Trotz aller Widerstände, welche in den letzten Jahren verursacht wurden, ist der Bau der Ostseepipeline „Nord Stream 2“ einen gewaltigen Schritt näher gerückt. Fünf europäische Energieunternehmen unterzeichneten eine Finanzierungsvereinbarung mit der Betreibergesellschaft Nord Stream 2 AG, die im Besitz des russischen Energieriesen Gazprom ist.

Die bisher kalkulierten Gesamtkosten in Höhe von 9,5 Milliarden Euro werden von diversen Unternehmen getragen, unter anderem von Shell.

Bei einer Länge von etwa 1.220 Kilometer, soll die Gaspipeline mit einer Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter die bestehende Nord-Stream-Pipeline ergänzen, die Deutschland, quer durch die Ostsee, mit Deutschland verbindet.

Ab 2019 könnte russisches Gas so direkt nach Deutschland strömen, unter Umgehung von Transitländern wie Polen und der Ukraine, was dort natürlich auf wenig Gegenliebe stößt.

In Kiew sprach man seinerzeit sogar von einem „anti-ukrainischen Projekt“, während die Mittel- und osteuropäischen EU-Staaten behaupteten, "Nord Stream 2" widerspreche den strategischen Zielen der Energieunion.

Hinter diesen Verlautbarungen verbargen sich natürlich Sorgen aufgrund historischer Belastungen, wie auch der aktuellen Krisen. Die Gestaltung des Finanzierungsplans von "Nord Stream 2" hatte sich ursprünglich als sehr schwierig erwiesen. Anfangs sollte ein Joint Venture aus dem russischen Energiekonzern Gazprom und den fünf westlichen Partnern das Pipelineprojekt in der Ostsee stemmen. Diese Lösung wurde von den polnischen Kartellbehörden jedoch blockiert, weil Polen einen zu großen Markteinfluss von Gazprom befürchtete. Doch jetzt steht die Finanzierung, wie die fünf beteiligten Energieunternehmen Uniper, Wintershall, Shell, OMV und Engie mitteilen ließen.

Auch die EU hat inzwischen ihren Widerstand gegen „Nord Stream 2“ aufgegeben, warnt aber davor, daß das Pipelineprojekt nicht zur angestrebten Diversifizierung der europäischen Energieversorgung beitrage.

Pipeline-Projekt geostrategisch gegen den Strich gebürstet

Dieses Pipeline-Projekt entsteht zu einem Zeitpunkt, wo die Beziehungen zwischen Moskau und Brüssel eingefroren sind.

Dieser Konflikt ist auch das Ergebnis der westlichen Politik - besonders der Politik der NATO - gegenüber dem größten Flächenstaat der Erde in den letzten Jahren. Die permanente Ost-Ausdehnung der NATO, in die Weiten des eurasischen, post-sowjetischen Raumes, wurde in Moskau schon lange als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit interpretiert.

Die Unterstützung des Westens, von sogenannten Orangen-, Rosen-, Tulpenrevolutionen in der Ukraine, Georgien und Kirgistan, demonstrieren schon das Scheitern eines politisch strategischen Entwurfes, die die betreffenden Staaten weder westlicher, demokratischer, oder stabiler gemacht haben. „Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status streben, würde aber dann ein vorwiegend asiatisches Reich werden», so frohlockte einst Zbigniew Brzezinski, der ehemaligen US-Sicherheitsberater, der in den Erinnerungen von Helmut Schmidt als pathologischer Russenhasser auftaucht, in seinem Buch "The Grand Chessboard“, welches in Washington lange Zeit als Grundlagenlektüre zirkulierte.

Als Sohn eines polnischen Diplomaten lebte Zbigniew Brzezinski im Alter von 8 bis 10 Jahren während des Höhepunkts der stalinistischen Säuberungen in der Ukraine. Möglicherweise ist dies der Grund, warum Brzezinskis Denken auf verhängnisvolle Weise auf Russland fixiert ist. In dem erwähnten Werk heißt es: „Amerikas zentrales geostrategisches Ziel in Europa lässt sich also ganz einfach zusammenfassen: Durch eine glaubwürdigere transatlantische Partnerschaft muss der Brückenkopf der USA auf dem eurasischen Kontinent so gefestigt werden, dass ein wachsendes Europa ein brauchbares Sprungbrett werden kann, von dem aus sich eine internationale Ordnung der Demokratie und Zusammenarbeit nach Eurasien hinein ausbreiten lässt.“

In diesem Zusammenhang ist es nicht verwunderlich, wenn die Ostsee-Pipeline "Nord Stream 2" nicht nach dem Geschmack Brzezinskis ist. Was die Beziehungen Deutschlands zu Russland angeht, dürfte sich durch "Nord Stream 2" ein neues Kapitel eröffnen, welches in die Zukunft weist.