Michael R. Taylor ist der Name dieser Schlüsselfigur, die seit bald 20 Jahren für den nachhaltigen Erfolg der GMO-Produkte in Sachen Schutzrechte und öffentliche Verschleierung verantwortlich ist. Er ist früher Vize-Präsident bei Monsanto gewesen. Mittlerweile tritt Herr Taylor auch als Obamas neuer Chefberater und Beauftragter der FDA (Lebensmittelüberwachungsbehörde der USA) auf. [4]

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Bis heute spielt er bei der FDA die zentrale Rolle als Obama's Regent für Lebensmittelsicherheit. Aus dieser Position heraus ist es ihm nun möglich, die GMO-Produkte noch weiter in der amerikanischen und auch in der globalen Nahrungskette zu positionieren. Des Weiteren spielt Taylor seit 2005 eine zentrale Rolle in der Zusammenarbeit mit den Rockefeller- und Bill-und-Melinda-Gates-Stiftungen, um GMO-Samen via Kofi Annan's AGRA-Vereinigung (Non Profit Organisation zu PR-Zwecken der Monsanto Corporation) unter dem Thema der „Grünen Revolution“ nach Afrika zu importieren, obwohl die Afrikaner dieses Saatgut auch nicht haben wollen. AGRA steht für: Association for a Green Revolution in Africa.

Von 1991 bis 1994 stellte Taylor als stellvertretender Beauftragter der FDA sicher, dass die „Bush-Monsanto Doktrin der wesentlichen Gleichwertigkeit“ ohne Sicherheits- oder Gesundheitstests realisiert wurde. Die meisten Amerikaner wussten bis vor Kurzem nichts darüber, genauso wie sie nichts davon wussten, dass die meisten Lebensmittel, die sie in ihren lokalen Supermärkten einkaufen, GMO-Produkte enthalten. Außerdem gewährleistet Taylor die Politik „der Nicht-Kenntlichmachung der GMO-Produkte“ durch einen Erlass, der es verbietet, Lebensmittelprodukte in irgendeiner Weise zu kennzeichnen, so dass es möglich wäre zu erkennen, ob GMO-Bestandteile enthalten sind oder nicht. Als beispielsweise ein Landwirt während der zuletzt auftretenden Rinderwahn-Periode entschieden hat, aus Marketingzwecken seine gesunden Rinder mit „GMO-frei“ zu kennzeichnen, wurde er sofort mit einem Bußgeld bestraft und gezwungen, die Kennzeichnung zu entfernen.

Kalifornien gegen die FDA

Während der Wahlkampfkampagne zur Präsidentschaftswahl im Jahre 2007 umwarb der Kandidat Obama die wachsende junge grüne Wählerschaft nachweislich mit dem Versprechen, als Präsident die Kennzeichnungspflicht für GMO-Produkte einzuführen. Nach dem Sieg der Präsidentschaftswahl zeigt sich Obama allerdings eindeutig als Monsanto-Unterstützer. Er ernannte Tom Vilsack zum Landwirtschaftsminister und setzte Micheal Taylor ein, um die FDA bezüglich der GMO-Politik zu beraten. [5]

Natürlich führte Obama keine zwingende gesetzliche Kennzeichnungspflicht für GMO-Produkte ein, stattdessen machten Obama und seine Unterstützer den Weg frei für noch mehr GMO-Zulassungen. Darunter auch das erste gentechnisch veränderte Tier: der GMO-Lachs. Mittlerweile haben sich in Kalifornien eine Bürgerbewegung kostituiert und genügend Stimmen zusammengetragen, um bei der nächsten nationalen Wahl im November 2012 ein Bürgerbegehren (ähnlich wie in der Schweiz) durchzusetzen, das über die Kennzeichnungspflicht von GMO-Produkten entscheiden soll. [6]

Des Weiteren übermittelte das „Committee for the Right to Know”, bestehend aus einer Koalition von Konsumenten, öffentlichen Gesundheits- und Umweltorganisationen, Nahrungsmittelherstellern und einer Reihe von einzelnen Personen, einen Gesetzentwurf (California Right to Know Genetically Engineered Food Act) an die Generalstaatsanwaltschaft als weiteren Teil einer nationalen Kampagne, der Konsumenten davon zu überzeugen soll, sich gegen GMO auszusprechen, nach dem Motto „Say No to GMO”.

Die Initiative würde bewirken, dass GMO-Nahrungsmittel genauso wie Lebensmittel, die GMO-Zutaten enthalten, klar gekennzeichnet sein müssen, ähnlich wie andere ernährungsbedingte Hinweisetiketten. Natürlich wird diese Initiative von Monsanto und der GMO-Branche (die sich auch gerne selbst als „Biotechnologie-Industrie“ bezeichnet) nicht gerade begrüßt. Denn dieser Branchenzweig hat in den letzten 10 Jahren rund 577 Millionen Dollar investiert, um den Kongress davon zu überzeugen, für die Branche industrieverträgliche Politik zu betreiben. Darüber hinaus haben sich in dieser Zeit die Ausgaben für politische Aktionsgruppen und Lobbyarbeit der „Biotechnologie-Branche“ mehr als verdoppelt. [7]

Der „Food & Water Report“ berichtet:

Die Lobbyarbeit einiger dieser Firmen und Gruppen beinhaltete die Zulassung von geklonter Nahrung und genetisch veränderten Lebensmitteln, Tieren und Nutztieren. Des Weiteren kämpfen diese Unternehmen, um zu verhindern, dass genetisch veränderte Nahrungsmittel in den USA und anderen Ländern gekennzeichnet und genauer reguliert werden. Diese Bemühungen gehen einher mit der Lobbyarbeit in Bezug auf die Verschärfung von Gesetzen zum Schutz des geistigen Eigentums von patentierten Samen und Tieren, um der Biotechnologie-Branche noch weitere Vorteile zu verschaffen. [8]

In 24 Staaten der USA besteht die Möglichkeit, durch den sogenannten „Initiative Process“ einen Gesetzentwurf unter der Voraussetzung, dass dieser genügend Unterstützer findet, auf den Weg zu bringen. Michigan und Washington sind bereits dabei, ähnliche Kampagnen ins Leben zu rufen, um die Kennzeichnung von GMO-Produkten gesetzlich verpflichtend zu machen.

Die GMO-Agrarindustrie-Lobby hat guten Grund, alles zu versuchen, um den Erfolg der kalifornischen Kennzeichnungsinitiative zu vereiteln. Denn eine im Jahre  2010 von Lake Research Partner durchgeführte Umfrage fand heraus, dass 78 Prozent der Amerikaner der Meinung seien, dass die FDA genetisch veränderten Lachs nicht genehmigen sollte. Zudem brachte eine im Jahre 2008 von der New York Times und CBS News geleitete Umfrage hervor, dass 87 Prozent der Amerikaner das Kennzeichnen von Lebensmittelprodukten aller Art, die genetisch veränderte Zutaten enthalten, untersützen. [9]

Die Amerikaner sind heute die weltgrößte Gruppe an GMO-Versuchskaninchen, die meist nicht den blassesten Schimmer davon haben, was sich genau in ihren täglichen Lebensmitteln befindet. Einige staatliche Gesundheitsexperten sehen eine eindeutige Korrelation zwischen der astronomisch angestiegenen Anzahl an Allergieerkrankungen (und weiteren Krankheiten) und dem Anstieg des Konsums von GMO-Produkten in den USA.

Ein Erfolg der GMO-Kennzeichnungs-Initiative in Kalifornien (unabhängig vom Ausgang in anderen Staaten) würde  bedeuten, dass Lebensmittelunternehmen gezwungen wären, für Kalifornien eine extra Kennzeichnung im Vergleich zu den anderen 49 Staaten einzuführen. Das wäre natürlich ein Marketing-Albtraum, der wohl dazu führen sollte, dass die meisten Lebensmittelhändler aus Angst vor der Ablehnung durch den Konsumenten GMO-Produkte gänzlich von ihrer Produktpalette streichen würden...

Diejenigen, die verstehen wollen, warum die EU-Kommissions-Bürokraten in Brüssel so eifrig die „Biotechnik“ und „GMO-Produkte“ verteidigen oder warum die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) gewöhnlich sich zu Gunsten der Sicherheit von GMO-patentierten Produkten ausspricht, müssen nur der Spur des Geldes von Monsanto und den anderen GMO-Unternehmen folgen.

Während in Europa der Widerstand der Bevölkerung gegenüber GMO weiterhin stark scheint und auch eine Kennzeichnung der jeweiligen Produkte vorgeschrieben ist, arbeiten Monsanto und Freunde bereits fieberhaft daran, ihre GMO-Produkte heimlich über die Hintertür einzuschleusen. Ein Thema, mit dem wir uns dann in Zukunft beschäftigen.

Fußnoten und Verweise:

 

[4] Isabella Kenfield, "The Return of Michael Taylor Monsantos Man in the Obama Administration", 14. August 2009, via http://www.counterpunch.org/2009/08/14/monsanto-s-man-in-the-obama-administration/

[5] Organic Consumers Association, Six Reasons Why Obama Appointing Monsanto's Buddy, Former Iowa Governor Vilsack, for USDA Head Would be a Terrible Idea, OCA, 12. November 2008, via www.organicconsumers.org/articles/article_15573.cfm.

 

[6] California Ballot Initiative to Require Labeling of Genetically Engineered Food Signature Gathering Efforts Gains Serious Momentum, 6. März 2012, via  www.organicconsumers.org/articles/article_25021.cfm.

 

[7] Food and Water Watch,  Biotechnology-industry-spends-over-half-a-billion-pushing-controversial-projects-like-genetically-engineered-ge-food-animals, 27. Januar 2011, via http://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=usa%20biotech%20lobbying%20of%20congress&source=web&cd=1&ved=0CC0QFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.foodandwaterwatch.org%2Fpressreleases%2Fbiotechnology-industry-spends-over-half-a-billion-pushing-controversial-projects-like-genetically-engineered-ge-food-animals%2F&ei=HJNxT63ZIqmo4gTp_fG6Dw&usg=AFQjCNEy8kmeXoR3zfK9iSnQK63dGLvUnA&cad=rja

[8] Chris Hinyub, Biotech lobbying dollars have secured market for genetically modified foods, study suggests, 12. Januar 2011, via http://ivn.us/2011/01/12/biotech-lobbying-dollars-have-secured-market-genetically-modified-foods-study-sug/

[9] Ibid.