Ausgerechnet in einem Interview gegenüber „Voice of Russia“ erklärte Hedgefondsikone Jim Rogers, dass sich die USA auf Basis ihrer Sanktionspolitik ins eigene Bein schössen und Obama einmal mehr einen Narren aus sich selbst mache. Auch Rogers ist – wie wir – der Ansicht, dass der Westen gerade einen super Job leiste, um Russland und China sich gegenseitig immer stärker in die Arme zu treiben. Doch auch die US-Großbank Morgan Stanley stellt sich den Propaganda-Bemühungen der eigenen Regierung mit Vehemenz entgegen, indem eine Kaufempfehlung für russische Aktien nochmals bekräftig wurde. Ist sich der Pressesprecher des Weißen Hauses zudem darüber bewusst, dass der Aufruf zum Shorten von russischen Aktien eine ganze Reihe von existierenden Sicherheitsgesetzen mit Füßen tritt?

Wall Street unbeeindruckt von Leerverkaufsempfehlung des Weißen Hauses

An der Wall Street gibt man sich unbeeindruckt von der durch Jay Carney, Pressesprecher des Weißen Hauses, in der letzten Woche ausgesprochenen Verkaufs- und Shortempfehlung für russische Aktien. Laut Carney sei es momentan nicht ratsam, sich an Russlands Aktienmarkt zu engagieren, solange man nicht auf der Leerverkaufsseite stünde. Doch nur wenige Tage später bekräftigte die US-Großbank Morgan Stanley ihre Kaufempfehlung für russische Dividendentitel ein weiteres Mal.

Nun, Carney handelt eben einzig und allein aus purer Ideologie heraus. Begründet hatte der Pressesprecher des Weißen Hauses seine offen ausgesprochene Verkaufsempfehlung damit, dass Russlands Aktienmarkt seit Jahresbeginn in negatives Territorium abgedriftet sei (und die US-Aktienmärkte etwa nicht??!), der Rubel einen guten Teil seines Außenwerts eingebüßt habe (der US-Dollar in den letzten Jahrzehnten etwa nicht??!) und die langfristigen Folgen aus dem Verhalten des Moskauer Kremls mit einer Verletzung der Charta der Vereinten Nationen einhergingen (und der durch die USA angezettelte Umsturz einer demokratisch legitimierten Regierung in Kiew etwa nicht??!).

Dass Russland seine internationalen Vertragsverpflichtungen mit Füßen trete, sei nicht nur auf ganzer Linie destabilisierend, sondern zudem auch illegal, was sich automatisch negativ auf die Ökonomie des Landes auswirken werde, so Carney. Na, es ist ja toll, dass sich die USA so derart stabilisierend in der Welt engagieren. Man erinnere sich nur an das Lügenkonstrukt des US-Außenministeriums zur Rechtfertigung des eigenen Einmarschs in den Irak vor den Vereinten Nationen.

Von Afghanistan, Pakistan und illegalen US-Drohnenkriegen einmal ganz zu schweigen, wo die nationale Sicherheit der westlichen Welt angeblich am Hindukusch verteidigt wird. Und man erinnere sich zudem, wie sehr dem militärisch-industriellen Komplex in den USA an einem eigenen Kriegseintritt in Syrien gelegen war. Die heimische Fraktion der Neocons und Kriegstreiber ließ so gut wie kaum eine Chance ungenutzt, um den Versuch zu unternehmen, ihr Land tiefer in den syrischen Konflikt hinein zu treiben.

Hier der Link auf einen meiner vorherigen Berichte

Doch diesem Ansinnen wurde durch Wladimir Putin auf Grundlage von dessen friedlichen Kompromissvorschlägen bezüglich einer international kontrollierten Vernichtung syrischer Chemiewaffen in letzter Minute ein Riegel vorgeschoben. Zudem wurde die Regierung Obamas vor der Weltöffentlichkeit wie ein Teenager vorgeführt. Putin nominierte man für sein schnelles und entschlossenes Handeln zur Konfliktentschärfung mittlerweile jedoch für den Friedensnobelpreis. Nicht zu vergessen, dass die Russische Föderation in Syrien ihre Mittelmeerflottenbasis Tartus – vergleichbar mit der Basis auf der Krim – betreibt, die für den Kreml von ebenso existentieller Wichtigkeit ist.  

Leicht durchschaubare US-Propaganda: So leicht machen wir uns das nicht

Nein, so leicht machen wir uns das alles nicht. Nachdem die US-Regierung geschockt ob der russischen Durchsetzungskraft in Syrien ihren Schwanz sang und klanglos einzog, begann sie damit, ihre Destabilisierungsbemühungen einfach an anderer Stelle fortzusetzen, nämlich in der Ukraine, dem Vorhof des russischen Bären.

Dass Europa möglicherweise in einen kriegerischen Konflikt auf dem eigenen Kontinent hineingezogen werden könnte, dürfte so manchem Neocon in den USA gar ein anzustrebender Nebeneffekt gewesen sein, um eine Reihe von ökonomisch abgewirtschafteten Staaten der Europäischen Union verstärkt in die eigene sicherheits- und militärtechnische Abhängigkeit zu bugsieren (Stichwort: Stationierung weiterer Kampfflugzeuge in Polen und im Baltikum). 

Vor der im Weißen Haus versammelten Journalistenmeute fuhr Carney letzte Woche fort, dass Russland für die Annexion der Krim “Kosten auferlegt” würden, die sich aus durch die USA und EU gemeinsam verhängten Sanktionen ableiteten. Nun, diese Sanktionen werden vor allem für die deutsche Wirtschaft zurückfeuern, ansonsten würden Siemens-Chef Joe Kaeser, Bahnchef Rüdiger Grube und andere deutsche Konzernbosse nicht um persönliche Gespräche mit Wladimir Putin ersuchen und nach Moskau pilgern.

Zudem solle es laut Carney zur Verabschiedung von weiteren Sanktionsmaßnahmen durch Präsident Obama kommen. Die Einstellung von Kreditkartendienstleistungen seitens Master Card und Visa wurde im Kreml unterdessen mit einem Achselzucken quittiert. In Russland reagiert man darauf zurzeit durch den Aufbau eines eigenen Zahlungssystems. Laut Putin werde dies zu Einbußen für amerikanische Kreditkartenanbieter führen, die sich in Russland bis dato einer sehr zahlungskräftigen Klientel erfreuten.

Öffentlicher Aufruf zum Shorten von russischen Aktien eine beispiellose Aushebelung von existierenden Sicherheitsgesetzen

Laut Carney würde er – insbesondere wenn er im Namen von Investoren spräche – jetzt nicht in russische Aktien investieren, solange man nicht vorhabe, short zu gehen. Es ist in der Tat beispiellos für eine Regierung im Weißen Haus, völlig unverblümt und derart gefährliche Anlageratschläge zum Shorten von Aktien vor einer Gruppe Außenstehender abzugeben und mittels einer glasklaren Empfehlung zu Leerverkäufen eine ganze Reihe von existierenden Sicherheitsgesetzen auszuhebeln. 

Im MICEX Index hat sich eine inverse SKS ausgebildet. Könnte sich als guter Zeitpunkt zum Einstieg in russische Aktien erweisen.

Hinzu kommt, dass Herr Carney über keine Brokerlizenz verfügt und nicht gerade wenige seiner heimischen Zuhörer säumig in Bezug auf ihre eigenen Hypothekenzahlungen sein dürften. Was könnte also Grund aus Sicht von Morgan Stanley sein, sich den politisch motivierten Bestrebungen der eigenen Regierung auf derart radikale Weise entgegen zu stellen? Dazu braucht man sich nur auf der Webseite der US-Großbank umzuschauen, die seit dem Zerfall der Sowjetunion ihre Beziehungen und einen Ausbau ihrer Geschäfte mit der Russischen Föderation vorantrieb.

Selbst in der Finanzkrise des Jahres 1998 kehrte die Bank Russland nicht den Rücken. Diese Treue und ununterbrochene Präsenz habe zum Aufbau von großem Vertrauen und Glaubwürdigkeit unter politischen und wirtschaftlichen Schlüsselpartnern in der Russischen Föderation beigetragen, wie es auf der Webseite des Instituts heißt. Hinzu kommt, dass Morgan Stanley erst vor Kurzem eine lokale Handelsplattform ins Leben rief und einer in Russland aktiven Tochtersparte bereits im Jahr 2005 erlaubte, ihren russischen Kunden eine volle Bandbreite an Finanzdienstleistungen jeder Art anzubieten.

Sehr wahrscheinlich ist sich Pressesprecher Carney auch nicht darüber bewusst, dass die gefährliche Abgabe einer Shortempfehlung in Bezug auf russische Vermögenswerte auch die US-Aktienmärkte in Gefahr bringen könnte. Denn einem guten Teil von russischen Exchange Traded Funds, Sicherheiten und anderen Vermögenswerten wurde in den letzten Jahren Zugang zu den amerikanischen Kapitalmärkten durch die eigenen Regulierungsbehörden gewährt. Carney sollte sich daher erst einmal um eine Brokerlizenz bewerben, um danach als Cheerleader auf einem von CNBC´s Programmen Stimmung zu machen. 

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