kursgewinne. Wer keine Assets hat, dem bleiben seit Jahren nur die Nieten, denn die Teilnahme am großen Experiment wird nicht vergütet.

Nicht nur die amerikanische Zentralbank hat sich vollkommen der „Pferde-Spatz-Theorie“ verschrieben. Man muss den Gäulen nur genug zu fressen geben, dann fällt nach einiger Zeit für die Spatzen auch etwas ab. Für die Pferde ist dies eine ausgesprochen bequeme Situation. Man muss nur genug fressen, der Rest ergibt sich von alleine.

Wenig überraschend zeigen sich die Effekte der Fed-Politik lediglich in den Preisen liquider Vermögenswerte. Der von Überkapazitäten geplagte Immobilienmarkt leidet sowohl im privaten als auch im gewerblichen Segment weiter. Die Zahl der Menschen ohne Lottoschein nimmt derweil stetig zu. Wer dies angesichts aller wachsenden Risiken des Experiments als Erfolg wertet, darf sich über den Vorwurf einer zynischen Sichtweise nicht beklagen.

In der Wirtschaft, im Großen wie im Kleinen, geht es um Zahlungsströme, und gerade um diese ist es bei vielen Bürgern nicht gut bestellt. Die realen Medianeinkommen der privaten Haushalte sind auf das Niveau von 1995 zurückgefallen. An der abwärts ausgerichteten Tendenz wird sich in den kommenden Jahren nicht viel ändern. Die als Zeichen der Gesundung gewerteten Gewinne der Unternehmen sind größtenteils auf Margenausweitungen zurückzuführen, deren Basis auch massive Entlassungen waren. Nun macht es wenig Sinn, ein Unternehmen zu zwingen, Verluste zu machen und à la Hollande Entlassungen zu verbieten. Gleichwohl sollte man vor diesem Hintergrund nicht allein auf Grund gestiegener Gewinne von einer gesamtwirtschaftlichen Verbesserung sprechen.

Nicht nur die allgemeinen Zahlen vom US-Arbeitsmarkt sind trostlos. Der nachhaltige Wandel hat sich in der Struktur der Beschäftigung vollzogen. Hier sind zwei Trends zu erkennen. Sichtbar ist zum einen die Verlagerung der Beschäftigung von den jüngeren zu den älteren Menschen. Gleichzeitig hat sich das Gehaltsgefüge verschoben. Viele klassische Jobs der Mittelschicht sind verschwunden, während die schlechter bezahlten Tätigkeiten zugelegt haben. Nur bei diesen übersteigt die Zahl der in der Erholung geschaffenen Stellen die vorangegangenen Arbeitsplatzverluste.

Besonders stark gelitten hat, wenig überraschend, der Bausektor. Hier fordert der vorherige Boom seinen Tribut – von neuen Jobs keine Spur. Ein Stellenverlust in vergleichbarer Höhe mussten lediglich die Hersteller langlebiger Wirtschaftsgüter und der Einzelhandel hinnehmen. Selbst das schon krankhafte Verhalten, dauerhaft mehr auszugeben, als monatlich auf dem Konto ankommt, konnte diesen Sektor nicht retten. Die jüngsten katastrophalen Zahlen aus Kalifornien deuten auf eine Verschärfung der Situation hin.

Auch die Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung hat sich deutlich verändert. Auffällig ist die Abnahme der Beschäftigung von Menschen im Alter bis zu 24 Jahren und die gleichzeitige Zunahme des Anteils der Erwerbstätigen über 60 Jahren. Angesichts des kurzen Zeitraums sind die Verschiebungen bemerkenswert. Die aktuellen Zahlen fügen sich in das bekannte Bild. Weiterhin flüchten sich viele jüngere Menschen in das Abenteuer eines kreditfinanzierten Studiums mit den Aussichten auf lebenslange Verschuldung und schlechte Jobchancen.

Wie bei der Geldanlage fällt es vielen Menschen auch anderweitig schwer, sich von alten Mustern zu verabschieden. So wie mancher noch immer die Lebensversicherung für eine „sichere Anlage“ hält, so glauben zahlreich junge Amerikaner noch daran, die immer höhere Kreditbelastung nach dem Studium schon irgendwie wieder loszuwerden.

Leider führt die auch hierzulande verbreite Annahme, aus einem Studium ergebe sich ein Anspruch auf ein höheres Gehalt, in die Irre. Entweder man kann etwas, was gerade nachgefragt wird, oder man hat in der Verhandlung schlechte Karten. Angesichts der seit Jahren auch Akademiker betreffenden deutlichen realen Gehaltseinbußen in den Staaten kann man den Betroffenen nur viel Glück wünschen.

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