Bei der französischen Großbank Societe Generale erneuern Analysten ihre Prognose zu einem potenziellen Abrutschen der US-Wirtschaft in eine Rezession. Doch einmal ehrlich. Was sagen die offiziell publizierten Statistiken der US-Behörden eigentlich noch aus? TrimTabs-Chef Charles Biderman gab schon vor einigen Monaten bekannt, dass sich die US-Wirtschaft eigentlich schon längst wieder in einer neuen Rezession befinden würde, wenn man reale Berechnungsgrundlagen zur Einkommensentwicklung der Amerikaner zu Grundlage nähme.

Und diese Einkommensschere war in der Geschichte niemals größer. Während Unternehmen ihre Profite auf Basis von unzähligen Regierungs- und Notenbankprogrammen in der ganzen Welt seit Ausbruch der Finanzkrise auf Rekordhöhen schraubten, gingen die Beschäftigten und Arbeitnehmer weiter baden. Seit Jahrzehnten sinkt die reale Einkommensentwicklung unter angestellten Beschäftigten in den USA, was natürlich einen enormen Verlust an Kaufkraft zur Folge hat. Ein weiterhin viel zu hoher Verschuldungsgrad belastet den privaten Haushaltssektor in den USA zudem überaus stark, womit sich der Prozess des Deleveraging nahtlos fortsetzt.

Private Haushalte können eben nicht an die Bondmärkte gehen, um neue Anleihen zu emittieren, die teilweise zum Begleichen von alten Schulden Verwendung finden. Private Haushalte müssen sparen, worunter der amerikanische Konsum leidet. Das Einläuten der diesjährigen Weihnachtssaison hat einen Vorgeschmack auf die vorherrschende Situation gegeben. Einzelhändler setzen nur dann ihre Produkte ab, wenn sie rekordhohe Rabatte gewähren, die selbstverständlich auf die Margen – und somit voll auf die Profitabilität – durchschlagen.  

Die Arbeitslosenstatistik hat mit der zugrunde liegenden Realität darüber hinaus noch genauso viel zu tun wie die Sonne mit dem Mond. Eine drastisch sinkende Partizipationsrate und ehedem auf der Payroll der US-Regierung stehende Arbeitslose, die aufgrund des zeitlichen Auslaufens ihrer Bezugsrechte zu Hunderttausenden aus der Statistik herausfallen, sind für die Präsentation der offiziellen Arbeitslosenquote verantwortlich. Schattenstatistiken sehen die reale Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten hingegen bei 13,9% bis 17%.

Nachdem seit dem 3. Quartal auch die Berechnungsmethode zum US-BIP geändert wurde, lässt sich auch diesen Daten kein Glaube mehr schenken. Gerade jetzt gilt es verstärkt, seinen gesunden Menschenverstand zu nutzen, um die drögen und leicht durchschaubaren Versuche der US-Regierung, die allgemeine Lage im Land zu schönen, zu erkennen. Auch bei der französischen Großbank Societe Generale scheint man dies ähnlich zu sehen. Deren  Prognosen basieren vor allem auf der Entwicklung der Unternehmensgewinne in den USA, die sich seit mehreren Quartalen im Rückwärtsgang befinden.

Genau auf diesen Punkt hatte ich Sie seit Herbst des letzten Jahres eingestimmt. Während überoptimistische Beobachter wiederholt über ihre Erwartungen an stark wachsende Kapitalinvestitionen im US-Unternehmenssektor schwadronierten, stellte ich Ihnen des Öfteren die Frage, was diese Entwicklung eigentlich befördern soll? Kapitalinvestitionen nehmen Unternehmen nämlich nur dann vor, wenn sie entsprechende Absatzchancen auf ihren Märkten erkennen können. Davon ist in den USA jedoch weit und breit nichts zu sehen, was auch der Grund sein dürfte, warum genau diese erhofften Investitionen laut aktueller Datenlage ausgeblieben sind.

Auch auf ein Überschreiten des Gewinnentwicklungszyklus´ im amerikanischen Unternehmenssektor hatte ich Sie eingestimmt. Es war überdies stets meine Ansicht, dass diese Entwicklung irgendwann weitaus stärker an den Aktienmärkten wahrgenommen würde als es bis dato der Fall war. Alles QE der Notenbanken wird bei reifender Erkenntnis unter Investoren nichts mehr nutzen, nämlich wenn erkannt wird, dass die Liquiditätsprogramme der Zentralbanken keinen Einfluss mehr auf die künstliche Aufblähung und Inflationierung der Unternehmensgewinne mehr haben werden.

Laut einer jüngsten Umfrage von Reuters haben globale Analysten ihren Ausblick auf die Gewinnentwicklung im US-Unternehmenssektor zuletzt mit Rekordgeschwindigkeit gesenkt. Laut Societe Generale ein Grund mehr davon auszugehen, dass die US-Wirtschaft bald wieder in eine Rezession abdriften könnte, wenn dies nicht schon längst der Fall sei. Wie aus der Statistik von Reuters hervorgeht, hagelte es allein unter den 500 im S&P Index gelisteten Unternehmen zuletzt 103 Gewinnwarnungen. Nur 9 Unternehmen hoben ihren Ausblick an. Daraus resultiert ein negatives Verhältnis von 11,4 zu 1 – ein neues Rekordniveau.

Zum Vergleich: vor dem Absturz der Aktienmärkte im Jahr 2001 lag diese Kennzahl im 1. Quartal 2001 gerade einmal bei 6,8 zu 1. Analysten haben ihre Prognosen aus diesem Grund bereits drastisch gesenkt. Stark sinkende Unternehmensgewinne könnten die US-Wirtschaft bei gleichzeitig weiter sinkenden Löhnen und Gehältern sehr leicht wieder in eine Rezession befördern, wie man sich bei der Societe Generale überzeugt zeigt. Daneben gibt es einige zusätzliche Belastungsfaktoren, die sich aus dem Ausland auf die USA auswirken.

Dazu gehört insbesondere die Lage an den globalen Devisenmärkten. Laut des renommierten Ökonomen Russell Napier trage vor allem der starke Verfall des japanischen Yen dazu bei, den USA einen deflationären Schock zu versetzen. Unter anderem seien die Importpreise für Konsum-, Verbrauchs- und Kapitalgüter zuletzt wieder in deflationäres Territorium abgedriftet.

Auch Napier erkennt darin eine große Gefahr für eine sich neu ausbildende Rezession in den USA. Meine Ansicht zu diesem Thema kennen Sie. Ich bin nicht einmal davon überzeugt, dass die Rezession in den Vereinigten Staaten seit Mitte 2009 jemals zu einem Ende oder Stillstand gekommen ist.