Unter Bezugnahme auf den gestern durch Dr. Paul Craig Roberts publizierten Bericht zur anhaltenden Arbeitsplatzverlagerung aus den Vereinigten Staaten in das überseeische Ausland, empfiehlt es sich, die aktuellen Entwicklungen um den Pharmariesen Pfizer ein wenig genauer zu beobachten. Jetzt warnt selbst Milliardeninvestor Carl Icahn davor, dass die im Zuge der anstehenden Fusion mit dem irischen Konzern Allergan angedachte Abwanderung Pfizers in Richtung Ausland unabsehbare Konsequenzen und Risiken für die US-Wirtschaft berge.

Fusion Pfizer-Allergan mit unabsehbaren Konsequenzen für die US-Wirtschaft

Es sind nicht nur die amerikanischen Aktien- und Vermögensmärkte, die Milliardeninvestor Carl Icahn, wie zuletzt berichtet, Sorgenfalten in die Stirn treiben. Ebenso wie Großspekulant George Soros, scheint Icahn sein Hedging gegen einen möglichen Abschwung an den US-Aktienmärkten in letzter Zeit deutlich nach oben gefahren zu haben.

Bedenken bereiten Icahn, der vor Kurzem durch US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump als potenzieller Finanzminister ins Spiel gebracht wurde, auch die Entwicklungen auf dem aktuellen Fusionsparkett. Wie bekannt vor einigen Tagen bekannt wurde, unternimmt der US-Pharmariese Pfizer den Versuch, seinen irischen Konkurrenten Allergan zu schlucken.

Diese Übernahme könnte, so Icahn, unabsehbare Konsequenzen für die breite amerikanische Wirtschaft nach sich ziehen. Entstehen würde nach erfolgreich ablaufender Fusion ein Riese an den internationalen Pharmamärkten, der auf einen kombinierten Marktwert von rund $320 Milliarden blicken würde.

Steuerparadies Irland

Icahn drängt den Washingtoner Kongress nun öffentlich ein weiteres Mal dazu, endlich die Steuergesetze für Großkonzerne zu ändern, damit diesen Konzernen keine Anreize mehr gesetzt werden, um ihre Konzernzentralen ins überseeische Ausland zu verlagern. Dort werden, wie im Falle Irlands, weitaus weniger Steuern an den Staat entrichtet.

Aus dem Blickwinkel der USA handelt es sich im Falle Irlands gar um ein Steuerparadies für Konzerne, das Amerikas Großunternehmen nicht selten gerne dazu nutzen, um internationale Aktivitäten dorthin zu verlagern. Wie Icahn gestern in einer Twitter-Meldung erklärte, habe das Management von Pfizer bestätigt, die eigene Konzernzentrale ins außeramerikanische Ausland zu verlegen.

Aufruf zur Abschaffung der "Steuerinversion"

Zudem fügte Icahn zuvor an, dass seine Befürchtungen im Hinblick auf einen unmittelbar bevorstehenden Exodus unter den besten amerikanischen Konzernunternehmen wahr zu werden scheint. Die Situation sei aus diesem Grund weitaus gefährlicher, als es sich manche Leute in der Heimat vorzustellen vermögen.

In einem an den Washingtoner Kongress übersendeten Brief drängte Icahn die Abgeordneten einmal mehr dazu, die so genannte „Steuerinversion“ abzuschaffen, die bislang noch in den Vereinigten Staaten beheimateten Konzernunternehmen einen fatalen Anreiz verschaffe, sich mit einem im überseeischen Ausland ansässigen Unternehmen zusammenzuschließen, das auf geringere Steuerverpflichtungen gegenüber dem Staat blicke.

Icahn schreibt, dass die „unmittelbar bevorstehende Abwanderung unter vielen der besten amerikanischen Konzernunternehmen mit extrem gefährlichen Auswirkungen Hand in Hand ginge, was insbesondere im Hinblick auf die ohnehin angeschlagene Wirtschaft in den USA gelte.

US-BIP-Daten: Wirtschaftswachstum schwach - Steuereinnahmen schwach

Am Donnerstag publizierte das US-Handelsministerium seine erste Schätzung zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in den Vereinigten Staaten im dritten Quartal. Wie – mit Blick auf den Modellindikator der Federal Reserve Bank of Alabama nicht anders zu erwarten – wuchs Amerikas Wirtschaft im dritten Quartal laut erster Schätzung gerade einmal um 1,49% – und somit deutlich unterhalb der Konsensschätzungen unter Ökonomen und Analysten.

Nachdem die US-Wirtschaft im ersten Quartal nur um 0,2% wuchs, gefolgt von einem Wachstum in Höhe von 3,9% im zweiten Quartal, steht im Hinblick auf Amerikas BIP-Wachstum in den ersten drei Quartalen dieses Jahres ein Zuwachs von gerade einmal 1,87% im Vergleich mit dem Vorjahr. Diese Daten liegen nach wie vor weit, weit unterhalb des Potenzialwachstums der US-Wirtschaft, das Experten bei bis zu 4,5% pro Jahr sehen.

Um an Icahn anzuknüpfen, so sieht der Milliardeninvestor die große Gefahr, dass im Angesicht einer schwachen Wirtschaftsentwicklung in den USA noch mehr Arbeitsplätze ins überseeische Ausland verlagert werden. Gleiches ließe sich im Hinblick auf potenzielle Steuereinnahmen in Höhe von Hunderten Milliarden von US-Dollars sagen, die dem US-Staat verloren gingen. Ganz zu schweigen von weiter einbrechenden CAPEX-Investitionen.

Wie sich zeigt, scheinen Dr. Paul Craig Roberts und US-Senator Charles Schumer schon im Jahr 2004 vorhergesehen zu haben, welchen Pfad die amerikanische Wirtschaft in einer globalisierten Welt nehmen würde. Amerika entindustrialisiert sich selbst, und verliert damit auch immer mehr qualifizierte Arbeitsplätze an das überseeische Ausland. Jetzt sind es – auf Basis von haarsträubenden Unternehmenssteuergesetzen – gar ganze Konzernikonen, die den USA verlustig und von der Stange gehen werden.