Die unbeschwerte Beziehung zwischen Anlegern und Aktienmärkten scheint Ernüchterung gewichen zu sein. Der Auslöser dieses Stimmungswechsels kommt auf den ersten Blick aus den Schwellenländern, wo nicht mehr alles so rosig auszusehen scheint.

Das ist alles andere als eine neue Erkenntnis. Auch schon 2011, 2012, 2013 - zur Hochzeit an den Aktienmärkten - zeigte die im Himmel geschlossene Verbindung zweifelhafte Momente. Das ist nichts Besonderes, denn in jeder Beziehung gibt es auch schwere Tage. Im Übergang von starkem Export und heiß gelaufenen Investitionen zu einer stabil wachsenden Binnenkonjunktur kommt es naturgemäß zu zwischenzeitlichen Schwächephasen.

Die Fed als "Lustkiller"

Nein, Ursache, sozusagen Lustkiller, ist die neue Sachlichkeit der US-Geldpolitik, die sich doch tatsächlich traut, ihre fortgesetzte Liquiditätsdrosselung egoistisch nur noch an nationalen Befindlichkeiten zu orientieren und die Schwellenländer links liegen zu lassen.

Und jetzt wird die Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Auf einmal sind die früher so begehrten Thai-Suppen, Peking-Enten oder Fajitas out. Stattdessen ist die gut bürgerliche Küche der sicheren Anleihehäfen der USA und Deutschlands gefragt.

Kapitalflucht oder vielleicht besser Liebesentzug ist leider immer ein massenpsychologisches Phänomen. Eins, zwei, drei und dann ganz viele Anleger verlassen die Schwellenländer. Denn zu Kursverlusten bei Anleihen und Aktien kommen Währungsverluste. Diesen doppelten Beziehungsstress halten kein Anleger und kein Vermögensverwalter aus.

Die globalisierte Beziehungsfalle

Die Gefahr von schlechter Finanzmarkstimmung ist deren verheerende Wirkung auf die Realwirtschaft. Leidet ein Schwellenland unter nachhaltigem Liebesentzug seiner ausländischen Anleger, gibt es früher oder später auch keinen Valentinstag mehr für das Wirtschaftswachstum. Verschmähte Liebe hat auch zur Asien-Krise ab 1997 geführt.

Und spätestens dann schnappt die globalisierte Beziehungsfalle zu. Denn die in den weltkonjunktursensitiven Aktienindizes wie DAX oder MDAX vertretenen Exportfirmen verkauften ihre Produkte nach Fernost und Südamerika bislang wie geschnitten Brot. Und so manches Industrieunternehmen schreibt nur deshalb schwarze Zahlen, weil es die Emerging Markets gibt. Geht es China & Co. gut, geht es auch den Exportunternehmen gut. Das gilt allerdings auch umgekehrt.

Haben wir es aktuell also mit den Anfängen einer Asien-Krise 2.0 zu tun, müssen wir uns auf erkaltete Liebe in der Weltkonjunktur und Trennungsgerüchte an den Weltaktienmärkten einstellen?

Wenn doch bloß diese Emotion nicht wäre

Schwellenländer mit geringer Auslandsverschuldung, Leistungsbilanzüberschüsse und politischer Stabilität haben es gegenüber denen, die auf Pump leben und politisch anfällig sind, naturgemäß einfacher. Diese Länder haben auch vergleichsweise stabile Währungen und weniger anfällige Aktienmärkte. Hierzu gehören China, Südkorea, Malaysia und auch Brasilien. Im Übrigen, dieser fundamental harte Kern der Schwellenländer stützt die Weltwirtschaft.

Aus eben diesen fundamentalen Gründen ist eine Asien-Krise 2.0 ebenso wenig zu erwarten wie aus geldpolitischen. Die kürzlich neu ins Amt eingeführte US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen wird zwar vermutlich weiter tapern. Und wenn im Sommer der Liquiditätszufluss tatsächlich komplett beendet sein sollte, könnten aber die Überschussreserven, die die US-Geschäftsbanken bis dahin bei der Fed angehäuft haben, die gesamte US-Wirtschaft locker mehrfach finanzieren. Und die Yellen-Fed wird davon netto nichts, keinen Cent abziehen. Sie ist kein Beziehungs-Crasher.

An Zinserhöhungen - die schlimmsten Folterinstrumente der Notenbank - wird Janet Yellen nicht im Traum denken. Ansonsten hätte Frau Yellen nicht nur die Schwellenländer, sondern auch die Weltkonjunktur auf dem Gewissen. So weit wird es niemals kommen.

Aber, aber, aber, aktuell sind die Ohren der Anleger für diese rationalen Argumente stark verstopft. Die Märkte sind unruhig wie der Mann vor dem Heiratsantrag an seine Freundin.

Internationale Geldpolitik ist eine Herzensangelegenheit

In dieser angespannten Marktlage müssen die Großen Drei Fed, EZB und Bank of Japan zusammen arbeiten und als internationale Beziehungs-Kitter die psychologische Kehrtwende schaffen. Geldpolitik ist heutzutage keine rein nationale Angelegenheit mehr. In unserem globalisierten Finanzdorf muss sie auch globalen Bedürfnissen, speziell denen der Schwellenländer, genügen. Die großen Notenbanken müssen noch klarer machen, dass sie jede weltwirtschaftliche Deflation, jede erkaltete Liebe - im Keim erstickt. Und wenn es sein muss, wird die Fed eben weniger tapern oder auch gar nicht mehr. Geld hat schon oft genug zumindest die Grundlage für eine gute Vernunftehe geschaffen.

Das heißt aber auch, dass die Finanzwelt aus der geldpolitischen Beziehungsberatung zwischen Anlegern auf der einen und Konjunktur und Aktienmärkten andererseits in den nächsten langen Jahren nicht mehr heraus kommt. Sie wird schlichten bis sich wieder alle lieb haben.

So kann sich der Markt in der nächsten Zeit weiter austoben wie eine Ehe im verflixten 7. Jahr. Charttechnisch sollte aber bei 8.890 Punkten im DAX Schluss sein. Dort verläuft eine ganz dicke Unterstützung.