Unter der Ägide von Bill Gross war das Portfolio von Pimco schon einmal gänzlich ohne US-Staatsanleihen bestückt. Ganz so derb sieht es im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung noch nicht aus. Allerdings zeigen neueste Daten, dass einer der weltgrößten Anleihefonds seinen Bestand an gehaltenen US-Regierungsbonds im Monat Mai auf nur noch 8,5% minimierte.

Pimco Total Return Fund stößt US-Staatsanleihen ab

So reduzierte Pimco Flaggschifffonds Total Return Fund seine Bestände an gehaltenen US-Staatsanleihen im Mai deutlich, da der Ausblick in Bezug auf noch in diesem Jahr erfolgende Zinsanhebungen durch die Federal Reserve dort wohl ernster genommen wird als andernorts.

Viele Marktakteure gehen in diesem Jahr nicht mehr von einer Zinserhöhung durch die Fed aus, weil sich das konjunkturelle Umfeld in den Vereinigten Staaten in den letzten Wochen und Monaten sukzessive verschlechterte.

Darauf weist nicht nur die erfolgte Wirtschaftsschrumpfung im 1. Quartal, sondern auch die schleppende Entwicklung der Aktivitäten im 2. Quartal hin. Wurde für die enttäuschende Performance der US-Wirtschaft in Q1 noch der Arbeiterstreik in den großen Häfen im Westen des Landes und schlechtes Winterwetter verantwortlich gemacht, so stellt sich die Frage, wo die Impulse für ein anziehendes Wachstum in Q2 herkommen sollen?

Die offiziell propagierte Lage an den US-Arbeitsmärkten leitet sich weitestgehend aus den hemmungslosen Statistikschönungen durch das Bureau of Labor Service ab. Geschaffene Vollzeitstellen finden sich in den monatlich publizierten Berichten immer weniger, anstelle dessen kommt es verstärkt zur Schaffung von so genannten McJobs oder Teilzeitstellen.

Drastische Reduzierung der US-Staatsanleihebestände: Von 35,3% auf 8,5%

Wo soll Wachstum an den US-Arbeitsmärkten auch herkommen, wenn berücksichtigt wird, dass die Unternehmen in den USA ihre CAPEX-Investitionen immer stärker zurückfahren, anstatt – wie ehedem durch diverse Marktschreier und verschiedene Analysten prophezeit – konstant zuzulegen?

Aussagen dieser Art sind nun bereits zwei bis drei Jahre alt. Stattdessen sind wir Zeugen geworden, auf welche Weise die meisten Unternehmen und Konzerne ihre Aktienrückkäufe ausgeweitet und ihre Dividenden erhöht haben. Davon profitiert gesellschaftlich natürlich nur eine äußerst kleine Schicht, während der Rest der Bevölkerung in die Röhre schaut.

Um auf die aktuelle Situation bei Pimco zurückzukommen, so zeigen die neuen Daten, dass der Total Return Fund noch im April 23,4% seines Gesamtportfolios in Höhe von knapp $110 Milliarden in US-Staatsanleihen oder damit verwandten Instrumenten investiert hatte. Im Februar erreichte dieser Wert gar noch 35,3%.

Es stellt sich die Frage, warum Pimco seine US-Staatsanleihebestände derart drastisch reduziert. Im Mai hielt der Total Return Fund gerade noch 8,5% in Form von U.S. Treasuries. Vielleicht könnte es daran liegen, dass US-Staatsanleihen ihren Investoren laut Bloombergs Bond Index im Monat Mai einen Verlust von 0,4% bescherten, nachdem es schon im April zu einem Minus von 0,6% gekommen war.

Trotz der sich mehrenden Einschätzungen an den Finanzmärkten, nach denen die Federal Reserve ihren Leitzins im laufenden Jahr nicht mehr anheben wird, sind die US-Renditen in vielen Laufzeiten zuletzt nach oben geschossen. Parallel zu dieser Entwicklung gaben die Bondkurse nach.

Es scheint dem Braten zurzeit niemand so recht zu trauen. Jedenfalls erweckt es diesen Eindruck. So kletterte die Rendite der US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren allein am Dienstag um 6 Basispunkte auf 2,44%. Noch im Januar lag dieselbe Rendite bei gerade einmal 1,63%. Im heutigen Handel wurden 2,48% erreicht.