Ist es nicht kurios, dass viele Politiker glauben, alles würde sich zum Besseren wenden, wenn irgendwann einmal alle Schuld abgetragen sei oder wenigstens ein ausgeglichener Haushalt vorgewiesen werden könne? Ohne meistens zu begreifen, dass beständig wachsende Schuld und deren immerwährende Tilgung und Sühne in Form des Zinses elementare und notwendige Bestandteile des derzeitigen Systems sind und es gar erhalten. Dass ganz bewusst verlangt und in Kauf genommen wird, dass die Bürgen der Nationen, die es gar nicht vermögen, für öffentliche Schulden einzustehen haben, die natürlich und objektiv betrachtet nur von denjenigen getilgt werden könnten, die über das gegensätzliche private Vermögen verfügen? Wird gar die fraktale Tilgung einer Urschuld gefordert, die mit der Geburt beginnt und mit dem Tode gesühnt, – erlöst zu sein scheint? Kaum geboren und schon schuldig? Stupid! Es ist das System! Das Hamsterrad, das sich schneller und schneller dreht.

Ist es nicht ungewöhnlich und seltsam, dass sich ein Bettler kaum vorstellen kann, dass ein Mensch mit regelmäßigem Einkommen von Lebens- und Zukunftsfurcht geplagt sein könnte? Unvorstellbar! Ein menschliches Individuum fürchtet die Zukunft und lebt dabei einen Traum in der Gegenwart: Die Utopie vom Habenichts!

Ist es nicht absonderlich, dass Menschen, die schuldenfrei sind und über ein gespartes Vermögen von immerhin 50.000 Euro verfügen, sich einbilden, man könne bestimmt erst mit einer Million Euro auf der hohen Kante freudig, beschwingt und sorgenfrei leben?

Ist es nicht verrückt, dass selbst Menschen mit zehn Millionen Euro Vermögen Existenzängste entwickeln und glauben, dass man mit Sicherheit erst mit 100 Millionen Euro ein frohes und unbekümmertes Dasein fristen könne – aber zehn Millionen definitiv nicht für das Glücklichsein ausreichen? Ist es wirklich nie genug? Niemals? Stupid! Es ist das System! Das Hamsterrad, das sich schneller und schneller dreht.

Und warum nur sind menschliche Wesen – in der Tierwelt gänzlich unbekannt – so begierig auf ein Wissen über die Zukunft, haben teils furchtbar viel Angst vor ihr und beschäftigen sich ausschließlich mit dem Kommenden – leben nicht in der Gegenwart, gar nur im Morgen? Vergessen das Jetzt, den eigentlichen Hort des Glücks und versuchen die kommende Zeit – übrigens auch in Chartanalysen verpackt – vorherzusehen?

Ist es bei den Scheichs und Milliardären der Welt tatsächlich so, dass die neu erworbene 180 Meter lange Yacht – zwanzig mehr als die letzte – für Glücksgefühle, also die Ausschüttung endogener Drogen im Gehirn sorgt oder nicht einfach nur die schlichte Tatsache das man(n) selbst es ist, der das längste Luxusboot der Welt besitzt? Das längste, das schönste, das größte Schiff im Universum! Das meiste ist meins! Bin ich der Beste, der Klügste ... der Mächtigste? Der Männlichste? Wo ist sie nur geblieben? Die Weiblichkeit! Weg? Emanzipiert? Stupid! Es ist das System! Das Hamsterrad, das sich schneller und schneller dreht.

Und vermittelt einem tatsächlich der Porsche in der Garage das Glücksgefühl oder sind es vielmehr die vielleicht neidischen, möglicherweise ungeliebten, deshalb nur halbwegs geduldeten Nachbarn, die ruhig wissen sollen, dass man sich ein solches Gefährt leisten kann? Ist es nicht mehr das anerkennende Gefachsimpel mit dem Herrn von nebenan über den Motor, das fast mehr Freude bereitet als das Fahren selbst? Hat man sich nicht spätestens nach drei Monaten an die Karre gewöhnt, auch wenn es weiterhin Spaß macht, wenn andere VerkehrsteilnehmerInnen an jeder Ampel ins Wageninnere glotzten? Ist es nicht in Wahrheit nicht das Auto, sondern das Gefühl? Das gefühlte Glück im Jetzt, etwas Besonderes zu sein? Stupid! Es ist das System! Das Hamsterrad, das sich schneller und schneller dreht.

Und geht es bei alledem tatsächlich nur darum reicher zu werden oder ist man nicht vielmehr auf der Suche nach der ultimativen baldigen Sicherheit, die einem vorgaukelt, erst in der Zukunft Lebensglück erfahren zu können? Baldiges Hochgefühl, Jubel, Seligkeit? Kleine, geraffte Momente! – in denen das eintrifft, was man glaubt vorhergesehen zu haben. Diese kurzen Augenblicke, die es schaffen, den tristen Alltag für eine recht kurze Zeitspanne durch die Ausschüttung gehirneigener Glückshormone erträglicher zu machen? Ist es diese Drogensucht, die antreibt. Eine Krankheit, ähnlich dem Krebs? Ein Überwuchs der Zellen – eine ständige Erhöhung der Dosis? Ein Leiden des Geistes, der die Gegenwart verloren hat? Gar Gottes Werk zu verrichten sucht? Stupid! Es ist das System! Das Hamsterrad, das sich schneller und schneller dreht.

Seien wir nur einmal ehrlich! Zu uns selbst! Letztendlich geht es nur um das Glück im Jetzt - gar nicht darum, reich an Geld und materiellem Vermögen zu werden. In Wirklichkeit wird nach reichlich Anerkennung gestrebt – letztendlich nach dem Gefühl gemocht oder gar geliebt zu werden. Hier liegt der Schlüssel zur Heilung! Im Hier und Jetzt. Nicht irgendwann! Stupid! Es ist das System! Das Hamsterrad, das sich schneller und schneller dreht.