Hier bahnt sich wieder eine schöne Verschwörungstheorie an. Ich schreibe es extra so provokativ, denn die Story drängt sich förmlich auf und wird mit Sicherheit in den nächsten Wochen heiß diskutiert werden.

Erstmal die nüchternen Fakten :

In Mexico ist die Schweinegrippe ausgebrochen. Wie 2005 die Vogelgrippe in Asien greift diese bislang nur bei Tieren bekannte Grippe plötzlich und unerwartet auf den Menschen über. Angeblich sind in Mexico bereits über tausend Menschen erkrankt und 60 gestorben. In einigen Bundesstaaten der USA wurden ebenfalls Schweinegrippefälle gemeldet. Mexico will bereits Teile des öffentlichen Lebens lahmlegen um eine Ausbreitung zu verhindern. Die weltweiten Medien beginnen bereits eine Neuauflage der Vogelrippe-Braking-News-Dauerberieselungs-Maschinerie.

Süddeutsche zur Schweinegrippe:

www.sueddeutsche.de/,tt2m1/wissen/807/466390/text/

Ein Impfstoff existiert nicht und ist für die nächsten Monate auch nicht in Aussicht.

Der einzige Wirkstoff, der gegen die Schweinegrippe wirken soll ist angeblich, Sie werden es bereits ahnen: Tamiflu.

Das Medikament, das zu großer Berühmtheit und unglaublichen Umsätzen gelangte, als 2005 die Vogelgrippe die Medien beherrschte.

Tamiflu wird von dem Schweizer Pharmakonzern Roche vertrieben. Entwickelt wurde es von dem US-Unternehmen Gilead Science. Gilead erhält noch immer Lizenzerlöse vom Verkauf von Tamiflu. Bereits 2005 sorgte die Tatsache, dass der damalige Pentagonchef Donald Rumsfeld Großaktionär und vor 2001 sogar Vorstandsvorsitzender dieses Unternehmens war. Donald Rumsfeld verdient also an jeder verkauften Packung Tamiflu. Im Rahmen der Vogelgrippehysterie hat das US-Verteidigungsministerium (sowie viele andere Staaten der Welt und Privatpersonen) seinerzeit große Mengen an Tamiflu eingelagert um einer Pandemie vorzubeugen. Wir reden hier über viele Milliarden Dollar.

Siehe Spiegel-Artikel November 2005 :

www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,382714,00.html

Glücklicherweise ist die Vogelgrippe genauso in der Versenkung verschwunden wie die irakischen Massenvernichtungswaffen, ohne Europa und die USA zu entvölkern. Wir erinnern uns aber noch gerne an die Bilder von Marsmenschen in Schutzanzügen, die jede tote Ente medienwirksam aus dem Stadtpark geborgen haben und der (hoffentlich nicht ganz ernstgemeinten) Forderungen, Rügen mit Hilfe der Luftwaffe vor anfliegenden Vogelschwärmen zu schützen.

Im abgelaufenen Jahr sind die Umsätze mit Tamiflu dramatisch zurückgegangen. Die Vogelgrippe war ja kein Thema mehr. Das hat bei Roche (und in der Folge vermutlich auch bei Gilead) zu deutlichen Umsatzrückgängen geführt.

Zitat von DowJones vom 21.10.2008 :

DJ UPDATE: Geringere Tamiflu-Verkäufe drücken Umsatz bei Roche

DOW JONES NEWSWIRES 

ZÜRICH (Dow Jones)--Der Pharmakonzern Roche Holding (News/Aktienkurs) hat im dritten Quartal 2008 unter anderem wegen Wechselkurseffekten und deutlich niedrigerer Tamiflu-Verkäufen an Regierungen ein geringeres Umsatzwachstum ausgewiesen als erwartet. Roche berichtete am Dienstagmorgen ein Umsatzplus von 1,6% auf 11,3 Mrd CHF. Analysten hatten mit 11,45 Mrd CHF in dem Zeitraum gerechnet.

In den ersten neun Monaten verbuchte Roche in CHF einen Umsatzrückgang um 2% auf 33,3 Mrd CHF. Gebremst wurde das Umsatzwachstum insbesondere von der Entwicklung des US-Dollars: In lokalen Währungen betrug das Wachstum 6%, in USD 13%. Zudem nahmen die Verkäufe des Grippemittels Tamiflu zur Pandemievorsorge in dem Zeitraum weiter ab. Ohne Verkäufe von Tamiflu stieg der Konzernumsatz allerdings in dem Neunmonatszeitraum um 2% auf 33,2 Mrd CHF.

Für die Sparte Pharma berichtete Roche für den Neunmonatszeitraum (ohne Verkäufe von Tamiflu zur Pandemievorsorge) einen Umsatz von 26,06 (25,73) Mrd CHF. In CHF war dies ein Plus von 1%, in lokalen Währungen von 10% und in USD von 17%. Unter Berücksichtigung der Verkäufe von Tamiflu ermäßigte sich der Erlös in der Sparte Pharma in CHF um 3% auf 26,2 (27,12) Mrd CHF.

Zur Entwicklung in der Virologie sagte Roche, in den ersten neun Monaten 2008 seien die weltweiten Verkäufe des Grippemittels Tamiflu (Oseltamivir) um 69% auf 428 Mio CHF gesunken. "Der wie erwartet starke Rückgang bei den Pandemieverkäufen um 1,3 Mrd CHF gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurde nur teilweise durch einen Anstieg der saisonalen Verkäufe im laufenden Jahr ausgeglichen", hieß es weiter von Roche.

In den ersten neun Monaten seien keine großen neuen Vorratsbestellungen zur Pandemievorsorge eingegangen. Die Behörden der USA, Kanadas, Südkoreas und Hongkongs hätten die Haltbarkeit der Regierungsvorräte an Tamiflu auf sieben Jahre heraufgesetzt.

Das ist ja (aus unternehmerischer Sicht) ein glücklicher Zufall, dass ausgerechnet jetzt die Schweinegrippe den Sprung auf den Menschen geschafft hat.

Noch ein Faktum:  Die Haltbarkeit von Tamiflu ist natürlich nicht unbegrenzt. Tamiflu wurde als Syrup für Kinder angeboten (Haltbarkeit 2 Jahre) und als Kapseln für Erwachsene (Haltbarkeit 5 Jahre). Die Bestände für Kinder müssen also nun komplett neu angeschafft werden. Bei den Beständen für Erwachsene kommt es drauf an, welches Produktionsdatum man gekauft hat. Wer erst in 2005 produzierte Bestände bevorratet hat, hat noch ein Jahr zeit, wer aber Medikamente aus älterer Produktion hat, muss neu anschaffen. Die Regierungen von USA, Kanada, Südkorea, Hongkong und Japan haben erst vor wenigen Monaten die Haltbarkeit IHRER Medikamente auf 7 Jahre verlängern lassen. Nach meinen Informationen (man möge mich korrigieren) gilt das aber nur für die staatlichen Notfallvorräte.  Da hat ja jemand hellseherischen Weitblick bewiesen….

Roche/Chugai: Verlängerung der Haltbarkeit von Tamiflu gutgeheissen

12.11.2008 06:35

Zürich (AWP) - Die japanische Roche-Tochter Chugai hat von der Gesundheitsbehörde Ministry of Health, Labour and Welfare die Zustimmung zu ihrem Antrag erhalten, die Haltbarkeit des Grippemedikamentes Tamiflu Capsule 75 bei der Lagerung durch die japanischen Behörden von fünf auf sieben Jahre zu verlängern. Der Antrag berücksichtige, dass die Lagervorräte der japanischen Behörden derzeit für den Fall eines Ausbruchs einer neuen Grippe-Pandemie ergänzt würden, teilte Chugai am Mittwoch mit. Die Lagerzeit für die kommerziell vertriebenen Grippemedikamente bleibe unverändert fünf Jahre für Tamiflu Capsule und zwei Jahre für Tamiflu Dry Syrup 3%.

ch/rt (Quelle: AWP)

Natürlich verbietet es sich von selbst, aus diesen einzelnen Tatsachen irgendjemandem irgendetwas Unbeweisbares zu unterstellen. Selbst ich kann mir hier einen Zusammenhang zurzeit nicht ernsthaft vorstellen. Das wäre Wahnsinn. Dennoch hielt ich es für wichtig, Ihnen diese Informationen mitzuteilen, damit Sie die aufkommende Berichterstattung mit dem gewohnt kritischen Blick hinterfragen. Es wird ein mit Sicherheit höchst spannendes Thema in den nächsten Monaten sein und es ist bestimmt nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt, wenn ich vermute, dass die Berichterstattung über die Schweinegrippe und die daraus resultierende Sorge bei den Menschen das Thema Finanzkrise ein ganz klein wenig aus den Medien und den Köpfen der Menschen verdrängen könnte….  Noch ein interessanter Nebeneffekt, finden Sie nicht!?

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