Die Ergebnisse des Ölriesen Royal Dutch Shell lagen nicht nur weit unter den Erwartungen von Analysten, sondern entsprechen auch dem schlechtesten Quartalsergebnis des Konzerns in den vergangenen elf Jahren. Auch bei der Konkurrenz sieht es nicht viel anders aus, allen voran Schlumberger und Halliburton, bei denen sich der Jobabbau im 2. Halbjahr fortsetzen soll.

Analysten leiden im Gros noch immer unter viel zu hohen Gewinnerwartungen. Dies zeigt sich einmal mehr überaus gut am Beispiel Royal Dutch Shell. Die gemeldeten Ergebnisse des Ölkonzerns für das abgelaufene Quartal lagen um sage und schreibe mehr als $1 Milliarde unterhalb der Konsensprognosen der im Vorfeld befragten Analystenzunft.

Hauptgrund waren die deutlich niedrigeren Ölpreise als vor Jahresfrist, schwächere Margen im Raffineriegewerbe sowie etwaige Produktions- und Förderstopps. Der adjustierte Gewinn des Konzerns stürzte im Vergleich mit dem Vorjahresquartal um 72% auf $1,05 Milliarden ab, während Analysten im Durchschnitt mit einem Gewinn von $2,16 Milliarden rechneten.

Zwar konnte sich der Preis für die Rohölsorte Brent Crude im zweiten Quartal um rund 25% erholen. Doch diese Rallye scheint am Auslaufen und möglicherweise in einen neuen Abschwung überzugehen. Royal Dutch Shell macht zudem schwer zu schaffen, dass die einst so ertragreichen Raffineriegeschäfte keine Stütze für den Konzern mehr bilden.

Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass es zu teils weitläufigen Produktions- und Förderstopps in Ölländern wie Kanada, Nigeria und den Niederlanden gekommen ist. Bei der Firma BMO Capital Markets gab man sich ob der seitens Shell publizierten Ergebnisse überrascht und entsetzt.

Denn auch mit Blick auf Q3 sähen die Dinge keineswegs besser aus. Dies liege nicht nur an sinkenden Gewinnmargen im Raffineriegeschäft. Vielmehr befinde sich die Produktion bei Royal Dutch Shell nach wie vor unter Druck. Auch die deutlich niedrigeren Ölpreise lasten wie ein Pfund Blei auf der gesamten Ölindustrie.

Die seitens Royal Dutch Shell publizierten Ergebnisse befinden sich unter jenen, die in der laufenden Berichtssaison mit am stärksten enttäuscht haben. Auch die durch den Ölrivalen British Petroleum gemeldeten Ergebnisse lagen 12% unterhalb der Analystenerwartungen. Bei Statoil wurde gar ein Verlust im Gegensatz zu einem projizierten Gewinn ausgewiesen.  

Das Management von Royal Dutch Shell stimmte Analysten und Anleger vorbehaltlich schon einmal darauf ein, dass der Konzern unter Umständen von der Option Gebrauch machen werde, die eigenen Investitionen (CAPEX) und Ausgaben noch drastischer zu senken, falls der Ölpreis über einen längeren Zeitraum unter der Marke von $50 pro Fass verharren sollte.

Auch die amerikanische Ölfirma Schlumberger hatte Analysten und Anleger mit Blick auf deren Q2-Ergebisse herb enttäuscht. Völlig „überraschend“ wies Schlumberger in Q2 einen Verlust aus, der dazu führt, dass sich die Kostensenkungsmaßnahmen bei dem Unternehmen nahtlos fortsetzen werden.

Nachdem im 1. Halbjahr bereits 16.000 Arbeitnehmer bei Schlumberger ihren Job verloren haben, wird der Konzern soll sich der Jobabbau im 2. Halbjahr fortsetzen. Seit dem Jahr 2014 und dem Beginn des großen Ölpreisabsturzes hat Schlumberger rund 50.000 Mitarbeiter abgebaut.

Laut des Konzernmanagements hätten sich die Marktbedingungen im 2. Quartal zusätzlich verschlechtert. Trotz allem bestünde die Hoffnungen auf eine Bodenbildung im Ölsektor. Auch Schlumbergers Konkurrent Halliburton berichtete in Q2 über einen Verlustausweis. Folge ist, dass auch bei Halliburton weitere 5.000 Mitarbeiter oder 9% der Beschäftigten abgebaut werden sollen.

Seit dem Jahr 2014 hat Halliburton ungefähr 40% seiner damaligen Mitarbeiteranzahl abgebaut. Währenddessen berichten Ölunternehmen noch immer darüber, Kosten senken und Sparmaßnahmen durchführen zu wollen. Eine Bodenbildung sähe anders aus...