Schon seit einigen Jahren, werden den Pazifischen Anrainerstaaten die größten ökonomischen Wachstumsimpulse der Welt prognostiziert.

Diese Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft befindet sich seit ihrer Gründung, 1989 in der australischen Hauptstadt Canberra, in einem ständigen Erweiterungsprozess.

Die mächtigsten Staaten der Welt, wie die USA, Russland und die Volksrepublik China, sind ebenso Mitglied dieser Asiatisch-Amerikanischen-Ozeanischen Vereinigung, wie zahlreiche Schwellen- und Entwicklungsländer. Der größte islamische Staat der Welt - Indonesien - ist in der APEC ebenso anzutreffen, wie Mexiko - die größte katholische Nation der Welt. Peru gehört auch zu dieser illustren Runde.

Im Jahr 2008 verkündete der damalige peruanische Präsident Garcia, als Gastgeber dieser Konferenz die seinerzeit im Lima tagte, "Europa besitzt keine Zukunftsperspektive!” , bzw. ”Die USA und Europa könnten der Welt keine Wachstumsimpulse mehr vermitteln”.

Diese kühne Prognose ihres Präsidenten mochte damals viele Peruaner erstaunen, von denen viele dankbar wären, in Peru ähnliche soziale, rechtliche und materielle Lebensumstände vorzufinden wie in Europa, die trotz aller Fortschritte - der Beendigung des Bürgerkrieges beispielsweise - in großer Zahl ihr Glück im Ausland suchen, vor allem in den USA und der EU.

Garcia berief sich damals auf die Statistiken, welche Peru zeitweise eines der stärksten Wachstumsraten weltweit signalisierten, allerdings ohne die tiefen sozialen Verwerfungen im Lande nachhaltig zu beseitigen. Garcia, der damals seine zweite Amtszeit absolvierte, die erste wurde unrühmlich Ende der 1980er Jahre beendet, gehörte zum linken Lager des politischen Spektrums.

Sein Nachfolger war Alberto Fujimori, der aus der kleinen japanisch stämmigen Minderheit Perus stammte, und von Volk "El Chino" der Chinese genannt wurde.
Während seiner Amtszeit regierte er unter Anderem mit Notstandsgesetzen, verpasste Peru eine Schocktherapie, gemäß den ultraliberalen Lehrsätzen der Chicago School und intensivierte den Kampf gegen die maoistische Terrorgruppe "Sendero Luminoso", auf Deutsch "Der Leuchtende Pfad".

"Leuchtender Pfad": Guerilliabewegung konnte marginalisiert werden

Diese Guerillia, unter Führung des dem ideologischen Wahnsinns verfallenen Philosophie-Professors Abimael Guzman hatte sich zur Geißel Perus entwickelt.
Guzman, dessen Strategie, militärische Vorgehensweise und ideologische Dogmen Ähnlichkeiten aufwies, mit den Khmer Rouge im weit entfernten Kambodscha des Pol Pot, führte das Land in einen blutigen Bürgerkrieg, dem zehntausende von Menschen zum Opfer fielen.

Unter der Herrschaft Fujimoris gelang es, den "Leuchtenden Pfad" durch die Festnahme Guzmanns 1992 zu marginalisieren. Präsident Fujimori ließ damals Guzman in einem Käfig der Weltpresse vorführen. Ironie der Geschichte: Heute sitzt nicht nur Guzman im Gefängnis, sondern auch Fujimori.

Nach einem Bestechungsskandal im November 2000 war der Präsident zu seinen Eltern nach Japan geflüchtet, tauchte dort mehr als 5 Jahre unter, ging dann nach Chile, von der Hoffnung getragen, seine politische Karriere wieder aufnehmen zu können, wo ihn die peruanische Polizei festnahm.

Im Jahr 2007 wurde er wegen Amtsmissbrauchs zu sechs Jahren Haft verurteilt. Im April 2009 wurde er in einem Gerichtsverfahren für schuldig befunden, die Anordnung für Morde und Entführungen gegeben zu haben und wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. In zwei weiteren Gerichtsverfahren kamen insgesamt zusätzliche siebeneinhalb Jahre im Gefängnis hinzu. Vorwurf: Wählerbeeinflussung.

Angesichts dieser Vorgeschichte scheint es um so erstaunlicher, dass die Tochter Fujimoris bei der ersten Runde der aktuellen Präsidentschaftswahlen am Sonntag die meisten Stimmen erhielt. Zwar verfehlte Keiko Fujimori die absolute Mehrheit für einen Sieg in der ersten Runde, tritt aber jetzt in der Stichwahl
gegen den ehemaligen Wall-Street-Banker Pedro Pablo Kuczynski an, der dem neoliberalen Lager zugerechnet wird.

Ob Peru, angesichts dieser politischen Rahmenbedingungen, sein ökonomisches Potential entfalten kann, bleibt fraglich. Wie sich die Tochter von "El Chino" politisch positionieren möchte, ist nicht gewiss. Sicher ist aber, dass der "Leuchtende Pfad" sich wieder zurückgemeldet hat, einen Tag vor dem Urnengang, mit einem bewaffneten Überfall im Landesinneren.