Vor rund zwei Wochen kam es zu einer neuen Studienpublikation zur Entwicklung der Sozialversicherung in den Vereinigten Staaten. Die Ergebnisse führten in den USA zu teils heftigen Debatten, denn die Studie enthüllte auf sehr schonungslose Weise, wie es mit der Sozialversicherung weiter bergab geht. 

Ergebnis ist, dass die Finanzierung der Sozialversicherung schon zum jetzigen Zeitpunkt hohe Defizite ausweist, die sich auf mehrere Dutzend Milliarden US-Dollar pro Jahr belaufen. Nun, für Langzeitleser werden diese Informationen keineswegs neu sein, vielmehr zementiert sich das desaströse Bild, das die Finanzierung des Wohlfahrtsstaats in den USA abgibt, weiter.

Ich hatte vor eineinhalb Jahren darüber berichtet, dass im Rentensystem der USA zudem bereits eine Finanzierungslücke von mehr als 6 Billionen US-Dollar klaffte (!). Dies sind alles keine sonderlich guten Aussichten für ein Land, in dem zurzeit pro Tag etwa 10.000 Bürger ihren Entritt ins Rentenleben begehen.

Finanzlöcher wachsen immer schneller

Mit Blick auf die Sozialversicherung wird davor gewarnt, dass schon im Laufe der letzten Jahre Multimilliardendefizite eingefahren worden sind. Die Situation sei nun jedoch dabei, sich noch stärker zu beschleunigen. Bedenken Sie, dass ein großer Teil dieser Finanzlöcher noch nicht einmal in den offiziellen Schuldenbilanzen der USA enthalten ist.

Amerikas Sozialversicherung setzt sich aus zwei großen Hauptfinanzierungsfonds zusammen. Auf der einen Seite handelt es sich um eine Versicherung für betagte Bürger, zum anderen um eine Versicherung für körperlich behinderte Personen. Amerika wird, trotz Einwanderung, immer älter. Die Generation der Baby Boomer steht unmittelbar vor dem Renteneintritt.

Der zweitgenannte Fonds soll jetzt schon nicht mehr in der Lage sein, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Doch anstatt das Grundübel an der Wurzel zu packen, um die gesamte Sozialversicherung zu restrukturieren und wieder auf finanziell solide Füße zu stellen, hatte der Washingtoner Kongress eine andere Idee.

Geldverschiebungen sollen Finanzierungsprobleme übertünchen

Um den erstgenannten Fonds am Leben zu erhalten, hat der Kongress eine Garantie auf dessen Sicherheit abgegeben. Auf diese Weise lassen sich in der Zukunft Gelder aus dem erstgenannten Fonds in Richtung des zweitgenannten Fonds verschieben, bis dann beide Fonds irgendwann pleite sein werden.

Die Studie kritisiert, dass die Verschiebung dieser Gelder zwischen den beiden Fonds dazu dienen soll, die Sozialversicherung über die anstehenden Präsidentschaftswahlen hinweg am Leben zu erhalten. Selbstverständlich ist dies äußerst kurzsichtig, doch so sind Politiker nun einmal. Sich der Realität zu stellen ist nicht deren Metier.

Hinzu kommt, dass auch andere Finanzierungsfonds wie der Krankenhausversicherungsfonds untersucht wurden. Dabei handelt es sich um einen der größten Finanzierungsquellen des Programms Medicare. Laut der Analyse wird der Krankenhausversicherungsfonds spätestens im Jahr 2028 bankrott sein.

US-Sozialversicherung spätestens 2034 am Ende

Damit hat sich der prognostizierte Zeitraum des Überlebens dieses Fonds bereits vermindert, da andere Schätzungen bislang noch von einer Überlebenszeit von zwei Jahren mehr oder gar noch etwas länger ausgegangen waren. Laut der Studie werde das gesamte in den Vereinigten Staaten aktuelle bestehende Sozialversicherungsprogramm spätestens in 2034 am Ende sein. 

Die Ergebnisse der neuesten Finanzanalysen zur Sozialversicherung stehen in scharfem Kontrast zu den Versprechungen des politischen Establishments in den USA. Seit Jahren wird den US-Bürger erklärt, dass sie sich um ihre Sozialversicherung keine Sorgen zu machen brauchten. Kommen wir endlich zu der Frage, wer diese neue Studie veröffentlicht hat.

Es ist niemand anderes als die Verwaltungsbehörde des Sozialversicherung selbst! Selbst das US-Finanzministerium hat unter die Studie ihren Willy gesetzt. Und dies ist doch eine große Überraschung und kaum zu glauben, weil die US-Regierung sich erstmals zu diesen Daten öffentlich bekennt und ein klares Bild der desaströsen Lage zeichnet.

Entweder massive Steueranhebungen oder Leistungskürzungen

Die Regierung hat also erstmals gegenüber jedermann erklärt, dass sich die heimische Sozialversicherung in einer immensen Schieflage befindet. Viel wichtiger ist ferner das Eingeständnis, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung, ihren Finanzversprechungen in der Zukunft nachkommen wird, bei 0% liegt.

Es gibt laut der Studie nur zwei Alternativen, um die finanziellen Herausforderungen in der Zukunft anzugehen. Entweder müssen die Steuern drastisch steigen oder die Bezüge aus der Sozialversicherung müssen massiv reduziert werden – wenn nicht gar das ganze Programm aufgegeben werden muss!!!

Damit zeichnet sich ab, dass über Jahrzehnte gemachte Versprechungen nicht eingehalten werden können. Überaus hart trifft es die jungen Amerikaner, die den höchsten Preis zu bezahlen haben werden. Bürger, die gerade ins Rentenleben einsteigen, werden ihre Bezüge unter aller Voraussicht gekürzt bekommen.

Die Realität simpelster Finanzarithmetik

Schon Bürger, die sich in den 40er Jahren befinden, brauchen nicht mehr auf eine Auszahlung zu zählen. Ich brauche hier nicht anzusprechen, was dies für die Generationen der unter 40-jährigen bedeutet. Es ist genau jener Aspekt, der sich beobachten lässt, wenn Nationen in den finanziellen Bankrott schlittern.   

Die Geschichte ist voll von solchen Beispielen, doch heute sollte doch alles anders sein, nicht wahr?! Irgendwann werden Regierungen durch die Realität simpelster Finanzarithmetik nun einmal eingeholt. Und an diesem Punkt befinden wir uns nun. Zu gegebenem Zeitpunkt wird es dann einmal mehr heißen, warum diese Situation niemand hat kommen sehen.

Meine Antwort darauf lautet: Weil es zu viele „Experten“ gibt, die sich bei Licht besehen als bloße Lobbyisten erweisen. Deren vornehmliche Aufgabe ist es, unter ohnehin unruhig werdenden Bevölkerungen Schlaftabletten zu verteilen, indem deren altbekannter Singsang zur Systemstabilität in den Massenmedien transportiert wird.

Bestes Beispiel ist in diesem Kontext wohl die deutsche Riester-Rente. Jene, die diesen einst staatlich propagierten Schrott abgeschlossen hatten, sehen sich nun im Negativzinsumfeld vor den Trümmern ihrer geldvernichtungsphilosophischen Spar- und Anlagestrategie. Überall in der Welt wird es zu ähnlichen Problemen mit Blick auf die Altersvorsorge kommen. Wenn eines gewiss ist, dann das.