Die meisten großen Ölproduzenten haben ihre diesjährige Produktion an den Futures-Märkten vorverkauft. In diesem Zuge konnten sich diese Unternehmen noch die einst hohen Ölpreise für ihre Förderung im laufenden Jahr sichern. Doch was die Freud des Einen, ist das Leid des Anderen. Es stellt sich nämlich automatisch die Frage danach, wer diese „Absicherungen“ am anderen Ende der Leitung hält? In den meisten Fällen handelt es dabei um die großen Banken an der Wall Street. Falls sich der Ölpreis also nicht recht zügig wieder erholen sollte, blicken diese Banken abermals kolossalen Verlusten entgegen.

Unter Umständen stehen die Rohölpreise vor einem technischen Reversal, in dessen Zuge nochmals die Marke von $70 pro getestet werden könnte. Doch die merklich angezählten Charts weisen ebenfalls darauf hin, dass – falls es zu einer Zwischenrallye und temporären Preiserholung kommen sollte – es danach auch schnell wieder bergab gehen könnte.

Ob die Marke von $40 pro Fass dann einem Retest standhalten würde, wird sich zeigen. Ich hatte mich in letzter Zeit verstärkt den einbrechenden Rohölpreisen gewidmet und darauf hingewiesen, auf welch negative Weise sich die aktuellen Abläufe auf die Junkbondmärkte auswirken.

Nicht nur ein deutlicher Einbruch der Junkbondnotierungen, sondern ein ebenfalls crashender Rohölpreis liefen dem Aktienmarktabsturz und der ausbrechenden Bankenkrise im Jahr 2008 voraus. Ob die Dinge heute anders liegen, dürfte sich wohl schon bald zeigen. Dass vor allem auch die amerikanische Schieferölindustrie und die kanadische Ölsandindustrie in den Strudel der fallenden Ölpreise hineingerissen würden, stand mehr als zu erwarten.

Nicht nur, dass die Anzahl der aktiven Bohrtürme in den Vereinigten Staaten von Woche zu Woche sinkt. Vielmehr ist mit WBH Energy seit gestern auch das erste Insolvenzopfer unter den amerikanischen Schieferölunternehmen zu beklagen. Die signifikant gesunkenen Preise für Öl und Gas beginnen nun erwartungsgemäß – wie hier in einer Reihe von Vorberichten vermutet – zu beißen.

Als fatal erweist es sich für viele Unternehmen, dass die generierten Einkommen aus den Verkäufen von Rohöl oder Schiefergas dazu genutzt werden, um die Zinsen auf die ehedem in Hülle und Fülle aufgenommenen Schulden zu berappen. Ähnlich verhielt es sich seit dem Jahr 2006 mit einer übergroßen Anzahl von US-Hypothekennehmern an den Immobilienmärkten.

Die meisten der in finanzielle Schieflage geratenen Darlehensnehmer hatten sich über eine Aufnahme von Immobilienhypotheken auf eine Art und Weise verschuldet, die eine Tilgung – geschweige denn Zinsbedienung – in einem Umfeld steigender Zinsen unmöglich machte. Auf vergleichbare Weise verhält es sich mit vielen Schieferölunternehmen.

Die meisten dieser Firmen haben sich in der Niedrigzinsphase der letzten Jahre insbesondere über die Junkbondmärkte mit Kapital – und somit über eine horrende Schuldenaufnahme – vollgesaugt. Keine Frage, dass ein Großteil der noch recht jungen Industrie im Angesicht der aktuellen Entwicklungen an den Rohölmärkten vor einer Insolvenz zu stehen droht.

Diese Dinge werden sich vor allem dann zeigen, wenn die nächsten Coupon-Zahlungen fällig werden, für deren Bedienung es vielen Unternehmen aufgrund der eingebrochenen Ölpreise am nötigen Kapital fehlen wird. Ob der drastische Absturz der Rohöl- und Gaspreise das Zeug dazu haben wird, eine neue Finanzkrise einzuläuten, wird sich zeigen.

Eine neue Finanzkrise könnte eben durch jenen nicht zu unterschätzenden Aspekt ausgelöst werden, dass die durch Schieferölfirmen aufgenommenen Schulden fast gänzlich an die Junkbondmärkte gekoppelt wurden. Die so generierten Kapitaleinnahmen dienten zur Finanzierung von Bohrungen und Schieferölförderungen auf dem nordamerikanischen Kontinent.

Wie zuvor berichtet, belaufen sich die in den letzten Jahren aufgenommenen Schulden auf einen kumulierten Gesamtbetrag von etwa einer halben Billion US-Dollar. Ganz so, als ob es die amerikanischen Banken und Immobilienfinanzierer zu Zeiten des Häuserbusts nicht überaus hart erwischt hätte, weil sie sich bis unter die Kinnlade mit wertlosen Hypotheken, Subprime-Produkten und verbrieften Anleihen vollgesaugt hatten, scheinen die Institute in Sachen Schieferölindustrie dieselben Fehler begangen zu haben.

Denn der Löwenanteil der rund 500 Milliarden US-Dollar, die an den Junkbondmärkten zur Ankurbelung der heimischen Schieferölindustrie aufgenommen wurden, befindet sich in den Büchern und Bilanzen großer Banken. Sollte sich die Ausfallwelle an den Junkbondmärkten fortsetzen, steht natürlich einmal mehr das Überleben der Bankenindustrie in den westlichen Industrieländern auf dem Spiel.

Und eben aus jenem Grund schießen Spekulationen an den Finanzmärkten ins Kraut, laut denen die Federal Reserve wohl nicht mehr allzu lange mit einer Verabschiedung von QE4 auf sich warten lassen wird. Können Sie mir überdies einen Grund nennen, weswegen die Fed im aktuellen Umfeld ihren Leitzins anheben sollte?

Also mir fällt dazu nichts ein. Vielmehr erweckt es den Eindruck, dass es – wie erwartet – überhaupt keinen Ausweg aus QE mehr geben wird. QE wird sich so lange weltweit fortsetzen, bis auch diese Maßnahme nur noch mit einem Gähnen an den Finanzmärkten abgetan wird. Im gleichen Atemzug werden Zentralbanken immer mehr an einstiger Glaubwürdigkeit einbüßen.

Und dies wäre dann der Punkt, an dem es in der Tat sehr ernst werden dürfte. Nicht nur, dass QE4 alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen dürfte. Diese Maßnahmen werden im Falle einer neuen Finanzpanik wohl auch keineswegs ausreichen, weswegen es dann wohl begleitend auch zu einer Welle von Banken Bail Ins kommen dürfte.

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Fast alle westlichen Industriestaaten haben ihre Gesetzgebung in diesem Hinblick bereits angepasst. Wenn alles nichts mehr hilft, werden die Konteninhaber und Sparer – wie ehedem auf Zypern – eben direkt durch Enteignung zur Kasse gebeten. Frage ist und bleibt, ob die fallenden Ölpreise ein Albtraumszenario an den Rohstoffderivatemärkten auslösen könnten.

Hier sei nochmals angeführt, dass das Gros der großen Wall Street Banken auch den Bust an den Immobilienmärkten nicht kommen sah. Einbrechende Häuserpreise wurden damals nicht mit einer sich anschließenden Implosion im Bereich der mit Hypotheken besicherten Anleihen (MBS) in Verbindung gebracht.

Ebenso wenig antizipierten die zum Einsatz kommenden Modelle der Banken den heftigen Einbruch des Rohölpreises, der nun in der Spitze bereits um mehr als $60 abstürzte. Falls sich die Ölpreise nicht zügig erholen oder gar weiter sinken sollten, wird es eine ganze Menge an Marktteilnehmern dort draußen geben, die massive Verluste zu absorbieren haben werden.

In einer Reihe von Fällen werden diese Verluste unter den Ölproduzenten selbst entstehen. Immerhin haben die meisten großen Ölproduzenten ihre Produktion an den Futures-Märkten vorverkauft. In diesem Zuge konnten sich diese Unternehmen wenigstens noch die ehedem hohen Ölpreise für ihre Förderung im laufenden Jahr sichern. Dazu besteht nahezu eine Verpflichtung, da die meisten Firmen andernfalls keine frischen Bankenkredite erhalten hätten. Ölproduzenten sichern sich auf diese Weise zudem gegen jene Preisschwankungen an den Rohstoff- und Finanzmärkten ab.

Doch was die Freud des Einen, ist das Leid des anderen. Es stellt sich automatisch die Frage danach, wer diese „Absicherungen“ am anderen Ende der Leitung hält? In den meisten Fällen handelt es dabei um die großen Banken an der Wall Street. Falls sich der Ölpreis also nicht recht zügig wieder erholen sollte, blicken diese Banken abermals kolossalen Verlusten entgegen.

Laut neuester Schätzungen vereinen die sechs größten „Too-big-to-fail“ Banken einen Anteil von fast $4 Billionen im Rohstoffderivategeschäft auf sich. Der größte Teil dieses Betrages entfällt wiederum auf den Ölsektor...