Dem amerikanischen Einzelhandel und seinen Konsumenten geht es so gut, dass die Sears Holding Corporation abermals mehr als einhundert Filialen schließen und in diesem Zuge mindestens 5.500 Mitarbeiter entlassen wird. Dass der US-Einzelhandel auch sechs Jahre nach dem Höhepunkt der globalen Finanz- und Bankenkrise sowie nach den bis zum Jahr 2006 begangenen Bau- und Expansionssünden immer noch heillos „overstored“ ist, zeigen exakt eben jene Meldungen.

Schon seit Februar dieses Jahres hatte die Sears Holding Corporation fast 100 Filialen dicht gemacht, darunter viele Geschäfte, die einfach keine zufriedenstellende Performance mehr ablieferten. Dass es bis Jahresende nun mehr als 100 weiteren Filialen an den Kragen gehen soll, zeigt, wie ernst die Lage im amerikanischen Einzelhandel tatsächlich ist. 

Laut Sears gehöre die Schließung von unterdurchschnittlich performenden Filialen zum Zweck einer Fokussierung auf die am besten performenden Geschäfte zur Wiederbelebungs- und Überlebensstrategie des Konzerns. Bis August dieses Jahres hatte Sears zudem auch mehr als 45 Kmart-Filialen, 30 Sears-Kaufhäuser und mehr als 30 Sears Fahrzeugverkaufszentren geschlossen, was aus den jeweils eingereichten Insolvenz- und/oder Schließungsanträgen hervorgeht.

Sears schließt weiterhin Filialen in allen operativen Bereichen, um Kosten einzusparen. Auf diese Weise hofft der Konzern darauf, sich gesund zu schrumpfen. Trotz allem fuhr Sears im 1. Halbjahr des aktuellen Finanzjahrs Verluste von knapp $1 Milliarde ein. Sowohl Vermieter als auch Lieferanten des Konzerns wurden daraufhin nervös, was dazu führte, dass man bei Sears anhaltend um einen Aufbau von Bargeldreserven bemüht ist.

Zu diesem Zweck gab Sears zu Beginn dieser Woche bekannt, zum dritten Mal innerhalb von nur etwas mehr als einem Monat frisches Kapital an den Finanzmärkten aufzunehmen. Nun emittierte das Unternehmen unbesicherte Schulden in Höhe von mehr als $600 Million, die größtenteils im Hedgefonds-Sektor platziert wurden.

Vor den neuerlich bekannt gegebenen Filialschließungen betrieb Sears in den USA landesweit immer noch 1,077 Kmart-Filialen sowie 793 Sears-Geschäfte. Doch Sears ist beileibe nicht der einzige Einzelhändler in den Vereinigten Staaten, der mit einer schleppenden Konjunktur und Ausgaben scheuenden Verbrauchern in der Heimat zu kämpfen hat.

Auch die Aktien des Damenausstatters Christopher & Banks gerieten zuletzt sehr stark unter Verkaufsdruck, nachdem das Unternehmen davor warnte, dass die Absätze im 3. Quartal unterhalb der Analystenerwartungen liegen würden. Gründe für diese Entwicklung leiteten sich insbesondere aus einer ausgeprägten Schwäche der Mall-Besuche durch Shopper sowie einer generell schwachen Nachfrage ab.

Dies sind alles Dinge, die keineswegs neu sind. Nachdem das letztjährige Weihnachtsgeschäft zu einem der schlechtesten in der Historie der Vereinigten Staaten avancierte, hagelt es Absatz-, Gewinn- und Prognosesenkungen unter amerikanischen Einzelhändlern. Selbst Einzelhandelsriesen wie Wal-Mart sind davon nicht ausgenommen.

Ganz im Gegenteil gab Wal-Mart in den letzten Quartalen jeweils den Vorreiter, wenn es darum ging, vor potenziell zu verfehlenden Prognosen und einer äußerst schwierigen Lage an den heimischen Absatzmärkten zu warnen. So erneut auch vor rund zwei Wochen geschehen, als Wal-Mart seinen Gewinnausblick für das Gesamtjahr 2014 abermals senkte.

In diesem Zuge wies der Einzelhandelsriese einmal mehr auf sinkende Käuferzahlen in den eigenen Filialen und stagnierende bis leicht rückläufige Absätze in mindestens seit 5 Jahren existierenden Filialen hin. Der im Februar dieses Jahres erfolgte Chefwechsel hat sich bis dato noch nicht in klingender Münze ausgezahlt. Vielmehr deutet vieles darauf hin, dass Wal-Mart in den nächsten Monaten vielleicht sogar in noch gefährlichere Fahrwasser geraten könnte.

Auf sehr viele Einzelhändler trifft zudem zu, dass die Konzerne und Firmen trotz einer sich weiter forcierenden Welle von Filialschließungen immer noch unter einem enormen Margendruck stehen. Dies drückt natürlich auf die Gewinnentwicklung, doch im Angesicht der aktuellen Lage bleibt vielen Einzelhändlern nichts anderes übrig als die eigenen Preise weiter zu senken, um über Rabattschlachten potenzielle Käufer in die Läden und Geschäfte zu locken.

Ebenso verhält sich die Situation auch im Hinblick auf Macy´s. Einmal mehr senkte das Management seine zukünftige Absatzprognose und verfehlte zudem auch noch die durchschnittlichen Gewinnschätzungen der Analysten für das 2. Geschäftsquartal. Wie sich zeigt, wirken sich tendenziell rückläufige Löhne und Gehälter sowie ein sich fortsetzender Schuldenabbau anhaltend negativ auf die Aktivitäten im US-Einzelhandel aus, der vor allem auch seine Expansionssünden aus der letzten Dekade zu spüren bekommt, was bedeutet, dass der Abbau von ehedem zu beobachtenden Exzessen nach wie vor anhält.