Ein neues Jahr hat begonnen und viele Börsenpublikationen sind wieder einmal voll mit Einschätzungen, wo der DAX Ende des Jahres stehen wird, welche Branchen im Trend liegen werden usw. Während die geopolitischen Gefahren nach wie vor eine hohe Brisanz in sich bergen, beschleunigen sich die wissenschaftlichen Durchbrüche in verschiedenartigen Bereichen. Es entstehen viele innovative Produkte und Dienstleistungen auf den globalen Zukunftsmärkten. Vor diesem Hintergrund eröffnen sich ganz neue Anlagechancen in den Hightech-Branchen des 21. Jahrhunderts.

Künstliche Intelligenz

Traditionell kürt das renommierte US-Fachmagazin „Science“ die wissenschaftlichen Top-Durchbrüche eines Jahres. Für 2016 zählten dazu u.a. eine revolutionäre Linsen-Technik auf Nanotech-Basis, Forschungserkenntnisse, die genutzt werden können, um den Alterungsprozess zu stoppen oder ein Handgerät, mit dem DNA-Analysen vor Ort vorgenommen können – eine Art handliches Biotechlabor zum Mitnehmen.

Ein besonderer Erfolg wurde auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) erzielt. Im März schaffte es das Computerprogramm namens AlphaGO, den weltweit führenden Champion Sedol Lee in dem strategischen Brettspiel „Go“ mit 5:0 zu besiegen. Das alte Spiel aus Ostasien ist von sehr hoher Komplexität. Die Dimensionen der spielbaren Varianten übersteigen die des Schachs bei Weitem. Deshalb galt es lange als unmöglich, dass eine Software einen Go-Meister schlagen könnte.

Die KI ist ein Thema, dass auch in immer stärker werdendem Maße die Investmentmärkte erreicht. Auf der vielbeachteten Messe für Unterhaltungselektronik CES in Las Vegas stand es mit im Vordergrund. In einem Anfang Januar veröffentlichten Bericht des einflussreichen US-Wirtschaftsverbands CTA, der mit der Messe in enger Verbindung steht, heißt es, dass bis 2020 für den KI-Bereich mit einem Markt in Höhe von 40 Mrd. US-Dollar gerechnet wird. Das Unternehmen IBM, das in dieser Fachrichtung zu den Spitzenkonzernen zählt, sieht im sog. „Cognitive Computing“ ein Marktvolumen, das sie mit zwei Billionen US-Dollar beziffern.

Roboter in die digitale Welt

Obwohl die CES als eine Messe für Unterhaltungselektronik bezeichnet wird, spielen Entwicklungen in anderen Sparten, wie z.B. in der Industrie oder im Verkehr, ebenfalls eine gewichtige Rolle. Das Rahmenprogramm der zahlreichen Konferenzen ist auch im 50. Jubiläumsjahr der CES breit gefächert. Ein Grundsatzthema, auf das der Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf als Hauptredner einging, war die mobile Datenübertragung. Er eröffnete die Veranstaltung mit dem Thema 5G, der den aktuellen LTE-Standard ablösen soll. Er soll noch schneller und effizienter sein sowie bis 2020 Marktreife erreichen. Obwohl der neue Standard noch wenige Kunden interessiert, ist ein regelrechter Wettlauf entfacht, das Mobilfunknetzwerk 5G einzusetzen. Der US-Konzern AT & T ist z.B. einer, der hier sehr offensiv vorgeht und angekündigt hat, noch dieses Jahr damit zu beginnen.

Während der CES waren alle großen Mainstream-Nachrichtensender der USA mit Korrespondenten vor Ort. Eine Analyse der in den Sendungen ergab, dass die Neuheiten in der Robotertechnologie besonders häufig aufgegriffen wurden. Dabei sind Roboter im weitesten Sinne zu verstehen, wie etwa Roboterdrohnen, Software-Roboter, die durch Sprache gesteuert werden können oder selbstfahrende Roboterautos. Honda hat ein hochinnovatives Robotermotorrad vorgestellt, dass selbst fahren und zudem die Balance eigenständig regulieren kann.

Die CES ist wie die CeBIT in Hannover, die IFA in Berlin oder der „Mobile World Congress“ in Barcelona eine der Ausstellungen für digitale Trends, die in den weltweiten Medien große Aufmerksamkeit auf sich zieht. Da die Messe in Las Vegas immer Anfang Januar stattfindet, eignet sie sich besonders gut für Jahresprognosen in punkto Trendanalyse. Die genannten Bereiche digitale Mobilität, Roboter- und Sprachtechnologien oder Künstliche Intelligenz - die im Übrigen immer enger zusammenwachsen - bieten auf alle Fälle gute Ansätze, um die Recherche für die Investments in Zukunftstechnologien zu vertiefen.

Innovationen innovativ analysiert

Fortschritte auf verschiedenen Technologiegebieten sind augenfällig und en masse vorhanden. Damit einhergehend entstehen auch reihenweise neue Anlagechance. Der Anleger sieht sich mit der Qual der Wahl sowie mit der Frage konfrontiert, in welchem Bereich denn nun investiert werden sollte. Grundsätzlich bieten sich zunächst selbstverständlich klassische Analysemethoden wie die Fundamentalanalyse und die Technische Analyse an. Auf diese wurde schon in den 1930ern zurückgegriffen, und für diese neuen Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts decken sie nur einen Teilbereich ab. Faktoren wie der Wissensvorsprung oder die Innovationskraft finden jedoch relativ wenig Berücksichtigung.

Zeitgemäß sind darüber hinaus Analysen von Begriffen im Internet, die Stimmungen oder Trends abbilden. Auch von Reaktionen auf bestimmte Themen in Sozialen Medien, wie etwa „Gefällt mir“ oder „Wütend“ auf Facebook, lassen sich Stimmungsbilder bei bestimmten Themengebieten ableiten. Prinzipiell häufen sich in vielen einzelnen Wissenschaftsdisziplinen und Technologiebranchen die Fortschritte, sodass Begriffe und Aussagen wie „bahnbrechend“, „technologische Revolution“, „Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts“ oder „erinnert an Science-Fiction“ geradezu eine hochinflationäre Nutzung erfahren.

Lieber zu früh als zu spät

Kurz vor Silvester 2010 erschien hier auf Cashkurs der Artikel mit dem Titel: „Alle Jahre wieder... – Ein Blick in die Glaskugel.“ Darin wurden Prognosen für 2011 abgegeben, die auf einer eigenen Software-gesteuerten Begriffsanalyse im Internet basierten. Als vier Trends wurden Spracherkennungstechnologien, Internetsicherheit, Nanotechnologie und Branchen mit dem Präfix „Smart“ genannt. Zum letzten Punkt wurden speziell „Smart-Textile“ oder „Smart-Clothes“ angeführt. Inzwischen hat sich dafür allgemein der Begriff „Wearables“ etabliert, der für „tragbare“ Elektronik- bzw. Computergeräte steht, die in die Kleidung integriert sind oder an ihr angebracht werden können.

Ein Investment in die vier Branchen hätte 2011 zwar noch nicht durchschlagend Früchte getragen, doch für den Langfristanleger hätte sich ein solches „verfrühtes“ Investment inzwischen durchaus rentiert. Wie auch die anfangs erwähnten Hightech-Branchen bilden sie nach wie vor attraktive Zukunftsmärkte, wo sich interessante und noch generell unentdeckte Aktienperlen verbergen.

Fazit

Die Vielzahl an zukunftstechnologischen Branchen stellt für das Recherchieren von Investmentchancen in Zukunftsmärkten einen Hemmschuh dar. Diejenigen Zukunftssparten, die noch in sehr geringem Maße ins öffentliche Anlegerbewusstsein vorgedrungen sind, gehen dabei erst recht in der Informationsflut unter. Das führt mit sich, dass die Trendfrüherkennung dadurch ebenfalls erschwert wird.

Die Risiken der Weltwirtschaft, wie etwa die Kredit- und Immobilienblase in China, die Bankenkrise in Italien oder auch geopolitische Gefahren sind Faktoren, die trotz aller lukrativen Chancen Berücksichtigung in der Anlagestrategie finden sollten.

Was die Thematik noch weitgehend unentdeckter Zukunftsbranchen angeht, sind für dieses Jahr mehrere Interviews mit Unternehmern und Wissenschaftlern geplant. Manche davon - wie z.B. bestimmte Weltraumtechnologien - mögen zwar noch weit entfernt erscheinen, doch das Motto lautet hierbei: „Lieber früh als zu spät“. 2020 ist ein Jahr, das von globalen Technologiekonzernen häufig genannt wird, wenn es um Markteinführungen von bestimmten Produkten geht, die eine „gute Portion“ Science-Fiction beinhalten. Angesichts dessen werden die kommenden Jahre voraussichtlich drastische Veränderungen mit sich bringen, wovon der langfristig orientierte Hightech-Anleger in außergewöhnlichem Maße profitieren kann.