Es ist doch sonderbar, nicht wahr? Fed-Regionalpräsident James Bullard macht sich aufgrund eines „robusten“ Arbeitsmarktes in den Vereinigten Staaten darüber Sorgen, dass die Inflation in der Heimat schon bald anziehen könnte. Ich brauche Ihnen gewiss nicht zu erläutern, für wie weit hergeholt ich eine solche Aussage im Angesicht der realen Begebenheiten an den amerikanischen Arbeitsmärkten halte.

Sei´s drum. Es gibt eine Kennziffer, die dieses verzweifelte Geplapper per se ad absurdum führt. Und dabei handelt es sich um durch die US-Bundesstaaten im Schlüsselmonat April vereinnahmten Einkommenssteuern der Bürger. Laut neuester Daten sind die persönlichen Einkommenssteuern der Amerikaner im Monat April im Jahresvergleich um insgesamt knapp 10% gesunken.

Nach einem „robusten“ Arbeitsmarkt will mir diese Entwicklung nicht erscheinen. Bislang liegen diese Daten für 32 Bundesstaaten und das Inselterritorium Puerto Rico vor. Dabei handelt es sich mit Blick auf die persönlichen Einkommenssteuern auf Löhne und Gehälter sowie auf Investment- und Kapitaleinkommen doch um die Haupteinnahmequellen der 43 Bundesstaaten, die diese erheben.

April ist wichtigster Steuermonat in den USA

Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass sich der Monat April als wichtigster Steuermonat im gesamten Jahr erweist, da mit diesem Monat das Ultimatum zur Einreichung der Jahressteuer einhergeht. Die US-Bundesstaaten finanzieren sich zu etwas mehr als einem Drittel aus dieser Form der Steuererhebung. Ein weiteres Drittel von deren Jahreseinnahmen lässt sich auf die Abführung von Mehrwertsteuern durch die Unternehmen zurückführen. 

Laut Analysten haben Kapitalertragssteuern einen nicht unwesentlichen Anteil an den recht volatilen Jahreseinnahmen der US-Bundesstaaten. Deshalb wird davon ausgegangen, dass der Rückgang der Kurse an den Aktienmärkten mit zu dem schlechten Steuerergebnis in diesem Jahr beigetragen haben könnte. Ohnehin lässt sich feststellen, dass Amerikas Aktienmärkte seit rund zweieinhalb Jahren mehr oder weniger in einer Handelsspanne auf der Stelle treten. 

Für die US-Bundesstaaten erweisen sich die neuesten Steuerdaten als schlechte Nachricht. Denn ein Großteil von ihnen befindet sich zurzeit am Ende des aktuellen Fiskaljahres 2016. Somit beginnt für die meisten US-Bundestaaten demnächst das Fiskaljahr 2017, für welches bereits Budgetpläne ausgearbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Für nicht wenige unter ihnen wird es nun darum gehen, Budgetlöcher zu stopfen.

Einkommenssteuereinnahmen: Äußerst schwacher Aufwärtstrend seit der letzten Rezession

Manche Beobachter weisen indes darauf hin, dass sich der unterliegende Trend im Hinblick auf die persönlichen Einkommensteuereinnahmen der US-Bundesstaaten in den vergangenen Jahren zwar tendenziell als nach oben gerichtet erwiesen habe. Trotz dieser Tatsache zeige eine eingehendere Datenanalyse, dass sich dieser Trend seit dem offiziellen Ende der letzten Rezession als nur äußerst schwach erwiesen habe.

Das Center for Strategic and Budget Solutions macht darauf aufmerksam, dass der US-Bundesstaat Louisiana im April dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr unter den schlimmsten Einnahmeausfällen gelitten habe. So belief sich der Rückgang der Einnahmen aus den persönlichen Einkommenssteuern des Bundesstaates auf 81,55%. Hauptgrund soll sein, dass die Lokalregierung die Weise geändert habe, auf welche Steuerrückerstattungen zukünftig ausgeführt werden. Dazu fiel der letzte Apriltag auf einen Samstag.

Auch im US-Bundesstaat North Dakota reduzierten sich die Einnahmen aus persönlichen Einkommenssteuern der Bürger im April im Jahresvergleich um knapp 35%. Laut Analysten reflektierten diese Daten das gesamte Ausmaß der Misere im heimischen Energiesektor. Die Daten aus Oklahoma stützen diese These. In dem ebenfalls ressourcenreichen Bundesstaat sanken die Einnahmen aus persönlichen Einkommenssteuern der Bürger um 18%.

Auch Einnahmen aus Investment- und Kapitalertragssteuern rückläufig

Auch der durch die Sesshaftigkeit von finanziell recht vielen Vermögenden beglückte US-Bundesstaat New Jersey blickt auf Steuereinnahmerückgänge von knapp 15% im Vergleich mit dem Vorjahr. Hauptgrund dürften in diesem Fall die deutlich rückläufigen Einnahmen aus Investment- und Kapitalertragssteuern sein. Auch der US-Westküstenbundesstaat Oregon zählt sich zu den größten Verlierern. Hier sanken die Einnahmen im Monat April aufgrund von Einmaleffekten im Vorjahr um rund 30%.

Doch auch der finanziell arg gebeutelte US-Mittelwestbundesstaat Illinois blickt auf einen Rückgang von 28,8% gegenüber dem Vorjahr. In Ohio beläuft sich der Einbruch auf etwas mehr als 41%. Einzig der US-Bundesstaat Kansas durfte sich freuen, dessen Lokalregierung sich über eine Steigerung der diesjährigen Steuereinnahmen um 23% freuen darf. Als Grund machen Analysten vor allem eine jüngst erfolgte Vereinfachung des lokalen Steuersystems aus.

Sieben US-Bundesstaaten erheben indes überhaupt keine Einkommenssteuern. Dazu zählen Nevada, Florida, Alaska, Texas, South Dakota, Washington und Wyoming.