Warum auch die abstrusesten Maßnahmen von Zentralbanken teilweise auch von der Öffentlichkeit getragen werden, ist schon eine interessante Frage. Auch die schwammigen Reden des ehemaligen Fed Vorsitzenden Greenspan erfreuten sich ja trotz bekannter Inhaltslosigkeit größerer Beliebtheit. Das ist allerdings kein amerikanisches Problem.

Wenn ein europäischer Zentralbanker davon redet, er werde die Inflation, Deflation oder gleich beides genau beobachten oder sehr genau beobachten, hören viele hochbezahlte Angestellte zu und versuchen schillernde Farben in der verbalen Salzwüste zu entdecken.

Wer nicht schon daran verzweifelt, dem hilft ein Blick auf eine aktuelle Umfrage, die vom Institut Gallup veröffentlicht wurde. Ein Drittel der Amerikaner hält Immobilien nach wie vor für das beste Langfristinvestment. Zur Erinnerung, es geht in der Umfrage um Investments und die Preise des zum besten Vehikel gekürten Assets sind in den vergangen Jahren um gut 40% gefallen und zeigen keinerlei Anzeichen einer Stabilisierung.

Faszinierend. Es ist wirklich schwer zu sagen, ob es die 33% der Eigentümer sind, die in Regionen ohne große Preisschocks leben, oder ob es sich um das beliebte position talking bei Verlusten handelt.

Bezogen auf den Aktienbesitz sinkt die Quote der in diesem Segment aktiven Akteure. Das ist angesichts der trotz des laufenden Anstiegs schwachen Performance in der vergangenen Dekade nicht weiter verwunderlich. Interessant ist nicht allein die Quote, denn ein Anteil von 54% klingt erst einmal recht hoch. In diesem Zusammenhang wird die investierte Summe vernachlässig. Der Median der Einlagen in den 401er Konten liegt bekanntermaßen bei traurigen $2000 Dollar.

Bei den Menschen mit höherem Einkommen - mehr als $75.000 jährlich - liegt der Anteil der Aktionäre bei satten 87%. Mit steigendem Einkommen steigt offensichtlich auch die Quote des Aktienbesitzes. Dies erklärt wohl zumindest zum Teil das offen vom großen Vorsitzenden Bernanke formulierte Ziel, die Aktienpreise hoch zu halten. Man könnte es auch Klientelpolitik nennen, aber dieses Wort käme sicher nur bösen Zungen über die Lippen.

Die Veränderung in der Wahrnehmung unterschiedlicher Assetklassen ist ein Aspekt des umfassenden Themenkomplexes Zukunftsaussichten. Es ist naiv anzunehmen, die Menschen in den Staaten würden die anhaltenden Probleme nicht wahrnehmen. Mehr als 43 Millionen beziehen Lebensmittelmarken, der Arbeitsmarkt ist immer noch in sehr schlechter Verfassung und der Glanz eines herbeigezauberten Scheinaufschwungs ist auf Schulden und gedrucktem Geld aufgebaut. Wenn sich dann die fünf Aktien auf einen Gesamtwert von ein paar hundert Dollar verdoppeln – who cares? All dies zeigt kein solides Fundament – der Kaiser rennt nun schon eine ganze Zeit nackt auf dem Marktplatz herum.

Die genannten Probleme führen zu einer sehr deutlichen und nachvollziehbaren Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft. So wurden im Rahmen einer Umfrage Menschen zum Thema „Versorgung im Alter“ befrag. Genauer gesagt ging es um die Einschätzung, auf welche Ertrags- oder Vermögensquellen die Menschen vermutlich angewiesen sein werden. Der Wandel der vergangen Jahre ist deutlich und hat einen klaren Gewinner – social security.

Abgesehen von der Hoffnung auf die ein oder andere Erbschaft ist das soziale Netz die große Hoffnung der Menschen. Der Wert von 34% ist der höchste seit dem Beginn der Datenerhebung zur Jahrtausendwende. Während auch den Altersvorsorgekonten und anderen Vehikeln durchaus eine große Rolle zugestanden wird, so ist die social security die einzige genannte wichtige Quelle, die zulegen konnte. Diese Zunahme ist kein Grund zur Freude. Zum einen zeigt sie das schwindende Vertrauen in die Substanz der anderen Möglichkeiten. Zum anderen sind die Sozialsysteme bereits jetzt schon schwarze Löcher, die gleichzeitig laufend gigantische Krater in die Einnahmen des Staates reißen und ganz nebenbei gigantische Ansprüche (Entitlements) auf zukünftige Leistungen ausloben. Gemeinsam mit Medicare, Medicaid und der Arbeitslosenversicherung vertilgen die Programme bereits jetzt ungefähr die gesamten Staatseinnahmen. Wohlgemerkt, der Verteidigungshaushalt, Bildung, öffentliche Verwaltung, das alles ist hierin nicht enthalten. Absurd - diese Systeme sind in der bestehenden Form nicht zu halten.

Die social security ist kein gutes Schiff, um seine Hoffnung darauf anheuern zu lassen. Dummerweise zeigt die Realität der bereits aus dem Arbeitsleben ausgeschiedenen Menschen, wie bedeutend sie bereits jetzt ist. In der Realität sind mit 54% mehr als die Hälfte der aus dem Arbeitsleben ausgeschiedenen Menschen vom Netz der social security abhängig.

Mit Nebenverdiensten klappt es nicht so, und die 401er Konten reichen hinten und vorne nicht. Das wird sich angesichts der diesbezüglichen traurigen Statistiken in den kommenden Jahren nicht zum Positiven hin verändern.

So weit ist es mit der großen Wirtschaftsnation gekommen. Der Staat muss sich über Anleihenkäufe der Zentralbank finanzieren, von strukturellem Wandel in der Wirtschaft ist ebenso wenig zu spüren, wie von einem Aufschwung am Arbeitsmarkt. Was soll es, der große Vorsitzende sieht keine Inflation (außer bei Lebensmitteln, Energie, Gegenständen des täglichen Bedarfs, etc.) und erfreut sich der Sprünge des S&P 500. Gleichzeitig ist eine wachsende Zahl von Menschen auf die Sozialversicherung als eine Haupteinnahmequelle im Alter angewiesen, und viele arbeitende Menschen rechnen mit einem ähnlichen Schicksal. Aber warum sollte man sich Gedanken machen. Sicher wird irgendjemand die Situation genau oder sogar sehr genau beobachten. Da kann doch nichts mehr schief gehen.