2007 brach die Wirtschaftswelt zusammen, zumindest dort, wo sie am meisten entwickelt war. Seitdem werden die Märkte mit Ach, Krach und Billionen über Wasser gehalten, was bis jetzt auch noch einigermaßen funktioniert. Doch der Grenznutzen für jede neue Billion ist über die Jahre hinweg geringer geworden. Um einen Dollar an Bruttosozialprodukt zu erzeugen, sind heute weit mehr neue Geldeinheiten als Kredit nötig. Und das Ergebnis? Der Zug wackelt weiter über die verdellten Gleise, bis ihn auch Billiarden nicht mehr auf der Schiene halten können und er entgleist. Wann wird das sein? Ich schaue mal im Maya-Kalender nach.

Seit 2008 bestimmen immer mehr Interventionen, Manipulationen und Rechtsbrüche den Weg. Ohne das wäre alles schon in sich zusammen gebrochen. Über vieles wird inzwischen in der Öffentlichkeit diskutiert und schürt Zweifel, dass die Sache mit dem Geld und den Finanzen glücklich enden kann. Es ist auffällig, dass die öffentliche Meinung auf der Suche nach Antworten viel weiter gekommen ist. Vieles wird heute schlichtweg nicht mehr geglaubt. Zweifel goes Mainstream...

An der Börse wird oft über die Fragilität des Finanzsystems diskutiert. Inflation? Deflation? Beides als Stagflation? Sicherlich spricht vieles für eine Deflation, einen Zusammenbruch und das Ausbuchen aller Schulden. Doch dazwischen stehen Notenbanken, Regierungen, weitere Rechtsbrüche und eimerweise rosa Farbe. Inflation und Deflation werden in Diskussionen wie Religionen behandelt. Letztlich ist es eine Frage des Vertrauens in dieses Papiergeld. Als Wertspeicher taugt es nicht mehr.

Kommt die Inflation deshalb?

Eine sich schnell aufwärts drehende Lohn-Preis-Spirale gibt es hierzulande  (noch) nicht. Vielleicht ist der Auslöser für steigende Preise eine entgleisende Wirtschaft wie in Griechenland und Spanien? Vermutlich wird es dort früher oder später mehr vom Alten als alternativlose Rettung der Wirtschaftssubjekte geben. Wie man derzeit in Weißrussland beobachten kann, kollabiert dort die Wirtschaft und der große Umtausch verblieber Spargelder treibt die Preise von Gütern. Zudem zerstört Zentralbank und Regierung die Währung. Hierzulande kann man das Phänomen der Flucht im Immobiliensektor beobachten - raus aus Sparguthaben – rein in Betongold. Der Glaube an dieses Betongold ist unerschütterlich. Und auch, dass die Inflation die Schulden von allein abträgt.

Den meisten Ökonomen an ihren Schreibtischen scheint nicht aufzufallen, dass zwischen dem, was sie schreiben und sagen und dem, was sie vor der Tür beobachten könnten, größer werdende Diskrepanzen wachsen. Die meisten aus der Zunft sind Sprachrohre ihrer Arbeitgeber. Da wird schnell ein Aufschwung zusammen geschrieben und die Trompete ausgepackt. Ihr Hossiana ist oft nur Propaganda, Wunsch, Auftrag oder eine Mischung von allem. Oft haben sie, wenn ich mit ihnen an der Börse ein Interview führe, zwei Meinungen. Eine ist offiziell, die andere privat. Doch das nur nebenbei.

Was würde die Preise für Aktien, Rohstoffe, Gold oder Immobilien nach oben treiben, dass es wie Aufschwung aussieht? Größere Nachfrage? Wahrscheinlich. Doch woher? Mehr Rettungsbillionen? Wahrscheinlich auch. Oder beides?

Sparer sind in Zeiten finanzieller Repression und Manipulation der Zinssätze in Richtung Null gekniffen. Negative Renditen fressen ihnen Kaufkraft weg. Spargelder, Tagesgeld, Festgeld, Lebensversicherungen... Selbst Bundesschätzen sind zur Spekulation geworden - Rücklagen als zinsloses Risiko. Noch bekommen das die meisten Leute nicht mit. Die GfK meldete am Dienstag eine Unlust am Sparen unter den Deutschen. Warum sollten sie auch sparen?

Ein Aufschwung auf Pump benötigt immer stärkere Pumpen. Schnell entweicht  wieder die Luft - dann wird weiter „gerettet“. Manchmal sieht es nach Aufschwung aus, wenn die Börse steigt. Doch früher fühlten sich die  Aufschwungphasen anders an als heute. Heute kommt vom Scheinaufschwung bei den meisten Leuten immer weniger an – nur die steigende Preise aufgrund der billionenschweren Interventionen – bis man versucht, deren Folgen etwas entgegen zu setzen.

Ich schaue vor allem auf den Trend, wie schnell die Geldversprechen in Dinge getauscht werden, welche man im eigenen Besitz hält. Die einen zerfrisst dabei die Gier, andere die Angst – ein schönes Durcheinander.