Wir alle suchen Sicherheit in einer unberechenbaren Welt. Der Mensch mag keine schwarzen Schwäne, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen und Unheil stiften. Wie ein Kind suchen wir unser ganzes Leben lang nach Vertrauen und Geborgenheit in einer oftmals unvertrauten und befremdlichen Welt. Alles Fremde erweckt in der Regel zunächst Argwohn, bevor sich das Unbekannte langsam zum Vertrauten verändert.

Und zukünftige Ereignisse haben gefälligst genauso gut abzulaufen, wie man es in der Gegenwart erlebt und in der Vergangenheit gewöhnt war. Das gerade erlebte Jetzt ist doch in der Regel wunderbar. Tatsächlich sind es nur die Augenblicke und das Nu, die das Leben aus- und schön machen. Meistens gibt es nur sehr wenige Lebensmomente, in denen es gesunden Menschen in vielen Teilen der Welt – Kriegs- und Hungerzeiten ausgenommen – tatsächlich schlecht ging und geht. Vor allem in Europa. Vor allem auch in Deutschland.

Noch. Denn unsere Lebensreise geht weiter in diesem merkwürdigen Wirtschafts- und Geldsystemgefährt, dass vom letzten Crash unrepariert und völlig verbeult auf die nächste Wand zurast. Dagegen unternommen wird wirklich nichts. Bremsen ist keine Option. Eine nachhaltige Umstrukturierung ist nicht gewollt. Doch natürlich hat jeder einen Plan und ist überzeugt, dass er funktionieren wird. Einen Plan für die Zukunft.

Es ist in der Tat einzig die ungewisse Zukunft, die Furcht erzeugt. Denn die Vergangenheit und Erfahrung lehrt uns, dass Dinge ganz gehörig schief laufen können. So wie zurzeit, doch nur widerwillig können wir akzeptieren, dass absolute Sicherheit und uneingeschränkte Geborgenheit Utopien sind. Damit muss man leben. Es geht gar nicht anders, auch wenn dieser Umstand nur schwer zu akzeptieren ist.

Die Religionen, Sekten und auch die Politik und ihre Führer haben sich diesen Umstand schon immer zunutze gemacht. Sie tun es noch heute. Mit Hilfe der Medien betreuen sie unser Denken. Sie geben es uns vor – meistens zwischen den Zeilen. Sie erzeugen Gefühle, und benutzen sie, um unser Denken in die von ihnen gewünschte Richtung zu lenken. Und versprechen uns allesamt Heil und Segen, wenn man sich an ihre – in einem vermeintlich politisch-demokratischen Prozess entstandenen – Gesetze, Gebote und Verbote hält. Und auch ihren Segen annimmt. Mit welchem Recht?

Manche dieser Politiker lügen uns bewusst die Hucke voll und doch werden bestimmt auch viele Menschen gewählt, die ehrlich sind und sich politisch berufen fühlen. Die glauben, es richtig machen zu können. Die sich sicher sind, beispielsweise gegen schwarze Schwäne effektive Vorbeugemaßnahmen treffen zu können. Die meinen, alles im Griff zu haben. Die im Vorfeld einer Wahl Versprechungen machen, deren Grundlage aus Erfahrungen resultiert, die in der Zukunft keineswegs zutreffen müssen. Die sich vor Ort informieren. Die durchs Hochwasser stapfen und sich wichtigmachen.

Wir leben in einer komplexen, vernetzten und äußerst dynamischen Welt. In einem chaotischen System. Das Modifizieren einer Größe, das Drehen an einer Stellschraube hat immer auch Auswirkungen auf andere Teile des gesamten Komplexes. Oftmals werden katastrophale Ereignisse wie beispielsweise die Lehman-Pleite als plötzliches, unvorhersehbares Ereignis interpretiert und doch sind sie vorbereitet, manchmal gewollt. Vereinzelt sind sie sogar lange vorhersehbar, wie die Hochwasser-„katastrophe“ an den Flüssen.

Man hatte einen Plan. Man nahm ihnen ihren Raum. Schon vor langer Zeit. Ja, man hatte wohl einen guten Plan. Man begradigte sie und baute direkt an ihren Ufern. Man errichtete zusätzlich Dämme. Und bei Hochwasser halfen doch die Säcke aus Sand.

Und doch liefen sie voll. Überraschend voll. Die Häuser. Und wenn nicht die einen, dann die anderen. Jene, die ohne diese Schutzmaßnahme nicht vom Hochwasser betroffen gewesen wären. Wo soll es auch hin, dieses verdammte Wasser? Es verschwindet nicht. Es sucht einfach nur nach neuen Wegen, um ans Ziel zu kommen.

Ja, natürlich ist es eine Katastrophe! Natürlich! Ja! Die armen Menschen! Doch Schuld hat der Mensch – nicht die Natur!

Das Wasser. Es hat keinen Plan. Es sucht sich einfach nur einen neuen Weg.

Vielleicht ein Vorbild?