Ach, die Commerzbank. Eigentlich möchte man schon gar nicht mehr über den fast volkseigenen Betrieb schreiben. Regelmäßig aber wird der Beobachter durch den Schlachtruf der gelben Finanzbrigade aufgeschreckt. Ja, wir wollen Euch schon bald Euer Geld zurückzahlen! Wie schön. „Dann zahlt doch einfach und redet nicht!“, möchte man entgegnen. Dabei ist die Bank der Rekapitalisierung wohl so fern, wie das Finanzsystem einer strukturellen Gesundung…

Der allgemeine und von zahlreichen Gazetten immer wieder aufs Neue geradezu dankbar aufgenommene Wunsch zur Rückzahlung wird von fröhlichen Botschaften begleitet. Denn sehet, es entsprang dem Konzerne ein Gewinn! Die Zahl von rund 1,3 Mrd. Euro machte schnell die Runde. In Gesprächszirkeln wird das börsennotierte Papier des staatlich gestützten Unternehmens gar schon mit einem niedrigen KGV (au backe…) in Verbindung gebracht.

Nun, aus gegebenem Anlass wollen wir kurz auf das Zahlenwerk eingehen und die im vorläufigen, nicht testierten Bericht genannten Daten  ins Verhältnis setzen. Hier ein Auszug aus den veröffentlichten Unterlagen.

Der Kern der Bankpräsentation ist naturgemäß das Ergebnis vor Steuern. Das nehmen viele Medien gerne auf, es ist einfach und lässt sich schnell erfassen. Plus ist gut, minus ist schlecht. Schön auch immer wieder, was die Risikogewichtung so alles anrichtet. Von den €754 Mrd. an Assets bleiben nach der wunderbaren Risikoverbergung noch €267 Mrd. übrig – so klappt’s auch mit der Eigenkapitalquote.

Werfen wir einen kurzen Blick auf den Ursprung des Gewinns, denn so lässt sich rasch eine Aussage zur Nachhaltigkeit der Erträge machen.

Wir sehen auf den ersten Blick, woher gut die Hälfte des Ertrages stammt. Ursprung ist die Portfolio Restructuring Unit – eine Einheit, die in vielen Banken seit ein paar Jahren weit verbreitet ist. Hier werden in der Regel Abbauportfolios beim Abschmelzen beobachtet oder aktiv abbaut. Es handelt sich folglich nicht eben um ein Zukunftsgeschäft. Zudem lassen sich eingetretene Wertaufholungen nicht auf das kommende Jahr übertragen, denn eine Anleihe, die von 40 auf 90 gestiegen ist, hat naturgemäß nicht mehr das gleiche Potenzial.

Das traurige Ergebnis des 20.000 Mitarbeiter umfassenden Privatkundengeschäftes beläuft sich auf gut €2.400 pro Angestelltem. Nimmt man die stolz genannte Zahl von 5,7 Millionen Privatkunden, so bleibt bei jedem Kunden die erkleckliche Summe von €8,42 in der Kasse. Na, hoffentlich steigt das Porto nicht. Sollte Ihnen in diesem Jahr wieder einmal ein kostenpflichtig versandter Kontoauszug aufgezwängt werden, so haben Sie auf diesem Wege schon gut ein Achtel ihrer persönlichen Kundenpflicht erfüllt. 

Abschließend noch kurz die Erläuterung, was es mit der Einheit Asset Based Finance auf sich hat, die einen Krater von mehr als einer Milliarde in die Gewinn- und Verlustrechung gerissen hat.

(Commerzbank) Kunden des Commerzbank-Konzerns profitieren vom Produkt- und Leistungsangebot rund um die professionelle Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierung unserer Tochtergesellschaften Commerz Real, Deutsche Schiffsbank und Eurohypo.

Ach, da findet sich die Eurohypo wieder. Wie kommt es, dass uns anhaltend desolate Zahlen von dieser Stelle nicht mehr überraschen können? Schön, wenn wenigstens die Kunden profitieren.

Das Beste an dem gesamten Ergebnis der Bank ist aber nicht die Zahl an sich, sondern die Art und Weise, wie die Bank es gleichzeitig – wenn auch deutlich leiser – schafft, ein Minus und ein Plus auszuweisen. Die oben genannten Zahlen kommen auf Basis der IFRS Bilanzierungsregeln zustande. Auf Basis einer HGB Bilanzierung macht das gerne auch Loch Bless genannte Institut seinem Namen wieder alle Ehre. Hier steht ein massiver Verlust zu Buche, und das nicht ohne Grund, denn so wird die Bedienung der stillen Einlage des Staates verhindert.

Der Vorstandsvorsitzende hat sich dazu in der FAZ geäußert.

(FAZ) “Wir haben keine Gestaltungstricks zu Lasten des Steuerzahlers gemacht”: Martin Blessing

Gut zu wissen. Vermutlich haben seinerzeit eher die Verhandlungspartner auf Seiten der BRD schlicht bei den ganzen Fußnoten und Regelungen die Übersicht verloren.  Nun kann man bei der Vertragsverhandlung üblicherweise vorsehen, dass die Zinszahlungen nicht verfallen, sondern kumuliert werden. Bei wieder einsetzenden Gewinnen nach HGB fällt dann die Zahlung in kompletter Höhe an. Auch diese Regelung schien den Verhandlungspartnern beim Bund offenbar zu kompliziert. Sicher wollte man die Bank nicht allzu sehr belasten – im Sinne des Standorts und so weiter.

Nun sind dem Steuerzahler durch zweimaligen Zinsverlust rund €3 Mrd. entgangen. Gleichzeitig fließen allein für das vergangene Jahr Boni oder ähnliche Vergütungen in Höhe von mehr als €400 Mio. Wenn Herr Blessing nun verkündet, er wolle schnell 10% der Staatshilfe zurückzahlen, verdient das nicht den Wohlfahrtsorden. Erst drei Milliarden Euro nicht zahlen und sich dann für die Zahlung eines Teils eines kleinen und zinslosen Kredites feiern zu lassen ist höflich formuliert unangebracht.

Eine Zahlung von Geldern an den Staat müsste, wenn sie in nennenswertem Umfang erfolgen sollte, über eine Kapitalmaßnahme finanziert werden. Der übliche Weg, gerade im Hinblick auf die kommenden Basel 3 Regulierungen, wäre der Verkauf neuer Aktien. Da die Commerzbank zwischen Kursen von 6 und 7 Euro herumoszilliert, wollen wir als höfliche Menschen annehmen, die Bank könnte tatsächlich neue Papiere zu 7 Euro platzieren. Wollen wir weiterhin – noch höflicher – annehmen, die Bank würde die kompletten stillen Einlagen auf diese Weise in Aktien umwandeln können.

In diesem Falle müsste sich ein Markt für rund 2,3 Milliarden neuer Aktien finden. Die Altaktionäre werden sich freuen, aber über mangelnde Zeit zum Verkauf kann sich wirklich niemand beklagen. Nehmen wir an, dieses Unterfangen gelänge und die Bank würde eine Dividende im bescheidenen Umfang von 2% zahlen wollen. Da käme schnell eine halbe Milliarde Euro zusammen. Im Mittel lagen die Nettoeinkünfte des Instituts seit 1988 bei lediglich €330 Millionen. Von den stillen Lasten und den wohl noch lange nicht zur Gänze ans Licht getretenen Problemen im Bereich Asset Based Finance ganz zu schweigen.

Fernab aller Theorie werden sich angesichts des nachweislich etwas unorthodoxen Verlaufes der Erträge der Bank und der nicht auffallend positiven Übernahmekatastrophen der aktuellen Führungsriege in der Realität wohl erhebliche Probleme beim Aktienverkauf einstellen.

Die FAZ stellt wenig überraschend aber korrekt fest: Ohne Staat gäbe es keine Commerzbank mehr. Na und?

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