Hier noch mal Teil 1

Hier noch mal Teil 2

Hier noch mal Teil 3

Geld als Ware – ein gemeinsames Ziel!

Kommen wir nun zu einem weiteren Punkt, der Sie wahrscheinlich überraschen wird. Es handelt sich um eine Gemeinsamkeit der Österreichischen Schule und der Freiwirtschaft, die von vielen Geldreformern beider Seiten anscheinend erfolgreich verdrängt wird, denn oftmals wird gestritten, gezankt und gezetert, ohne sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die „Österreicher“ wollen ein freies Marktgeld. In ihren Augen ist Geld nichts anderes als Ware. Da Edelmetalle wie Gold und Silber überaus haltbar und beliebig teilbar sind, über ein homogenes Äußeres verfügen, nicht verderben und nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stehen, halten sie Aurum und Argentum für das perfekte Zahlungsmittel. So weit, so gut.

Betrachten wir die Freiwirtschaft: Sie möchte dem Geld die Eigenschaften einer Ware geben und ihm seine Eigenschaft als „Joker“ in der Wirtschaft nehmen. Grundsätzlich handelt es sich hierbei um zwei sehr ähnliche Gedanken, wobei ich überzeugt bin, dass das Wesen des Geldes innerhalb der Vertreter der Freiwirtschaft sehr viel tiefgründiger untersucht wird, als von vielen Vertretern der Österreichischen Schule, die sich teils mit dem Kratzen an der Oberfläche begnügen und tiefer gehende Gedanken über Geld in die Welt esoterischer Spinnereien verbannen, wie beispielsweise dieses Zitat von Silvio Gesell:

„Die Schwierigkeit für das volle Erfassen des Begriffes ”Geld” liegt darin, dass der Nutzen, den wir vom Geld erwarten, so ganz und gar vom Stoff des Geldes unabhängig ist. Das Geld bedarf offenbar des Stoffes nur, um greif- und sichtbar zu sein, damit wir überhaupt sein Dasein feststellen und es übertragen können, nicht etwa weil wir etwas vom stofflichen Teil des Geldes erwarten...."

Der Wahrheitsgehalt dieses Zitates wird deutlich, wenn wir uns mit der Frage beschäftigen, welches Gold wir in Deutschland verwenden, um unsere zukünftige D-Mark 2.0 (*g) in einem Goldstandard zu decken. An dieser Stelle schließe ich aus, dass es möglich sein wird, in heutiger Zeit nationale und internationale Geschäfte nur mit physischen Münzen und Barren abwickeln zu können. Das Bezahlen eines Brötchens mit einer Mini-Silbermünze wäre ja noch weitestgehend denkbar, doch dass Deutschland für Gaslieferungen im Gegenzug physische Goldmünzen nach Russland karrt, ist doch m.E. sehr abwegig. Edelmetalle würden also irgendwo als Deckung hinterlegt sein, denn andernfalls wären alle modernen und bequemen Bezahlsysteme von EC-Karte bis PayPal Geschichte.

Ebenso schließe ich aus, dass meine (und hoffentlich auch Ihre) angesparten Gold- und Silbermünzen für die Deckung herangezogen werden könnten, denn es handelt sich um persönliches Eigentum. Ich für meinen Teil gedenke keinesfalls, diese vor meinem 65. Lebensjahr einzutauschen, da ich sie anstatt einer Riester-Rente für meine Altersvorsorge anspare. Womit wollte man mein Gold auch bezahlen, wenn Gold selbst Währung wäre? Mit anderem Gold? An Naturalien habe ich keinerlei Interesse, da sie zu schnell verderben und Enteignungen sind nicht Stil der Österreichischen Schule.

Heureka, das Gold ist da!

Doch Deutschland verfügt ja glücklicherweise über die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Genauer gesagt handelt es sich um recht stolze 3.402,5 Tonnen Gold, die jedoch nicht in Deutschland, sondern vornehmlich in den USA (New York, Fort Knox) und London eingelagert sind, - behauptet man. Ob das tatsächlich so ist, weiß niemand so genau. Welche Beschaffenheit dieses Gold hat, wäre auch zu klären. Gold oder Wolfram ist hier die Frage. Und ob uns die Amerikaner das Wolfram-Gold ;-) irgendwann zurückgeben werden, steht ebenfalls in den Sternen. Ich persönlich glaube nicht daran, - weder dass es noch da ist, noch dass es jemals wieder auf deutschen Boden zurückgeführt werden wird. Es wäre begrüßenswert, wenn mein verschwörungstheorethischer Geist in diesem Punkt irren würde.

Eine Währung mit Gold zu decken, das möglicherweise niemals mehr in den Besitz Deutschlands übergehen und vielleicht für immer verloren ist, halte ich aus Sicht der Österreichischen Schule für nicht hinnehmbar. Das wäre schlichtweg mit zuviel Glaube und Hoffnung verbunden. Schließlich ist es doch unbedingt nötig, dass G(o)eld in physischer, nicht vermehrbarer Form vorhanden ist, oder?

Heureka, ich habe eine Idee! Warum nehmen wir nicht einfach das Gold, das es in Deutschland tatsächlich noch gibt? Welches, das noch gar nicht gefördert wurde! Alleine im Freistaat Bayern zum Beispiel vermutet der Dipl.-Geologe Wolfgang Hampel Goldressourcen von etwa 50 Tonnen. Allerdings sind die Vorkommen für sich zu klein, um an einen wirtschaftlich sinnvollen Abbau zu denken. http://www.firmenpresse.de/pressinfo24395.html

Gold oder Bahnhof?

Wäre es nicht überlegenswert, diese stillen Goldreserven trotzdem als Währungsdeckung heranzuziehen. Es ist doch vorhanden! Das steht unzweifelhaft ausser Frage. Doch warum sollen wir es eigentlich ausgraben? Um es nach der Förderung wieder in einem Bunker der Deutschen Bundesbank in Frankfurt in den Tiefen der Erde verschwinden zu lassen? Lassen wir es doch einfach da, wo es ist! In der Erde. Das spart Arbeit, Zeit und schont die Umwelt. Zudem lagert es in den Gesteinsschichten sicherer, als in einem Tresor. Ein unbefugter Abbau und Diebstahl des in der Erde befindlichen Goldes würde doch jedem sofort auffallen! Spätestens dann, wenn eine Diebesbande oder ein Explorationsunternehmen ein riesiges Erdloch irgendwo in Bayern buddeln würde.

Soeben stelle ich mir gedanklich den Horst Seehofer vor, wenn er – mit einer in schwarz gekleideten SEK-Hundertschaft und sieben Wasserwerfern im Gefolge - die Baustelle besucht:

 „Hallo, hallo, das geht aber nicht! Sofort aufhören! Was machen Sie hier? Bauen Sie einen Bahnhof oder graben Sie etwa nach Gold?“ ;-)

Spaß beiseite – werden wir wieder (ein bisschen) ernst. ;-)

Faust, Mephistopheles und Kaiser

 

Liebe eingefleischte Goldwährungsanhänger!

 
 

 

 
 

Ich weiss es genau!

 
 

Sie halten mich nicht für sehr schlau!

 
 

 

 
 

Sie sind sehr erbost ob meiner Zeilen!

 
 

Will er wohl den Kaiser bezirpsen einstweilen?

 
 

 

 
 

Geld will Reinhardt drucken, -

 

ganz nach seinem Gusto,

 
 

und Sie beschimpfen mich als Faust,

 

nein als teuflischen Mephisto!

 
 

 

 

Johann Wolfgang v. Goethe, Faust II.

 

 

 

FAUST, MEPHISTOPHELES und KAISER

 

 

 
 

[...]

 

Faust (zum Kaiser gewandt):

 

„Das Übermaß der Schätze, das, erstarrt,

 
 

In deinen Landen tief im Boden harrt,

 
 

Liegt ungenutzt. Der weiteste Gedanke

 
 

Ist solchen Reichtums kümmerlichste Schranke;

 
 

Die Phantasie, in ihrem höchsten Flug,

 
 

Sie strengt sich an und tut sich nie genug.

 
 

Doch fassen Geister, würdig, tief zu schauen,

 
 

Zum Grenzenlosen grenzenlos Vertrauen.“

 
 

[...]

 
 

Kaiser:

 

„Es fehlt an Geld, nun gut so schafft es denn.“

 
 

[...]

 
 

MEPHISTOPHELES:

 

„Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht; Drum besser wär's, dass nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.“

 

Bitte verzeihen Sie meinen kleinen Ausflug in die Lyrik. ;-)

Doch Sie sehen, selbst Goethe hat die Geldschöpfung schon thematisiert. Ist das nicht schön, wie gut es passt? Doch meinte Goethe es tatsächlich als Kritik an der Papiergeldschöpfung? Interpretationsspielraum besteht zweifelsohne! Doch hatte Faust nicht einen klugen Gedanken? Wie sinnig ist die Forderung nach einer Golddeckung tatsächlich?

Es stellt sich die Frage der Fragen: Was ist das wahre Wesen des Geldes?

Vom Wesen des Geldes oder .... Money, Money, Manie! (Helmut Reinhardt)

Nun ein paar Fragen am Rande: Wie fühlen Sie sich gerade, wenn Sie daran denken, dass man noch nicht gefördertes Gold zur Deckung heranziehen könnte? Bereitet es Ihnen Bauchweh? Stimmt irgendetwas nicht mit diesem Gold? Wäre es Ihnen lieber, man grübe es tatsächlich aus? Ist es als Bodenschatz schlechter als gefördertes? Ist Gold vielleicht nur existent, wenn man es tatsächlich in hübscher Barren- oder Münzenform anfassen kann? Stellt in Ihren Augen der pure Akt der geologischen Exploration, Förderung und künstlichen Einlagerung (Tresor) eine vertrauensbildende Maßnahme dar?

Entschuldigung, ich frage ja nur...

Hm, eigentlich geben Sie mir ein bisschen Recht, oder? Warum soll man es eigentlich vorher ausbuddeln, wenn es doch nur als Deckung und nicht für Schmuck, sonstiges Geschmeide oder neue Zähne verwendet werden soll. Oder haben Sie vielleicht andere Bedenken, die Ihnen jetzt zu schaffen machen? Welchen Sinn macht eine Währungsdeckung durch ungeförderte Bodenschätze? Ist eine solche „Absicherung“ tatsächlich nötig? Ist eine mangelnde Deckung tatsächlich die Ursache unserer heutigen Probleme?

Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen jetzt meine tiefste Überzeugung mitzuteilen:

Von mir aus kann man eine Währung ruhig mit Gold decken, denn es ist völlig uninteressant, ob man das tut oder nicht. Darauf kommt es gar nicht an. Und so rufe ich Ihnen zu:

„Das Gold ist doch da, grabt es halt aus,

wenn´s denn Euren Geist beruhigt!“

Doch jemand, der eine Golddeckung für unabdingbar hält, hat in meinen Augen das Wesen des Geldes nicht verstanden. Die Forderung nach einer Golddeckung hat keine Substanz. Die fehlende Golddeckung ist nicht das Problem, das unserem Geldsystem inne wohnt. Die Probleme liegen in einer falschen Betrachtung von Geld, seinen eigentlichen Wert durch langfristiges Horten zu kastrieren und ihm seine Energie zu nehmen, die nur bei seiner Weitergabe fließen kann. Vielleicht wird es jetzt deutlich, was Silvio Gesell mit seiner Aussage deutlich machen wollte.

Genau wie Albert Einstein nachgewiesen hat, dass unsere Vorstellung von Zeit nichts mit der Realität zu tun hat, und Zeit in Symbiose mit dem Raum verknüpft ist, so war es der Verdienst Gesells, die Problematik des langfristigen Hortens und Sparens und die auf lange Sicht unvermeidlichen, negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft erkannt zu haben. Aus diesem Grund würdigte ihn Albert Einstein auch mit dem Satz:

"Ich erfreue mich an dem glänzenden Stil von Silvio Gesell. ... Die Schaffung eines Geldes, das sich nicht horten läßt, würde zur Bildung von Eigentum in anderer wesentlicherer Form führen."

... genau das ist der Grund, warum ich zurzeit in Edelmetallen spare, - eben weil sie keine Geldfunktion mehr haben...

 

Zum Golde drängt, am GELDE hängt doch alles...

 

... wird in Teil 5 fortgesetzt.

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