Wie Russlands Staatspräsident Wladimir Putin manche seiner „Partner“, zu denen er noch immer die Regierung der Vereinigten Staaten zählt, wahrnimmt, hat Putin in einer heute gehaltenen Rede klar zum Ausdruck gebracht. Einmal mehr drehte sich nahezu alles um die eskalierende Situation in Syrien. Laut Putins Aussage hätten die Regierungen von manchen  Partnerländern „Brei anstelle von Hirn im Kopf“, womit vor allem die USA gemeint waren.

Dritte große Phase der Globalisierung

Dass die Welt nicht mehr im gemeinsamen Takt marschiert, sondern mehr und mehr politisch und wirtschaftlich auseinanderdriftet, hatte ich anhand zahlreicher Beispiele in Berichten aus der Vergangenheit zu verdeutlichen versucht. Uns allen Erdbewohnern auf diesem Planeten wäre es zu empfehlen, über diese Entwicklungen zumindest ein wenig nachzudenken.

Denn es steht zurzeit nichts anderes als die dritte große Phase der Globalisierung auf dem Spiel, deren vermeintliches Scheitern der Welt einmal mehr großen Schaden zufügen könnte. Phase 1 dieser Globalisierungswelle mündete gegen Ende des 19. Jahrhunderts direkt in eine wirtschaftliche Depression, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Ausbruch des Ersten Weltkriegs anschloss.

Die Große Depression, der nach dem Scheitern von zehn Jahren beständiger Versuche der Politik, Lösungswege aus der wirtschaftlichen Misere zu finden, der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs folgte, läutete zeitgleich auch das Ende der zweiten großen Globalisierungswelle ein. Schon in den Jahren der Großen Depression hatte ein einseitig erklärter Protektionismus seitens verschiedener Staaten den Welthandel in die Knie gezwungen

Welche Rolle spielen noch Recht und Gesetz?

Nachdem zu Kriegsende vor allem auf dem europäischen Kontinent alles in Schutt und Asche gelegen hatte, folgten mit dem Wiederaufbau sowohl 70 Jahre des allgemeinen Friedens in Europa und der westlichen Welt wie auch der politischen sowie wirtschaftlichen Stabilität, an denen wir uns alle hochgradig erfreuen durften. Wer die Entwicklungen in der Welt zurzeit aufmerksam verfolgt, erkennt, dass diese immanent wichtigen Errungenschafen abermals auf dem Spiel zu stehen scheinen.

Es ist insbesondere die Profitgier, die unter vielen Menschen kaum noch Grenzen zu kennen scheint, und die nicht nur Unternehmen, sondern auch das Gros der Basisgesellschaft dazu verleitet, immer öfter Foul zu spielen, heißt, sich nicht an bestehende Gesetze und Regeln zu halten, sondern den stetigen Versuch zu unternehmen, diese Regeln auf jedwede Weise zu untergraben und zu umgehen. Es empfiehlt sich in dieser Hinsicht ganz gewiss, bei sich selbst anzufangen, anstatt stets den ausgestreckten Finger auf die Politik zu richten.

Nahost-Politik: Tiefer Graben zwischen Washington und Moskau

Denn sind wir einmal ehrlich zu uns selbst, so erkennen wir, dass mit jedem ausgestreckten Zeigefinder gleichzeitig auch vier Finger auf uns selbst zeigen, nicht wahr? Und dies nicht ohne Grund, denn jede Verurteilung eines anderen ist letztendlich nichts anderes als eine Verurteilung unserer selbst. Auch wenn mir die Beweggründe für die heutigen Aussagen Wladimir Putins verständlich sind, so erregt der politische Graben, der sich zwischen den Vereinigten Staaten und Russland vertieft, meine Besorgnis.

Denn geschichtlich gesehen wissen wir aus heutiger Perspektive nur allzu gut, dass eine derartige Trennung auf nichts Gutes hinauslaufen wird. Putin kritisierte die Washingtoner Regierung im Rahmen einer heute vor einem Moskauer Finanzforum gehaltenen Rede aufs Schärfste, indem er vor allem der Regierung von US-Präsident Obama vorwarf, „Brei anstelle von Hirn im Kopf“ zu haben.

Diese Aussage bezog sich insbesondere auf die Weigerung der US-Regierung, Informationen der Geheimdienste beider Staaten über die Lage in Syrien miteinander zu teilen. Anstelle dessen, so Putin, versuchten die Vereinigten Staaten sich in dieser Angelegenheit weiter durchzuwurschteln, ohne eine Strategie zur Lösung dieses Konfliktes zu verfolgen. Ende September begann Russland mit der Bombardierung von Zielen in Syrien, die sich laut eigener Aussagen auf die Infrastruktur des Islamischen Staats (IS) fokussierten.

Geostrategische Interessen und Ziele nicht miteinander vereinbar

Grund sei, dass man in Russland nicht gewillt sei, noch länger tatenlos von der Seitenlinie zuzusehen, bis diese Dschihadisten die Grenze zu Russland überquerten. Washington und die NATO kritisierten die einseitig erklärte Intervention Russlands in Syrien daraufhin aufs Schärfste, anführend, dass der Kreml und die russische Militärführung auch durch Washington unterstützte „moderate“ Rebellen ins Visier genommen habe. Es ginge den Russen allein darum, das Regime des syrischen Präsidenten al-Assad im Amt zu halten.

Tja, was dem einen (den USA) recht ist, um einen Regimewechsel in Syrien herbeizuführen, darf anderen (Russland) noch lange nicht recht sein, um eigene außenpolitische Ziele zu verfolgen. Es ist eben jene neokonservative Doktrin, die Amerikas Staatsführung in der Welt immer verhasster und unverstandener macht. Putin wies in seiner Rede darauf hin, dass er die US-Regierung vor dem Start der russischen Bombenkampagne in Syrien sogar darum ersucht habe, Informationen zu potenziellen Zielen zu übermitteln.  

Worum es Washington eigentlich geht

Darauf sei jedoch keinerlei Antwort aus Washington erfolgt. Selbst auf die Rückfrage, wo Russlands Bomber nicht zuschlagen sollten, habe die russische Führung keine Antwort aus Washington erhalten. Es handele sich dabei nicht um einen Witz, so Putin. Er ziehe sich diese Dinge nicht aus den Fingern. Wie solle es unter diesen Umständen jemals möglich sein, in der Zukunft noch zusammenzuarbeiten, so die Frage des russischen Präsidenten. Meine Antwort darauf lautet wie folgt: überhaupt nicht.

Denn Washington und die Neokonservativen haben nicht Syrien und die angrenzenden Staaten zu Russland im Visier, sondern Russland selbst. Durch eine Destabilisierung des russischen Speckgürtels erhofft sich Washington irgendwann ein Überspringen dieser Konflikte auf Russland selbst, so meine Interpretation. Waren zuvor über die so genannte Bengazi-Route aus Libyen über die Türkei nach Syrien gelieferte Waffen bereits mehrheitlich in die „falschen“ Hände geraten, so kritisierte Putin die jüngsten Aktionen Washingtons im Kriegsgebiet ebenfalls aufs Schärfste.

Dahingehend handelt es sich um die jüngst getroffene Entscheidung der US-Regierung, Waffen und Munition über syrischem Kriegsgebiet mittels Fallschirmen abzuwerfen, in der Hoffnung, dass diese militärische Ausrüstung größtenteils in die Hände der durch die USA geführten Bürgerkriegskoalition fallen werde. Wo und in welchen Händen dieses militärische Gerät letztendlich enden wird, lässt sich jedoch in keiner Weise voraussehen. Bilde sich jeder seine eigene Meinung zu den aktuellen Ereignissen und Entwicklungen...