Die Dinge haben sich in Ferguson auf eben jene Weise entwickelt wie es sich die meisten aufmerksam beobachtenden Amerikaner gedacht hatten. Ein Strafermittler weißer Hautfarbe gab gegenüber der Jury die Empfehlung zu der Entscheidung ab, dass der weiße Polizist, der einen jungen Mann schwarzer Hautfarbe erschossen hatte, guten Grund dazu gehabt und aus diesem Grunde kein Verbrechen begangen habe.

Die schwarze Bevölkerungsmehrheit, politisch nicht sonderlich einflussreich in der Kleinstadt Ferguson, setzt sich aus amerikanischen Bürgern zusammen, die permanent durch die örtlichen Polizeikräfte belästigt und terrorisiert werden. Die schwarze Gemeinschaft gab eine vorhersehbare Antwort auf die Freisprechung des weißen Polizisten. Resultat waren Krawalle, Straßenkämpfe, Plünderungen und die Zerstörung von privatem Eigentum.


Diese Entwicklung bekräftigte die Ansicht unter der weißen Bevölkerung Amerikas, nach der Schwarze der Kriminalität zuneigen und daher eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit, das Leben wie auch das Eigentum des weißen Bevölkerungsanteils darstellen. Die aktuelle Situation ist als Rassismus der Weißen gegenüber den Schwarzen und umgekehrt beschrieben worden. Doch in der Realität liegen die Dinge noch weitaus mehr im Argen anstatt die aktuellen Entwicklungen lediglich anhand eines zunehmenden Rassismus´ festzumachen.


Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen amerikanische Polizeikräfte noch zuverlässig ihre Arbeit verrichteten. Sie hatten sich selbst unter Kontrolle und sahen ihre gesellschaftliche Rolle als hilfreich zugunsten von Bürgern und Strafermittlern an. Ferner gaben sie darauf acht, unschuldige oder unbedarfte Bürger nicht andauernd irgendwelchen Vergehen zu bezichtigen, noch Bürger unseres Landes ohne ersichtlichen Grund zu ermorden.

Damals hätten viele Polizisten eher ihr Leben gegeben, um das Begehen eines Fehlers im Angesicht der ihnen durch ihr Amt verliehenen Macht zu verhindern.


Diese Zeiten sind für immer vorbei. Die Polizeikräfte wurden militarisiert, was insbesondere für die Zeit nach 9/11 gilt, wobei anzumerken ist, dass diese Entwicklung schon davor einsetzte. Den Polizeikräften wird beigebracht, die amerikanische Öffentlichkeit – was ganz besonders für jeden Tatverdächtigen oder Verkehrssünder zu gelten scheint – als potenzielle Bedrohung für die eigene Sicherheit wahrzunehmen. 

Die neuen Regeln, die den Polizeikräften vermittelt werden, basieren auf der Maxime, sich selbst eines Einsatzes von Gewalt gegenüber einem Verdächtigen oder Täter zu bedienen, um sich selbst zu schützen. Tatverdächtige werden erst befragt, wenn sie sich in sicherem Gewahrsam befinden, oder wenn sie noch am Leben sind, nachdem sie geschlagen, mit Elektroschockern traktiert oder durch den Einsatz von Schusswaffen außer Gefecht gesetzt wurden.  


Diese Form der Polizeiausbildung, gepaart mit zunehmender Inkompetenz unter den Polizeikräften, die sich in der heutigen Zeit nur schwer verstehen lässt, gipfelt in massiven Übergriffen auf und in Privathäusern von gänzlich unschuldigen Amerikanern, die der Zivilbevölkerung angehören, und die sich nichts zuschulden haben kommen lassen. Trotz ihrer Unschuld verlieren Familienmitglieder im Angesicht dieser Ereignisse hin und wieder auch einmal Haustiere, die einer ausufernden Polizeigewalt zum Opfer fallen.


Die Steuerzahler kommen für die finanziellen Mittel der Polizei auf, damit die Einsatzkräfte in Sachen Verbrechen und Kriminalität ermitteln – und nicht, um Mitglieder der amerikanischen Öffentlichkeit zu überfallen und zu attackieren. Doch den Polizeikräften wurde beigebracht, deren Rolle im Lichte des Eigenschutzes vor einer vermeintlich kriminell angehauchten Öffentlichkeit zu sehen, egal ob Schwarz oder Weiß.


Die Polizei ist Teil der Exekutive und seit 9/11 ist es der ausführenden Staatsgewalt gelungen, sich selbst aus der Verantwortung gegenüber Gesetz und Verfassung zu schleichen. Diese gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit ist bis zur militarisierten Polizei durchgedrungen, die nun ungestraft töten und morden kann, da deren zahlreiche Tötungsdelikte von einer Mehrheit der Bürger einfach ignorant zur Kenntnis genommen werden.

Wenige, wenn überhaupt irgendwelche der wirklich wichtigen Fragen, wurden im Zuge der Anhörung des großen Geschworenengerichts gestellt, um festzustellen, ob der betreffende Polizist für den begangenen Mord angeklagt werden muss.

Die wichtigste, jedoch bislang gänzlich unerforschte Frage basiert darauf, ob die Polizeikräfte darauf trainiert sind, nach Eintreffen an einem Ort sofort Gewalt anzuwenden, bevor die dort vorherrschende Lage eingeschätzt und analysiert wird, oder ob sich die Einsatzkräfte überhaupt an der richtigen Adresse befinden.

Werden die Polizeikräfte darauf trainiert, dass das Leben von Polizeibeamten um so vieles wertvoller ist als das Leben von potenziellen Verdächtigen? Oder das Leben von Menschen in Privathäusern, in deren Refugium schwer bewaffnete SWAT-Teams einfallen? Wird Polizeibeamten in ihrer Ausbildung vermittelt, dass sie keine Risiken einer Strafverfolgung zu fürchten haben, wenn sie einfachen amerikanischen Bürgern gegenübertreten?

Wenn das der Fall sein sollte, worauf alle Beweise hinzudeuten scheinen, tut die Polizei, wenn sie amerikanische Bürger unnötigerweise umbringt, nur das, was ihren Mitgliedern antrainiert wurde. Da die Polizei dazu angehalten wird, sich der Gewalt als erstes Mittel zu bedienen, kann sie dafür nicht verantwortlich gemacht werden, wenn sie es tut.

Im Internet ist eine Vielzahl von Videos anschaubar, die zeigen, dass die Polizeikräfte von Anbeginn Zwang und Gewalt ausüben, wenn sie an irgendeinem Ort eintreffen.

Kaum liegt Michel Brown in seinem Grab, da erschießen Polizeibeamte aus dem Bundesstaat Ohio einen 12-jährigen Teenager, der eine Spielzeugpistole bei sich hatte, die Plastikkugeln verschoss. Das Kind bedrohte auch niemanden – tatsächlich befand sich sonst niemand am Tatort. Der Junge scheint ein Phantasiespiel zu spielen. Ein Wichtigtuer ruft die Polizei an. Die Polizei kommt und erschießt den Jungen sofort.

Nachfolgend sei eine Selektion von Videos und Berichten verlinkt. Einige dieser Videos wurden gekürzt, um die benötigte Zeit zu deren Anschauen zu reduzieren. Diese Videos variieren in ihrer Länge von 59 Sekunden bis hin zu den vollen 7:51 Minuten, die zeigen, dass das Kind lediglich auf dem Bordstein auf und ab läuft. Alle Aktionen erfolgen am Ende der Videos. Die Polizei trifft ein und eröffnet sofort das Feuer, ohne auch nur den Anschein eines Bemühens zur Einschätzung der Lage vor Ort erkennen zu lassen. 

·      http://www.nbcnews.com/news/us-news/video-shows-cleveland-cop-shoot-12-year-old-tamir-rice-n256656

·      http://www.dailymail.co.uk/news/article-2850234/Video-released-showing-police-shooting-Tamir-Rice-12-carrying-BB-gun.html

·      http://www.wkyc.com/story/news/local/cleveland/2014/11/26/tamir-rice-shooting-video-released/19530745/

·      http://nypost.com/2014/11/27/cops-release-video-of-officer-fatally-shooting-12-year-old/

Nur einige Tage, bevor Michael Brown getötet wurde, wurde John Crawford in einer Walmart-Filiale durch Polizeikräfte im Bundesstaat Ohio ermordet. Was hatte Crawford getan? Er hatte ein Luftgewehr aus dem Regal genommen und telefonierte daraufhin mit der Mutter seiner Kinder, vielleicht um nachzufragen, ob er das Gewehr für die Kinder kaufen sollte.

Ein Wichtigtuer namens  Ronald Ritchie fühlte sich dadurch bedroht und rief die Polizei. Die Polizei kam herbeigeeilt und erschoss Crawford an Ort und Stelle. Die Polizei behauptet zwar, dass sie Crawford dazu aufgefordert habe, die Waffe niederzulegen, doch wie das Video zeigt, haben die polizeilichen Einsatzkräfte Crawford sofort erschossen. Der Wichtigtuer. Ritchie hat tatsächlich zwei Tode auf dem Gewissen, da die Erschießung von Crawford bei Angela Williams, die nach Eröffnung der Schüsse aus der Filiale zu fliehen versuchte, einen Herzinfarkt zur Folge hatte.

Ja, und nun raten Sie richtig. Das hernach urteilende Geschworenengericht befand den Polizeieinsatz für gerechtfertigt. Hier ist ein weiteres Video, welches zeigt, dass Polizisten sofort und ohne ersichtlichen Grund schießen. Hierbei handelt es sich um einen der seltenen Fälle, in dem ein Polizist für schuldig erklärt wurde, wahrscheinlich nur, weil das Video die Behörden davon abhielt, ihre übliche Rechtfertigungsgeschichte zugunsten der Polizeikräfte zu fabrizieren.

In diesem Video erschießt die Polizei einen unbewaffneten schwarzen Mann auf der Straße. Nachdem die Polizisten zehnmal auf Kajieme Powell geschossen hatten, richten sie ihre Waffen weiterhin auf den bereits mausetoten Körper, während dem Toten dann auch noch Handschellen angelegt werden. Wie zahllose andere Videos dieser Art zeigen, weisen Ereignisse wie diese daraufhin, dass unter den Polizeikräften entweder Psychopathen rekrutiert werden oder Ausbildung und Training Polizisten zu Psychopathen werden lassen.

Die nachfolgend verlinkten Berichte beschäftigen sich mit der Geschichte des Polizeibeamten Darren Wilson und dessen Motiven, die ihn dazu verleiteten, Michael Brown zu erschießen. Die Schlussfolgerungen in beiden Berichten lauten, dass Wilsons aufgetischte Geschichte http://www.vox.com/2014/11/25/7287443/dorian-johnson-storykeinen Sinn macht. Höchstwahrscheinlich war Michae1 Brown einfach nur ein weiteres Opfer willkürlicher Gewalt, deren Anwendung man Polizisten im Zuge von deren Ausbildung einbläut. Darren Wilsons Griff zu tödlicher Gewalt war demnach nur eine Fortsetzung seines Trainings und seiner Ausbildung. 

Problem mit dem Geschworenengericht und den Strafermittlern in Ferguson – und auch anderswo im Lande – ist, dass das wahre Problem – nämlich das Training der Polizei, das die Anwendung von tödlicher Gewalt zur ersten Maxime erhebt – nicht als Todesursache von Michael Brown identifiziert wurde.

Die getroffene Entscheidung des Geschworenengerichts entspricht keiner Entlastung im Hinblick auf Wilsons Gebrauch von tödlicher Gewalt. Jeder, der mit dem amerikanischen Justizsystem vertraut ist, weiß, dass jeder Strafverfolger eine Anklage vor ein Geschworenengericht bekommen oder dessen Tagung verhindern kann. Strafverfolgern ist es zudem auch erlaubt festzulegen, welche Beweise in einem solchen Prozess vorgelegt werden.

Strafverfolgern ist es ferner erlaubt, diverse Zeugen mittels Geld oder der Aussicht auf einzustellende Anklagen zu bestechen. Darüber hinaus lassen sich falsche Zeugenaussagen durch Androhung einer Klage erzwingen. Höchst selten haben eine Anklage oder die Verweigerung einer Anklage reale Fakten zur Grundlage. Es kommt nicht selten zu falschen Zeugenaussagen, weil diese Zeugen zuvor unter Druck gesetzt wurden. 

Im US-Justizsystem geht es schon lange nicht mehr um die Herstellung von Gerechtigkeit, sondern um die Karrieren von Strafverfolgern. Sie bestrafen die Machtlosen und schützen die Mächtigen. Nun, da die Justiz größtenteils aus dem bestehenden Rechtssystem ausgeschert ist, ist es kaum überraschend, dass es unter den Polizeikräften überhaupt kein Konzept von Gerechtigkeit mehr gibt.

Beachten Sie: hier folgt ein Video, das einige Schlägertypen in Albuquerque zeigt, die einen weißen Mann erschießen. Schauen Sie sich an, wie eine Handvoll Polizisten so tut, als ob es sich um einen Mann handele, der immer noch gefährlich ist, obwohl er zuvor kurz und klein geschossen wurde.

Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts / © 2014 Dr. Paul Craig Roberts / Institute for Political Economy

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