Anlageverwalter kaufen heutzutage wirklich jeden riskanten Papierfetzen, um eine über der realen Inflationsrate liegenden Zins zu erwirtschaften. Natürlich ist das alles nur eine Momentaufnahme, die hauptsächlich durch rekordhohe Margin Debt Käufe – auch an den Aktienmärkten – angekurbelt wird. Auch im Jahr 2007 wurden steigende Aktien-, Junkbond- und Immobilienpreise bejubelt, die eigentlich bis in die Ewigkeit klettern und niemals wieder talwärts fahren sollten. Die Realität belehrt uns jedoch eines anderen.

Nun, wer sich an die in der zweiten Jahreshälfte 2007 ausbrechende Bankenkrise erinnert, erkennt, auf welche Weise sich Ben Bernanke und Co. geirrt haben. Ist es heute nicht Ben Bernanke, der – wie damals im Jahr 2006 – auf CNBC zum Besten gab, dass die nationalen Häuserpreise nicht sinken könnten, weil das in der Geschichte des Landes noch nie passiert sei, so möchte uns heute seine designierte Nachfolgerin Janet Yellen erklären, dass es keine Blasen an den Finanzmärkten gäbe.

Und so nehmen wir geflissentlich zur Kenntnis, dass die Ratingagentur S&P in einem neuen Bericht mitteilte, wie die Nachfrage nach Junkbonds beziehungsweise Ramschanleihen im letzten Jahr in Europa förmlich explodiert ist. Um phänomenale 98% sind die Anlagen in diesen hochriskanten Vermögenswerten im Vergleich mit dem Vorjahr gestiegen, wie es hieß. Es stellt sich die Frage, wer als rettende Instanz zur Hilfe eilen soll, wenn dieses Baby Bust gehen wird?!

Waren Staaten im Jahr 2008 noch dazu in der Lage, ausstehende Schulden im Privatsektor zu übernehmen, um sie den Steuerzahlern aufzubürden, so dürfte eine Wiederholung dieser Aktivitäten aufgrund des immens gestiegenen Verschuldungsniveaus der öffentlichen Hand und eines höchst angeschlagenen Zustands vieler Staatsbudgets nicht ein weiteres Mal zu realisieren sein. Blieben einmal mehr nur die Notenbanken als Retter in der Not, wenn die rote Alarmleuchte an den Finanzmärkten wieder anspringen wird.

Doch ebenfalls mit einem Unterschied: zumindest die Federal Reserve war so clever, bislang nur ausstehende Schulden zu monetisieren, die eine staatliche Garantie aufweisen. Dies gilt sowohl für den Ankauf von Treasury Bonds als auch für mit Hypotheken besicherte Anleihen (MBS-Papiere). Im Gegensatz dazu sah sich die EZB dazu gezwungen, bereits Ramsch von hoch überschuldeten Staaten der Südländer der Eurozone anzukaufen und dies auch weiter zu tun, falls es in einem dieser Länder wieder zu Stress an den Kapitalmärkten kommen sollte.

Hierin liegt ein gewichtiger Unterschied. Denn je mehr Ramsch eine Notenbank sich in ihre Bilanz lädt, desto höher ist auch das Risiko, dass das Vertrauen in diese Institution irgendwann den Bach hinuntergehen wird. Es ist wie mit dem Mann, der aus dem 11. Stock sprang und gerade im 5. Stock angekommen ist. Bis hierin ging es gut. Doch irgendwann wird der Aufschlag kommen, und im Hinblick auf diese Perspektive scheinen die europäischen Banken in noch weitaus größere Probleme hineinzusteuern, als ihre amerikanischen Pendants.

So war das schon im Jahr 2008, in dem die Fed europäischen Banken betrügerische Derivate monetisierte, und diese Aktivitäten bis zum letzten gerichtlichen Gefecht geheim halten wollte. Immerhin taten sich Europas Finanzinstitute bereits damals dabei hervor, jeden papiernen und toxischen Mist zu erwerben, der an Wall Street verbrieft, vermarktet und zum Kauf angeboten wurde. Sorgfalt und Prüfung hatte man nicht walten lassen, nach dem Bust jedoch am lautesten nach Bailouts geschrieen.

Resultat ist, dass nichts aus dieser Krise gelernt wurde. Wie im Fall von Zypern oder Griechenland hat die EZB den Privatbanken selbst ihre gehaltenen Schrottanleihen abgekauft, um einen Zusammenbruch und Dominoeffekt in Europas Bankensystem zu verhindern bzw. aufzuschieben. Auf diese Weise läuft der Moral Hazard nun also Amok. Dieses schlechte Management von Banken, auf deren Konten die Sicherung und Garantie von Kundeneinlagen unter normalen Umständen höchste Priorität haben sollten, wird durch den Staat und die Notenbanken auch noch belohnt, indem die Allgemeinheit für deren Verfehlungen an den Haken gehängt wird.

Und die Folgen aus dieser Politik sehen wir jetzt. Nur noch wenige Banken in Europa sind dazu bereit, überhaupt noch Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben. Anstelle dessen flüchten sie sich an die Kapital- und Währungsmärkte, um zu Niedrigstzinsen aufgenommenes Kapital zu Spekulationszwecken einzusetzen. Nichts anderes erleben wir momentan insbesondere im Junkbondsektor, da die Meinung vorzuherrschen scheint, dass Sorgfaltspflicht einmal mehr vernachlässigt werden darf, weil man ja ohnehin durch den Staat rausgekloppt wird, wenn die Blase platzt.

Allein in diesem Jahr wurden in Europa knapp 60 Milliarden Euro in Form von frischen Junkanleihen emittiert, was einem neuen Rekord entspricht. Sollten die seit Frühjahr dieses Jahres kletternden Zinsen weiter steigen, werden diese Papierprodukte natürlich ganz besonders unter Abgabedruck geraten. Im Gegensatz zur Situation in Europa, ist die Emission von Junkbonds in den USA in 2013 bislang um 5,3% gesunken gegenüber derselben Periode des Vorjahrs. Vor Kurzem teilte die britische Großbank RBS mit, dass es vor allem kleine und mittelständische Unternehmen seien, die besonders unter dieser Lage litten.

Nun, damit hat sich seit Ausbruch der Finanz- und Bankenkrise nichts geändert. Im Gegenteil sind die meisten Banken auch nach fünf Jahren damit beschäftigt, sich die Wunden zu lecken und ihre Bilanzbücher zu schrumpfen. Natürlich trägt genau dieser Aspekt einer beständig sinkenden Kreditvergabe hochgradig dazu bei, dass immer mehr Unternehmen mit einem miesen Kreditrating an den Bondmärkten Ramschanleihen emittieren, um sich finanziell zu rekordniedrigen Zinsen über Wasser zu halten.  

Es ist wie mit der Reise nach Jerusalem. Wer diesen Mist hält, bis kein Platz mehr zur Verfügung steht, wird baden gehen, um dann den Versuch zu unternehmen, seinen eigenen Bankrott einmal mehr auf die Steuerzahler abzuladen. Deshalb sind insbesondere auch Europas Institute wieder so fahrlässig und schnell dabei, sich diese Papiere ins Depot zu legen. Private Investoren haben die schlummernde Gefahr im Junkbondsektor anscheinend weitaus besser begriffen. Wenn sie hier zugreifen, dann meist nur im Segment kurzläufiger Bonds.

Eine ganze Reihe von Banken ignoriert diese Entwicklung aus besagten Gründen. Die Steuerzahler dürfen sich freuen: denn nach dem Bailout ist vor dem Bailout. In Staaten wie Italien, Spanien, Griechenland und Co. wird allerdings abzuwarten bleiben, inwiefern ein Bailout durch den Staat überhaupt noch tragfähig und umsetzbar wäre. Die Bürger bezahlen es schließlich in Form von steigenden Steuern, die schlichtweg nicht ewig steigen können. Beispiele wie Frankreich zeigen das. Irgendwann wird es aus den Bürgern nichts mehr herauszupressen geben. Und dann dürfte endgültig Schluss sein.