Australiens Industrieministerium malt den Ausblick für die weltweiten Eisenerzmärkte auch im Hinblick auf das Jahr 2016 in düsteren Farben. Heute erfolgte eine deutliche Anpassung der Preisprognosen für das kommende Jahr – und zwar um knapp 20% im Vergleich mit der letzten Schätzung aus dem Monat September. Trotz Massenschließungen und Stilllegung von Minenkapazitäten lässt sich die Preistalfahrt augenscheinlich nicht stoppen. Dies liegt nicht nur an immens hohen Überkapazitäten in der Welt, sondern auch daran, dass die drei großen Abbauriesen der Branche die Märkte auch weiterhin mit Material fluten, um ihre Marktanteile im Abschwung zu verteidigen. Ähnliches lässt sich zurzeit auch im Ölsektor beobachten.

Bislang ungesehene Talfahrt des Eisenerzpreises

Australien ist weltgrößter Exporteur von Eisenerz. Nachdem der Eisenerzpreis in den letzten Jahren eine Talfahrt hinter sich gebracht hat, die ungesehen in der Geschichte an den Rohstoffmärkten ist, soll sich der Preisabschwung auch im Jahr 2016 fortsetzen. So kürzte das australische Industrieministerium seine Preisprognose für das kommende Jahr um 19%.

Die Gründe für die voraussichtlich auch im nächsten Jahr anhaltende Preistalfahrt sind mannigfaltig. Einerseits belasten extrem hohe Überkapazitäten die internationalen Märkte. Andererseits strömt trotz einer sinkenden Weltnachfrage und bis zum Bersten gefüllten Lagerhäusern immer mehr Eisenerz an die internationalen Märkte.

Grund ist, dass die drei Abbauriesen der Branche – namentlich Rio Tinto, BHP Billiton und Vale do Rio Doce – ihre Eisenerzförderung im Angesicht des dramatischen Preisabschwungs und der an vielen Märkten ohnehin schon herrschenden Überkapazitäten trotz allem deutlich ausgeweitet haben.

Nicht nur in China sinkt die Rohstoffnachfrage

Indem sie die internationalen Märkte – ähnlich wie zurzeit im Ölsektor zu beobachten – auch weiterhin mit Eisenerz fluten, versuchen die drei Abbauriesen der Branche ihre Marktanteile zu halten und gegen Konkurrenten zu verteidigen. Kein Wunder, dass eine Vielzahl von kleinen und mittelgroßen Abbauunternehmen schon seit rund zwei Jahren in einer finanziellen Bredouille steckt, die mit jedem Tag größer wird.

Hinzu kommt, dass nicht nur in China, sondern weltweit die Nachfrage nach Rohstoffen am Sinken ist. Die Probleme sind zu einem großen Teil hausgemacht. Neben China haben sich auch in einer ganzen Reihe von anderen Ländern immens hohe Überkapazitäten an den Kohle-, Eisenerz- und Stahlmärkten gebildet (ich berichtete mehrfach).

Schon gegen Ende des vergangenen Jahres berichtete ich über die sich verschärfende Lage an den internationalen Eisenerz- und Kohlemärkten. Damals führte der signifikante Rückgang des Kohlepreises nicht nur in den USA, sondern auch in anderen wichtigen Weltregionen zur Entlassung von Zehntausenden von Kohlekumpels, die mehrheitlich keinen blassen Schimmer haben, in welch anderen Bereichen sie in der Zukunft eine Beschäftigung finden sollen.

Auch 2016 deutliche Preisabschläge bei Basisrohstoffen erwartet

Es war China, das in vielen Segmenten der Basismetallmärkte in den vergangenen Jahren zwischen 40% und 50% der globalen Nachfrage allein auf sich vereinte. Die Abhängigkeit Australiens von Rohstofflieferungen an den asiatisch-pazifischen Nachbarn ist extrem hoch. Entsprechend groß ist auch der Einfluss, den die sinkenden Rohstoffpreise einerseits und eine sich abschwächende Nachfrage aus China andererseits auf Australiens wichtigen Industrie- und Minensektor ausüben.

Laut der heutigen Anpassung der Preisprognosen des australischen Industrieministeriums werden die Eisenerzpreise im Jahr 2016 bei durchschnittlich $41,30 pro metrischer Tonne liegen. In seiner September-Schätzung war das australische Industrieministerium hingegen noch von einem Durchschnittspreis in Höhe von $51,20 ausgegangen. Auch für das laufende Jahr erfolgte eine Reduzierung der einstigen Preisprognose um 4,7% auf $50,40 pro metrische Tonne.

Eisenerz, das wichtigste Exportprodukt Australiens, hat allein seit Beginn dieses Jahres um rund 43% im Preis nachgegeben. Nachdem die australischen Exportaktivitäten in diesem Jahr um 7% zulegen werden, sehen die Schätzungen des australischen Industrieministeriums in 2016 einen Anstieg der Eisenerzexporte um weitere 13% vor.

In der Rohstoffbranche bleibt kein Stein mehr auf dem anderen

Während die drei weiter oben genannten Abbauriesen die Welt trotz einer deutlich sinkenden Nachfrage aus China weiter mit Eisenerz fluten, bleibt in der Branche unterdessen kaum ein Stein auf dem anderen. Ankündigungen zu Schuldenrestrukturierungen, Liquiditätsknappheit und Insolvenzen gibt es seit rund zwei Jahren zuhauf.

Die Lage dürfte sich dramatisch verschärfen, wenn die Preise noch weiter sinken sollten. Längst schon ist es in der Branche zu einer Massenschließungswelle bei gleichzeitiger Stilllegung von Abbaukapazitäten kommen. Selbst der erheblich unter finanziellem Druck stehende Kupfer- und Kohleriese Glencore begann Ende des vergangenen Jahres damit, alle in Australien betriebenen Kohleminen über einen mehrwöchigen Zeitraum stillzulegen.

So etwas hatte es in der Geschichte des australischen Rohstoffabbaus bis dahin noch nicht gegeben. Bei Glencore wies man damals darauf hin, dass dieser Schritt unbedingt notwendig geworden sei, um einen bereits mit extrem hohen Überkapazitäten kämpfenden Markt nicht mit noch mehr Kohle zu fluten.

Goldman Sachs: Langanhaltende Baisse beim Eisenerzpreis

Glencore betreibt in Australien rund 20 Minen, die mehr als 8.000 Kumpels beschäftigen. Rohstoffanalysten erklärten, dass die Entscheidung des Glencore-Managements zur Schließung aller Abbaukapazitäten über einen solch langen Zeitraum auf Finanzprobleme unter einzelnen Minenstätten hinweisen könnte.

Die aktuellen Schätzungen von Goldman Sachs sehen vor, dass der Eisenerzpreis über einen Zeitraum der kommenden drei Jahre unter der Marke von $40 pro metrischer Tonne verharren wird. Hauptgrund sei der anhaltende Wirtschaftsabschwung in China, der die globale Eisenerzindustrie in eine lange Periode der „Anpassungsprozesse“ zwinge.

Laut Goldman Sachs werde in diesem Umfeld nicht nur Australiens, sondern auch Brasiliens Eisenerzexport im Jahr 2016 weiter zulegen. Diese Entwicklung werde den Eisenerzpreis langfristig unter die Marke von $40 drücken. Dazu trügen zudem auch die Überkapazitäten an Chinas Stahlmärkten bei.