Ich bin gestern auf die aktuellen Entwicklungen im Hinblick auf die Finanzlage der Stadt Detroit eingegangen. In diesem Bericht tätigte ich unter anderem die Aussage, dass eine ähnliche Situation auch einer ganzen Reihe von anderen hoch überschuldeten Metropolen in den Vereinigten Staaten blühen wird. Dazu zählen beispielsweise Chicago und Los Angeles. Allein in Chicago summiert sich die Unterdeckung der vier städtischen Pensionsfonds auf knapp $20 Milliarden.

Detroit ist nur eines der Paradebeispiele, auf welche Weise ausgabefreudige Technokraten eine einstmals prosperierende Metropole in den finanziellen Abgrund gewirtschaftet haben. Folge ist, dass städtische Bedienstete sich um einen Teil ihrer Pensions- und Rentenzusagen betrogen sehen. Bondhalter müssen einen Haircut hinnehmen, während die Verantwortlichen im städtischen Magistrat um Ex-Bürgermeister Bing nicht für ihre Misswirtschaft zu belangen sind.

Just zu diesem Zeitpunkt erfolgt die Veröffentlichung einer neuen Studie des Pew Charitable Trusts, laut der die meisten US-Metropolen auch fünf Jahre nach dem offiziellen Ende der Rezession in den USA große Probleme dabei haben, ihre Steuereinnahmen wieder auf das Niveau vor Ausbruch dieser Rezession im Dezember 2007 zu bringen.

Hauptgrund seien insbesondere tendenziell rückläufige Steuereinnahmen im Immobilien- und Grundstückssektor. Dazu gesellten sich signifikante Kürzungen im Hinblick auf finanzielle Subventionen durch Bundesstaaten und die Washingtoner Regierung.

Bei Pew beschäftigte man sich in letzter Zeit verstärkt mit der Analyse der Finanzabschlüsse von Städten der 30 am stärksten bevölkerten Regionen in den Vereinigten Staaten. Resultat ist, dass sich eine große Mehrheit dieser Städte und Regionen bis zum Ende des Jahres 2012 finanziell nicht von der offiziell im Juni 2009 endenden Rezession erholt haben.

In 18 dieser urbanen Regionen sanken die Steuereinnahmen auf inflationsbereinigter Basis in 2012. Acht von ihnen berichteten über die niedrigsten Steuereinnahmen seit dem Beginn der Rezession im Dezember 2007. Den meisten Metropolen und urbanen Regionen machen ihre drastisch kletternden Ausgaben schwer zu schaffen.

Insbesondere die ausufernden Kosten für Feuerwehr- und Polizeikräfte tun sich dabei besonders hervor. Es ist fast schon selbstredend, dass hier vor allem die üppig dotierten Pensions- und Rentenzusagen für staatliche Bedienstete am kräftigsten ins Kontor schlagen. Abschreckendes Beispiel ist die texanische Stadt Houston, in der die Pensionsleistungen für städtische Bedienstete bis zum Jahr 2015 um mehr als 20% klettern werden.

Diese Pensions- und Rentenverpflichtungen stellen alle anderen Ausgaben für städtische Dienstleistungen komplett in den Schatten. Laut Pew sei von einer wirtschaftlichen Erholung auf nationaler Ebene kaum etwas zu spüren. Denn insbesondere die größten und bevölkerungsreichsten Städte und Kommunen des Landes befänden sich nach wie vor in argen finanziellen Problemen.

Wer sich ein wenig mit den Zahlen beschäftigt, erkennt, dass die Jahressteuereinnahmen in Metropolen wie Dallas, Atlanta, Las Vegas, Phoenix, Detroit, Pittsburgh, Chicago oder San Antonio von 2011 auf 2012 am stärksten seit Ausbruch der Rezession einbrachen. An der teils desaströsen Finanzlage vieler Städte und Kommunen hat sich seitdem kaum etwas geändert.

Vielen urbanen Regionen und Städten macht ein deutlicher Rückgang der Grundstücks- und Immobiliensteuern schwer zu schaffen, die nicht selten als Haupteinnahmequelle fungieren. Die kumulierten Erträge aus diesen Steuern sanken in 2012 um 4% gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt berichteten 24 der untersuchten Städte und Kommunen in 2012 über einen Rückgang ihrer Grundstücks- und Immobiliensteuereinnahmen.

Dagegen schaffte es nur eine Handvoll Metropolen wie Boston, New York oder Minneapolis, ihr vor Ausbruch der Rezession erreichtes Steuereinnahmeniveau wieder zu erreichen. In 17 der 30 untersuchten Metropolen wuchsen die Ausgaben in 2012 teils deutlich. Trotz allem wurde in acht untersuchten Metropolen aufgrund von beschlossenen Kostenkürzungen ein 6-Jahres-Tief erreicht.

Die betroffenen Metropolen kürzten ihre Ausgaben vor allem im Bereich Polizeikräfte und Sicherheit. Dazu zählt unter anderem Detroit, wo die örtlichen Polizeikräfte bereits im letzten Jahr öffentlich publik machten, die allgemeine Sicherheit aufgrund von dauerhaften Reduzierungen der städtischen Ausgaben nicht mehr gewährleisten zu können.

Selbstverständlich resultiert das größte Finanzloch in vielen Metropolen aus deren geleisteten Pensionszusagen. Auf kumulierter Basis klafft hier ein Rentenloch von knapp $230 Milliarden in den untersuchten Kommunen, zu denen sich stetig steigende Kosten für diverse Gesundheitsvorsorgeprogramme addieren.

Am schlimmsten sieht es in Chicago aus. Hier berichteten die vier städtischen Pensionsfonds Ende des letzten Jahres über ein Finanzloch von knapp $20 Milliarden. Auf welche Weise sich diese horrenden Unterdeckungen in der Zukunft ausgleichen lassen werden, steht in den Sternen. Dabei muss man sich vorstellen, dass die Börsen seit Mitte 2009 exzellent gelaufen sind, was dennoch kaum Linderung verschaffte. Wie sieht es erst aus, wenn an den globalen Aktienmärkten erst einmal eine richtige Korrektur anstehen wird??!