Abwärts immer ist derzeit das australische Zinsmantra. Die letzte Zinssenkung der australischen Zentralbank um ein halbes Prozent ist ein weiteres Zeichen dafür, wie angespannt die Situation down under ist. Der Versuch, einen heiß gelaufenen Immobilienmarkt gesund zu spritzen, wird auch in Australien nicht gelingen. Richtig spannend wird es für Bürger und Banken dann, wenn der nur noch schwach glänzende Lack der Rohstoffexporte stärkere Risse bekommt…

Die Australische Zentralbank senkte den Leitzins am 1. Mai erneut. Die Maßnahme war deutlich, die Bank setzte die maßgebliche Cash Rate um 50 Basispunkte auf jetzt 3,75%. Vom Höchststand der letzten Dekade bei mehr als sieben Prozent ist man weit entfernt. Selbst von den in der kurzen Wirtschaftserholung erreichten 4,75% hat man sich mit dem letzten Zinsschritt nun ein volles Prozent entfernt. Zuletzt gab es eine Zinssenkung von mehr als 25 Basispunkten übrigens im Februar 2009, seinerzeit ging es um ein Prozent runter.

Glenn Stevens, Governor der australischen Zentralbank, begründete die Entscheidung mit einer „schwächer als erwarteten wirtschaftlichen Bedingungen“. Sonderlich überraschend sollte für Herrn Stevens und seine Kollegen zumindest der Abschwung auf dem fünften Kontinent nicht sein. Seit mehr als einem Jahr ist in Australien die Luft raus. Auch der überhitzte Immobilienmarkt bröselt , eine Entwicklung, die nicht nur Banken vor Ort Sorge bereiten wird.

Ob die Zinssenkung den allgemeinen Trend zum Deleveraging bremsen kann, ist fraglich. Der Trend seit Krisenbeginn ist eindeutig.

Probleme australischer Banken träfen nicht nur die Institute selbst, sondern naturgemäß auch die Fremdkapitalgeber, und die sind über den Globus verstreut. Die australischen Institute erfreuten sich bei Anleiheemissionen in den vergangenen Jahren einer regen Nachfrage ausländischer Investoren, die Alternativen zum Kauf europäischer Bankpapiere suchten. Pensionskassen, Versicherungen und Banken im Euroraum saugten sich mit den in Euro denominierten Papieren der australischen Großbanken voll, ungeachtet der im globalen Vergleich niedrigen Risikoprämien. Gut für die Banken, schlecht für die Investoren. Die Aufblähung der Bilanzen der australischen Banken ist nicht zu übersehen.

Auch down under machen die Finanzunternehmen augenscheinlich keine halben Sachen. Das Volumen der Anleiheemissionen des Sektors legte seit dem Jahr 2000 auf dem heimischen Markt um rund 600% zu, auch auf dem Auslandsmarkt war der Zuwachs mit circa 330% beachtlich.

Die privaten Haushalte haben sich landesweit vom Konsum- und Immobilienvirus anstecken lassen. Die Verschuldung der Konsumenten im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen hat ein überaus ungesundes Ausmaß erreicht. Kommt es zu einer wirtschaftlichen Abschwächung und Lohneinbußen, frischt der Gegenwind schnell auf.

Gesellen sich noch weiter fallende Hauspreise dazu - wovon man ausgehen sollte - ist für viele Menschen zumindest finanziell die Party beendet.

Weniger Einkommen, fallende Hauspreise und hohe Verschuldung, ein bekanntes Muster. Wenig überraschend hat sich das Verbrauchervertrauen zuletzt wieder deutlich eingetrübt. Neben der berechtigen Sorge um eine Abschwächung der chinesischen Nachfrage zehrt mittlerweile auch der sich verstetigende Rückgang der Immobilienpreise spürbar an den Nerven.

Das Ausmaß der Abwärtsbewegung ist bisher sehr gering. Von zahlreichen Auktionen kommen jedoch Signale, die an einen frühen Akt des US-Dramas erinnern. Potenzielle Verkäufer halten sich zurück, weil ihnen die Preise zu tief erscheinen. Potenzielle Käufer bieten deutlich weniger als den verlangten Preis und zeigen sich geduldig. Wer verkaufen muss und nicht mehr warten kann, nimmt im Laufe der Zeit dann noch tiefere Angebote an.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres setzte sich die Abwärtstendenz nahtlos fort. Die RBA meldete einen Fall der Hauspreise von 1,1%.

Angesichts anhaltend schwacher Daten aus China sollte sich niemand durch krude Interpretationen von Banken und Nachrichtenagenturen einlullen lassen. So ergoss sich kürzlich eine Überschrift von Dow Jones Newswire über die Leser. Der chinesische Einkaufsmanagerindex (PMI) deute auf eine Erholung hin, ließen die Verfasser verlauten. Das ist eine in der Tat bemerkenswerte Interpretation des PMI, befindet sich dieser doch nach wie vor in der Kontraktion, also unterhalb der Wachstumsschwelle. Wie so oft wird eine verringerte Schrumpfung als beschleunigtes Wachstum ausgelegt, was sich naturgemäß in der Realität anders darstellt. Haben sie schon mal versucht auf gerader Strecke zu beschleunigen, indem Sie den Fuß nicht ganz so fest auf die Bremse pressen?

Vor allem im Minensektor wurden in Australien in den letzten Jahren Jobs geschaffen. Ja, es gibt sie wieder, die Lehrer, die eines höheren Gehalts wegen lieber das Erz im Riesen-LKW aus der Grube fahren als widerborstigen Heranwachsenden die binomischen Formeln einzutrichtern. Das Blatt kann sich rasch wenden, sobald die Rohstoffnachfrage auch nur einen kleinen Knick hinnimmt. Wer sich dann auf Basis des temporär hohen Gehalts verschuldet hat, wird nicht viel aber umso länger Freude an seinen Krediten haben. Für die Kreditgeber gilt das gleiche. Glücklicherweise sind ja Europa derzeit zahlreiche Fachleute für faule Kredite wieder wesentlich günstiger zu haben, als noch vor einigen Jahren. Für britische Banker gibt es nicht mal eine hohe Sprachbarriere.

Also, auf nach Australien und den Sunblocker nicht vergessen!

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