Während am Jahresende 2014 die Situation in Russland auch die Kapitalmärkte beherrschte, ist es zumindest um die finanzielle und wirtschaftliche Situation der Volkswirtschaft relativ ruhig geworden. Aktuell war Russland vor allem durch den ausführlichen Fernsehauftritt des russischen Präsidenten Wladimir Putin und das Außenministertreffen der G7 in Lübeck im Gespräch. Es wurde auf der einen Seite deutlich, dass nicht mit einer kurzfristigen Aufhebung der Sanktionen zu rechnen ist, die aber Russland weit weniger stark treffen, als dies erwartet wurde.

Russlands Abhängigkeit von den Rohstoffpreisen

Während man sich starke Erfolge von den Wirtschaftsaktionen gegen Russland versprochen hat, die teilweise durch aktuelle Gespräche mit Griechenland unterwandert werden könnten, sind der wirkliche Hebel bei der Entwicklung Russlands die Rohstoffpreise. Nachdem sich der Ölpreis nun wieder leicht aufwärtsgerichtet stabilisiert, gewinnt der Russische Rubel an Stärke und gehört mit einem Zuwachs von über 30 % zum Euro zu den Währungsräumen, die in diesem Jahr eine besondere Wachstumsdynamik hatten. Gleichzeitig steigen die Einnahmen Russlands und die Inflation geht zurück. Entsprechend beschrieb Wladimir Putin in dem Interview und seiner „Bürgerfragestunde“ die Situation aus dem aktuellen Blickwinkel nicht unrichtig, dass das Schlimmste hinter Russland liegen könnte.

Die mittelfristigen Auswirkungen

Es stellt sich aber die Frage nach den weiteren Perspektiven. Russland hat die Lieferwege aus dem Osten deutlich intensiviert. Damit scheinen China und vor allem Südkorea Profiteure von den westlichen Sanktionen zu sein. Nun stellt sich die Frage, wie nachhaltig dieser Blick Russlands in den Osten ist und ob es den westlichen Staaten zukünftig gelingen kann, den Vertrauensverlust durch die Sanktionen auszugleichen. Für einige deutsche Produkte und Dienstleistungen kann man dort optimistisch sein. So gelten – ähnlich wie in China – deutsche Premium-Automobile als Statussymbol, das sich so leicht nicht substituieren lässt.

In anderen Bereichen kann dies anders aussehen, weil beispielsweise südkoreanische Softwarekonzerne ihren deutschen Wettbewerbern nicht unbedingt nachstehen. Insofern könnte die wirtschaftliche Beeinträchtigung für die westlichen Staaten langwieriger und nachhaltiger als bislang wahrgenommen sein. Dies gilt umso mehr, weil die wieder aufwärtsgerichtete Entwicklung der russischen Volkswirtschaft international weitgehend unbeachtet bleibt und auch auf politischer Ebene die Perspektive zu fehlen scheint, wie man mit Russland in der aktuellen Situation umgehen will. Ein positives Signal sind sicherlich Ausführungen, dass Sanktionen kein Selbstzweck seien. Allerdings fehlt die klare Perspektive, in welchem Zeitkorridor und in welchem Umfang diese dann wieder reduziert werden können.

Hier ist vereinfacht festzuhalten, dass ein längerfristiges Beibehalten der Sanktionen, deren ohnehin schon fragwürdige Rechtfertigung immer schwieriger zu erklären ist, die Beziehung zwischen Russland und insbesondere der EU weiter belasten wird. Gleichzeitig sieht man die Annäherung zwischen Russland und Griechenland kritisch, auf die wir bereits in dem Buch „Europa 2029 – Das Ende?“, bestellbar unter der ISBN-Nr. 978-3-86386-574-0, hingewiesen hatten. Man darf nicht unterschätzen, dass Russland nicht nur zu einer wirtschaftlichen Belebung in Griechenland beitragen könnte, indem man dort hohe Preise für in Griechenland erzielte Agrarprodukte bezahlt oder Ermäßigungen in den Energiepreisen ermöglicht, sondern Russland durchaus in der finanziellen Lage wäre, mindestens im einstelligen Milliardenbereich Griechenland einen Überbrückungskredit zur Verfügung zu stellen.

Um eine Spaltung oder Zersplitterung der europäischen Interessen zu verhindern, sollte die EU eine Kompromisslinie mit Russland entwickeln und einen Weg mit Russland suchen, in dem man an demselben Strang in dieselbe Richtung zieht. So kann Europa insgesamt ein dauerhaft bedeutender Partner in einer immer stärker globalisierten Welt mit enormen Entwicklungen in Regionen wie Südamerika, Indien und China sein.