Der Vermögenswert, der in den letzten Wochen die höchsten Zugewinne verbuchte, war in der Tat der US-Dollar. Wenn man einen Blick auf die charttechnische Verfassung des Greenback wirft, so lässt sich davon ausgehen, dass sich dessen Preisrallye auch in der absehbaren Zukunft fortsetzen dürfte. Was dem einen Freud ist des anderen Leid. Denn neben der Preisentwicklung vieler Rohstoffklassen drohen nun auch Erträge und Gewinne unter den multinationalen Unternehmen und Konzernen in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Die zuletzt erzielten Gewinne des amerikanischen Greenbacks dürften für unsere Leser keineswegs überraschend erfolgen. Bereits am 13. Mai prognostizierte Währungsanalyst Jim Martens im Interview mit CK*wirtschaftsfacts, dass der US-Dollar gegenüber dem Euro und einer ganzen Reihe von anderen Papierwährungen nach oben ausbrechen würde.

Diese Prognose hat sich bewahrheitet. Der Dollarindex – ein Barometer zur Eruierung der Wertentwicklung des US-Dollars im Vergleich mit sechs anderen großen Papierwährungen – war zuletzt zehn Wochen in Folge geklettert. Diese Gewinnsträhne markiert die längste Preisrallye des US-Dollars, seitdem der Dollarindex im Jahr 1973 erschaffen wurde.

Natürlich zeichnet sich für den amerikanischen Greenback auch einiger Gegenwind an den globalen Kapital- und Finanzmärkten ab. Allen voran stellen die Bemühungen Russlands und der BRICS-Staaten, sich auf Sicht aus dem US-Dollarsystem zu verabschieden, die größte Herausforderung für einen zukünftigen Erhalt des Weltreservewährungsstatus´ des US-Dollar dar.

Doch eine solche Entwicklung vollzieht sich Schritt für Schritt und über mehrere Jahre, weshalb der US-Dollar diese Position trotz aller Unkenrufe wohl noch einige Jahre innehaben dürfte. Die momentane Dollarrallye scheint unterdessen mit signifikantem Gegenwind für dollarsensible Sektoren des Marktes einherzugehen.

Insbesondere gilt dies für Unternehmen und Konzerne, die auf die Preisrallye des Greenback, welche die Rohstoffpreise stark zu beeinträchtigen droht, adäquat reagieren müssen. An vorderster Front findet sich hier eine ganze Reihe von multinationalen Unternehmen, die viele der eigenen Geschäfte in Übersee tätigt.


Beobachter kommen zu dem Fazit, dass sich der US-Dollar in den letzten paar Jahren in einer relativ ruhigen Handelsspanne befand. In diesem Sommer habe sich jedoch etwas verändert. Denn nach dem jüngsten Preisanstieg sei definitiv damit zu rechnen, dass sich ein neuer Aufwärtstrend im Greenback entwickelt habe.

Analysten hatten im Zuge des Preisverfalls von Rohstoffen wie Edelmetallen, Mais und Rohöl schon in den letzten Wochen mit dem Finger auf den US-Dollar gezeigt. Insbesondere multinationale Konzerne aus den Vereinigten Staaten, die einen beträchtlichen Teil ihrer Umsätze in Übersee erzielen, dürften nun als Verlierer vom Platz gehen. 

Sowohl Anbieter von Konsumprodukten als auch große Technologieunternehmen werden durch die anhaltende Dollarrallye hart getroffen. Denn de meisten ihrer Geschäfte tätigen diese Konzerne in Übersee. Natürlich stehen auch Ölriesen wie Exxon Mobil im Spotlight der Investoren und Analysten.

Exxon sei gewiss ein sehr breit gefächertes Unternehmen, werde trotz allem jedoch von den sich an den internationalen Devisenmärkten abzeichnenden Entwicklung stark beeinträchtigt. Die Konsequenzen, die sich für viele Unternehmen in den USA aus einem stärkeren US-Dollar ableiteten, sollten von niemandem unterschätzt werden, wie es heißt. Derlei Bedenken lassen sich zum Beispiel am Kursverlauf der Exxon Mobil Aktie ablesen.

Seitdem der US-Dollar begonnen hatte abzuheben, hatten die Anteile von Exxon über einen Zeitraum der vergangenen zehn Wochen um mehr als 5% im Wert nachgegeben. Dies gilt selbst unter der Prämisse, nachdem der breite Markt es schaffte, neue Allzeithochs zu erklimmen. Wenn man die Erträge von Exxon Mobil einmal nach Regionen aufschlüsselt, wird deutlich, warum die Aktie zuletzt unter Druck stand.

Denn nur etwa 37% von Exxon Mobils Erträgen werden in den Vereinigten Staaten generiert, während der Rest aus Übersee in die Firmenkasse fließt. Nichtsdestotrotz könnten durch eine anhaltende Rallye des US-Dollars verursachte Einbußen in Teilsegmenten des Marktes durch Gewinne in anderen Segmenten kompensiert werden

Diese Vermutung könnte beispielsweise für den gebeutelten Einzelhandelssektor in den Vereinigten Staaten zutreffen. Denn niedrigere Ölpreise könnte auf Sicht ein günstigeres Umfeld für die heimischen Verbraucher schaffen, die geringere Benzinausgaben entweder dazu verwenden können, weiter Schulden abzubauen, zu sparen oder eben in den Geschäften auszugeben.


Die Sichtweisen zur Dollarrallye sind – wie so oft – gespalten. Das eine Camp weist darauf hin, dass ein starker US-Dollar amerikanische Verbraucher begünstige. Umso stärker der Greenback desto besser, denn die amerikanischen Verbraucher bildeten das Rückgrat der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten.


Das andere Camp warnt vor den Folgen eines zu starken US-Dollars. Die Eurozone ist fragil und droht, in eine neue Rezession zu rutschen. Auch das britische Pfund ist schwach und von Seiten der Geopolitik drohen große Gefahren. Solange die Dollarrallye sich auf Basis eines normalen und gesunden Vorgangs abspielen sollte, könnte eine Anpassung laut Mahner im Bereich des Möglichen liegen.

Sollte die Dollarrallye jedoch weiter an Fahrt aufnehmen und die Preissprünge zu schnell erfolgen, könnten die sich daraus ableitenden Konsequenzen unermesslich sein...