Am vergangenen Freitag verabschiedete die Federal Reserve eine neue Regularie, welche das Systemrisiko, das von Amerikas Großbanken ausgeht, in der Zukunft deutlich reduzieren soll. Allerdings blicken die acht größten Banken des Landes, darunter JPMorganChase, Bank of America Merrill Lynch und Wells Fargo, nun erst einmal einer neuerlichen Kapitallücke von rund $120 Milliarden entgegen.

Die Federal Reserve war in den Jahren seit dem Ausbruch der Finanzkrise nicht nur schwer damit beschäftigt, sich immer weitreichendere Machtkompetenzen anzueignen, wenn es um die Regulierung und zentralplanerische Steuerung von Banken und Märkten geht.

Geldpolitik und selbstinduzierte Boom-Bust-Zyklen

All dies war absehbar, denn ausgerechnet diejenige Institution, die durch ihre aberwitzige Geldpolitik in den vergangenen 15 Jahren Blase um Blase aufgepumpt hatte, denen der Bust irgendwann auf den Fuß folgte, maßt sich an, exakt zu wissen, wie die Dinge in der Zukunft besser gehandhabt werden könnten als in der unrühmlichen Vergangenheit.

Und so haben die Mitglieder der Federal Reserve am vergangenen Freitag über eine neue Regularie abgestimmt, die zukünftig garantieren soll, dass der Zusammenbruch einer in den Vereinigten Staaten ansässigen Großbank (oder Too-big-to-fail-Bank) nicht mehr zu einer Dominoreaktion an den heimischen Finanzmärkten führen wird.

Übersetzt heißt das, dass der Kollaps einer US-Großbank nicht mehr zu einer weitläufigen Krise – wie in den Jahren 2008 und 2009 – am breiten Finanzmarkt in der Heimat führen soll. Die Regularie wurde mit eindeutiger Mehrheit unter den Fed-Mitgliedern verabschiedet, was jedoch erst einmal dazu führt, dass die acht größten Institute Amerikas einer neuerlichen Kapitallücke von kumuliert $120 Milliarden entgegenblicken.

Kapitalpuffer von mindestens 16% der gehaltenen Vermögenswerte

Denn Banken wie Wells Fargo, JPMorganChase oder Goldman Sachs werden nun dazu verpflichtet sein, ihren Verschuldungsgrad bis auf die letzte Kommastelle zu monitoren. Denn diese ausstehenden Schulden sollen im Ernstfall beziehungsweise im Fall einer Solvenzkrise in der Zukunft in Aktien umgewandelt werden.

Nach der am Freitag durch die Fed verabschiedeten Regularie müssen die acht größten Banken der Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2019 zukünftig einen Kapitalpuffer von 16% im Hinblick auf ihre gehaltenen Risikovermögenswerte vorhalten.

Bis zum Jahr 2022 wird dieser Kapitalpuffer dann auf 18% klettern. Analysten hatten zuvor gar mit bis zu 20% gerechnet. Auf diese Weise sollen – unter Berücksichtigung von bereits zuvor verabschiedeten Maßnahmen – potenziell chaotische Bankenzusammenbrüche an den Heimatmärkten verhindert werden.

Kann so eine neue Bankenkrise verhindert werden?

Laut Fed-Chefin Janet Yellen sei der eingeschlagene Weg richtig, weil die amerikanischen Steuerzahler im Angesicht einer potenziellen Bankenkrise stärker aus der Schusslinie genommen würden als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.

Die Daumenschrauben bezüglich der eigenen Verlustabsorptionskapazität unter den Too-big-to-fail-Banken anzuziehen, bilde das Zentrum der Bemühungen unter den Aufsichtsbehörden, damit der Ausbruch einer neue Finanzkrise in den USA verhindert werden kann.

Klar ist, dass die Aktionäre einer möglicherweise durch einen Zusammenbruch bedrohten Bank in der Zukunft alles verlieren werden. Hier würde nun eine so genannte „Capital Wipe Out“ Klausel greifen.

Können in einem derartigen Umfeld die Zinsen angehoben werden?

Die ausstehenden Schulden (hauptsächlich Bonds) eines solchen Instituts würden im gleichen Atemzug größtenteils in Aktienkapital umgewandelt, das unter diesem Plan in eine neu zu schaffende Bankholding-Gesellschaft einzubringen wäre. Analysten erklärten, dass das Regulierungsumfeld, dem die Banken in den USA entgegenblickten, herausfordernder Natur sei.

Denn die neuen Regularien würden das allgemeine Geschäftsumfeld der US-Banken noch einmal erschweren, was vor allem dann gilt, falls die Federal Reserve irgendwann ihren Leitzins anheben sollte.

Grund ist, dass Amerikas Großbanken in dem seit nunmehr sieben Jahren anhaltenden Nullzinsumfeld hohe Schuldenemissionen an den Markt gebracht haben, die an die aktuellen Zinssätze gebunden sind. Steigen die Zinsen in den Vereinigten Staaten eines Tages, würden bei Fälligkeitsdatum oder einem Rollieren dieser Schulden automatisch auch höhere Zinszahlungen fällig.

Um die neuen Regularien in Bezug auf die Verlustabsorptionskapazität unter den Geschäftsbanken einzuhalten und den Anforderungen der Märkte gerecht werden zu können, wird mit abermals deutlichen Kostensteigerungen im Sektor gerechnet.