Geld verdirbt den Charakter heißt es oft. Seltener wird auf die Frage des Charakters des Geldes selbst hingewiesen, obwohl es reichlich Abhandlungen gibt, die sich mit der Entstehung des Geldes beschäftigen. Eine große Einigkeit herrscht unter den Verfassern derlei Schriften über die Eigenschaften, die Geld aufweisen muss.

Neben den Faktoren Homogenität, Teilbarkeit und Haltbarkeit spielt die Seltenheit eine nicht unwesentliche Rolle. In einigen Schriften wird dieser Punkt eher nachlässig behandelt, einzig der Bezug, das Wertaufbewahrungsmittel solle eine möglichst hohe „Wertdichte“ besitzen wird erwähnt, weil sonst etwaige „Transportkosten“ das ganze Spiel in die Ineffizienz führten.

In der aktuellen Mischwelt aus Digitalgeld und den bekannten Papierscheinen spielen die Transportkosten wohl keine sonderlich große Rolle. Dennoch ist der Punkt der Seltenheit aus einem anderen Blickwinkel heraus interessant, denn die Möglichkeiten zur Vermehrung des Zahlungsmittels steigen schon in der Papiergeldwelt nahezu ins Beliebige. Die Folgen sind bekannt, denn ein free lunch gibt es nicht, und durch das Drucken von Geld wird auch nicht der geringste Wert geschaffen. Nun wird von Freunden dieser modern wirkenden Geldwelt gerne eine nicht gerade konstruktive Kritik am Gold geäußert. Zum Teil handelt es sich um ernsthafte Verfechter des fiat-regimes, ein anderer Teil äußert sich vielleicht vor laufenden Kameras positiv zum status quo, was dann aber spätestens abends beim Feierabendbier im privaten Rahmen schnell gerade gerückt wird.

Ein Punkt, der in der großen Diskussion um die Edelmetalle wenig Beachtung findet, ist die Liquidität. Investiert ein Zentraleuropäer seine Euros im Euroraum, auf einem Eurokonto und in andere Euroanlagen, so halten sich seine Reibungsverluste naturgemäß im Rahmen der mehr oder weniger gerechtfertigten Bankgebühren. In diesem Kontext macht die Aussage „Gold verursache hohe Transaktionskosten“ wenig Sinn. Sieht man Gold als Geld bzw. eigenständige Währung an, sieht die Sache schon anders aus. Und diese Sichtweise ist durchaus vertretbar, denn die globale Akzeptanz des Edelmetalls ist unbestritten und hat sich auch im langen Lauf der Geschichte nicht großartig verändert.

Vergleichen wir einmal direkte physische Transaktionen in andere Währungen mit Käufen oder Verkäufen von Gold. Dazu müssen wir einen Blick auf den Markt für Papiergeld werfen, sprich auf eine Tabelle der Sortenkurse. Die unten stehenden stammen beispielsweise von der Postbank. Bei anderen Instituten sieht das Bild ähnlich aus. Die Tabelle zeigt, wie groß die prozentuale Differenz zwischen An- und Verkaufskursen der einzelnen Währungen sind. Das Ergebnis ist gelinde gesagt immer wieder erstaunlich.

Als Händler würde man diese scheunentorbreiten Spreads wohl mit der bekannten sarkastischen Bemerkung „breit aber ehrlich“ kommentieren. Wir haben bewusst, abgesehen vom Baht, keine sonderlichen Exotenwährungen in die Statistik aufgenommen. Allein die Spanne beim britischen Pfund, oder auch die 6% beim US Dollar – immerhin die aktuelle Leitwährung – sind überaus heftig.


Nun kennt jeder, der einmal für eine Reise die ein oder anderen ausländischen Scheine erworben hat, die Antworten auf die Frage, warum das denn so teuer sei. Die drei Argumente lauten, das Geld müsse beschafft werden, es entstünden Lagerkosten und es kann in der Zeit, in der es herumliegt, nicht angelegt werden. Alle drei Punkte gelten in gleichem Maße natürlich auch für Gold. Bei den Bid-Ask Spreads des Edelmetalls zeigt sich aber ein erfreulicheres Bild. Folgende Übersicht zeigt das typische Bild eines (seriösen) Händlers. Wir haben sowohl Münzen als auch Barren angeschaut.

Bei Münzen kleiner Stückelung, oben stehend eine halbe Unze, liegt die Spanne zumindest in der Nähe dessen, was auch beim Schweizer Franken zu beobachten ist. Bei allen anderen Produkten und vor allem bei den Barren sind die Spannen deutlich enger. Die nächste Darstellung zeigt zur Verdeutlichung das Ergebnis sofortiger Kauf-Verkauf Geschäfte in den einzelnen Währungen und im Gold. Für letzteres rechnen wir mit der 3,7%igen Spanne des Unzenbarrens. Also, was bleibt in unserer Geldbörse, wenn wir einmal €1000 in eine Währung tauschen und gleich wieder zurücktauschen (liebe Kinder: Bitte nicht nachmachen!). Weil es so schön ist, tauschen wir gleich drei mal hin und her.

Wird es mit schwedischen Kronen und thailändischen Baht ausgeführt, so erinnert das Geschäft an die cash-burn rate an so manches Internet Start up. Wer nur ein einziges Mal einen Tausender in Baht umtauscht und den verbliebenen Betrag wieder zurücktauscht, der hat erfolgreich mehr als ein Viertel seiner Moneten verbrannt. Aber selbst bei den größeren Währungen im Kapitalmarkt, wie dem US Dollar, schmilzt der Geldbestand rasch.

Nun mag von mancher Stelle eingewendet werden, warum denn überhaupt jemand ausländisches Bargeld halten sollte, auf dem Konto sei es doch viel sicherer. Nun, darüber darf man durchaus geteilter Meinung sein. Gerade die aktuellen Entwicklungen in der Schweiz sind durchaus bemerkenswert. Zuerst kam es zu einem aberwitzigen Begründungsgebot bei größeren Barabhebungen durch Ausländer. Der Bankangestellte soll dann entscheiden, was „angemessen“ ist. Einmal abgesehen davon, was eine derartige Regelung noch mit dem Respekt vor Privateigentum zu tun hat, ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten. Ist es denn sinnvoller, 20.000 Franken für ein Ledertäschchen auszugeben, dass in der Herstellung vielleicht 100 Mark kostet als es ist, mein Geld einfach in der Gegend herumzutragen und vielleicht aus einem Hochhausfenster über die Stadt zu verstreuen? Das zu entscheiden, sollte doch wohl Sache des Besitzers sein. Oder müssen wir demnächst auch begründen, ob der Kauf des einen Buches angemessen oder verwerflich ist? Aber ja, die Steuer, es ist doch zu unser aller Sicherheit und zur Mehrung des Wohlstands. Sicher, sicher.

Nun kam der nächste Schlag der Banken des Bergvolkes. Die Schweizer, wohl ein wenig besorgt wegen des starken Frankenanstiegs, der für gigantische Verluste bei der Schweizer Nationalbank sorgte, versuchen derzeit scheinbar, einige Zuflusskanäle in die heimische Währung unattraktiver zu gestalten. So kam es zu einer fast schon konzertiert scheinenden Gebührenerhöhung für ausländische Eigner von Franken-Konten. Bei der Credit Suisse stiegen die Gebühren der Presse zufolge auf nunmehr satte €480 pro Jahr. Auch die UBS löste eine Gebührenlawine aus. Der Anstieg fiel nicht ganz so steil aus, das Ergebnis aber ist vergleichbar, schlappe €440 werden per annum fällig. Besonders bemerkenswert ist die Beschränkung auf Kunden, die einen bestimmten Kontostand unterschreiten. Kunden unter einer Million seien somit nicht mehr erwünscht.

Bei derartigen Gebühren kann man sich den Weg zur Bank in der Tat sparen. Für diese Summen lässt sich bereits ein kleiner Tresor erwerben. Ist doch prima! Da hinein kann dann auch gleich das Eurobargeld. Denn warum sollte man der Bank diese Mittel als fast zins- und somit kostenloses Funding überlassen, während die gleichen Institute am Markt für die Finanzierung deutliche Risikoprämien auf den Tresen legen müssen? Nichts verdienen kann man auch alleine. Und zwar kostenlos. So geht Bank morgen.

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