Im April dieses Jahres berichtete ich darüber, dass Chinas Staatskonzern State Grid den Bau eines weltumspannenden Energienetzes plant. In diesem Zuge wurde State Grid seitens der Regionalregierung des Bundesstaats New South Wales signalisiert, dass Chinas Staatskonzern beim angedachten Verkauf des regionalen Energieversorgers Ausgrid erste Wahl sei.

Zudem bot der chinesische Konzern den höchsten Preis – umgerechnet 7,6 Milliarden USD war Ausgrid den Chinesen wert – und damit weitaus mehr als allen anderen Bietern. Nun haben sich die Vorzeichen ganz plötzlich und vor allem radikal geändert.

In Peking zeigte man sich Ende letzter Woche erbost darüber, dass die Lokalregierung  von New South Wales in Sachen eines bevorstehenden Ausgrid-Verkaufs nun plötzlich aufgrund von „Sicherheitsbedenken“ einen Rückzieher gemacht hat.

Australiens Energieversorger wird auf einen Wert von umgerechnet 7 Milliarden USD taxiert. Wie die bundesstaatliche Regierung am Freitag mitteilte, solle der Bieterprozess überraschend neu aufgerollt werden, nachdem eine Einigung über einen Verkauf mit State Grid und der in Hongkong ansässigen Cheung Kong Infrastructure Holdings in trockenen Tüchern schien. 

Ähnliche Meldungen waren zuletzt auch aus Großbritannien vernehmbar. Nach dem Abgang von David Cameron scheint die neue Premierministerin Theresa May die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Noch vor Kurzem war eine Modernisierung von zwei Atomreaktoren in Hinkley Point unter chinesischer Beteiligung angedacht.

An dieser Modernisierung sollte sich das Unternehmen China General Nuclear finanziell beteiligen. Doch May weist nun ganz plötzlich ebenfalls auf „Sicherheitsbedenken“ hin, was den Deal mit dem chinesischen Atomkonzern zunichte machen dürfte.

Bieterprozess soll neu beginnen

In Australien wird die Lokalregierung des Bundesstaats New South Wales den Bieterprozess für Ausgrid jetzt neu initiieren, wie es in einer Mitteilung hieß. Während vor rund 8 Monaten noch der Abschluss eines bilateralen Freihandelsabkommens zwischen Australien und China bejubelt wurde, ändert die Entscheidung zu einem Ausschluss von State Grid im Hinblick auf den Verlauf von Ausgrid nun die politische Gemengelage ganz erheblich.

So schnell kann es gehen. China ist Australiens größter Handelspartner. Ein Großteil der auf dem fünften Kontinent geförderten Rohstoffe werden direkt nach an das Reich der Mitte exportiert.

Lokale Medien berichten darüber, dass die Brüskierung der Chinesen einen politischen Graben zwischen Peking und Canberra aufgerissen hat, der sich in absehbarer Zeit noch vertiefen könnte. 

Chinas Wirtschaftsministerium warf Canberra in einer Mitteilung auf der eigenen Webseite in einem Statement vor, dass die getroffene Entscheidung auf ein „von Unsicherheit geprägtes Investitionsumfeld“ in Australien hindeute. Resultat werde sein, dass chinesische Firmen in der Zukunft von Investitionsplänen in Australien absehen werden.