Bereits etliche Male habe ich auf die Gefahren einer zu hohen Verschuldung hingewiesen und halte deshalb meine Augen stets nach aussagekräftigen Studien offen, deren Ergebnisse meine Annahmen bestätigen und untermauern.

In der jüngsten Ausgabe meines Newsletters Outside the Box gab uns Dr. Lacy Hunt von Hoisington Investment Management in vielerlei Hinsicht Anlass zu Kritik an jenen Personen, die immer noch nicht zu verstehen scheinen, dass eine endlose Anhäufung von Schulden keine nachhaltige Art ist, eine Wirtschaft zu betreiben.

Das auffälligste Merkmal der US Wirtschaftsbilanz von 2015 ist, so Hunt, eine massive Zunahme der Verschuldung der Nonfinancials, die die Wirtschaft in einem unterdurchschnittlichen Wachstum verharren ließ.

Die Verschuldung der Nicht-Banken in den USA wuchs im vergangenen Jahr mehr als dreimal so schnell wie das BIP. Die Schulden der Nonfinancials des Landes setzen sich aus den Haushaltsschulden, den Geschäftsschulden, der Staatsverschuldung, und der Verschuldung der Bundesstaaten und Gemeinden zusammen.

In jedem dieser Bereiche weist Hunt auf besorgniserregende Entwicklungen hin.

Haushaltsschulden:

Im Bereich Haushaltsschulden wuchsen die Probleme, obwohl die Finanzanstalten den Konsumenten äußerst eingängige Konditionen angeboten hatten – diese umfassten unter anderem gelockerte Bedingungen zur Kreditaufnahme. Wie die Notenbank von New York bekannt gab, stieg der Anteil von Subprime-Krediten an der Gesamtheit der Krediten zur Autofinanzierung auf den höchsten Wert der letzten zehn Jahre. Zudem sind nach Angaben der Notenbank die Ausfallquoten stark gestiegen.

Geschäftsschulden:

Im vergangenen Jahr sind die Geschäftsschulden - wenn außerbilanzielle Verpflichtungen nicht miteinbezogen werden - um $793 Mrd. gestiegen. Gleichzeitig ist die Bruttosumme der Privatinvestitionen (inklusive Anlage- und Lagerinvestitionen) nur um $93 Mrd. gewachsen. Folglich sind diese Schulden in Aktienrückkaufprogramme, Dividendenerhöhung und andere finanzielle Anstrengungen geflossen. Wenn Geschäftsschulden solchen finanziellen Operationen zugeordnet werden, wird allerdings kein Einkommensstrom generiert, der zur Begleichung von Zins- und Rückzahlungsanforderungen dienen könnte. Somit unterstützt eine so geartete Nutzung von Schulden weder wirtschaftliches Wachstum, noch Beschäftigung, steigende Löhne, oder Produktivitätswachstum. Voraussichtlich wird die Wirtschaft unter den steigenden Geschäftsschulden der letzten fünf Jahre leiden.

Staatsverschuldung:

Ohne die Berücksichtigung von außerbilanziellen Posten stieg die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten im Jahr 2015 um $780,7 Mrd. und damit um $230 Mrd. mehr als das BIP. Die Divergenz zwischen Haushaltsdefizit und Verschuldung ist ein Vorbote für zukünftige Entwicklungen. Mit eben diesem Thema beschäftigt sich das im Jahr 2012 von der MIT Press publizierte Buch „The Clash of Generations“ von Laurence Kotlikoff und Scott Burns. Die Autoren errechnen, dass die finanziellen Verpflichtungen der US Regierung im Bereich der sozialen Absicherung und bezüglich anderen Leistungsansprüchen die Mittel der verschiedenen Treuhandfonds um $60 Mrd. übersteigen. Diese Summe ist mehr als dreimal so hoch, wie der aktuelle Stand des BIP.

Verschuldung der Bundesstaaten und Gemeinden:

Viele Bundesstaaten und Gemeinden der Vereinigten Staaten sehen sich einer widrigen demographischen Entwicklung gegenüber, die die unterfinanzierten Rentenkassen weiter belasten wird. Zudem haben sie mitnichten die gleiche Kreditfähigkeit wie die nationale Regierung. Deshalb werden Rentenansprüche zumindest teilweise von steigenden Steuern, sinkenden Rentenleistungen, oder Kürzungen anderer Ausgaben gedeckt werden müssen.

Bezüglich der Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten, die sich aus den Schulden der Nicht-Banken, Finanzverbindlichkeiten und Auslandsverschuldung zusammensetzt, fügt Hunt folgende Punkte hinzu.

Die Gesamtverschuldung stieg im vergangenen Jahr um $1,968 Billionen. Diese Summe übersteigt das Wachstum des nominalen BIPs um $1,4 Billionen.  Die Staatsschuldenquote lag somit zum Ende des Jahres 2015 bei 370% - deutlich über dem Niveau von 250-300%, das von akademischen Studien bereits als wirtschaftsschädigend eingestuft wird.

Hunt’s zentrales Argument ist, dass Überverschuldung der Geld- und Währungspolitik schadet, und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit:

Die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan, und die Chinesische Volksbank waren bisher nicht in der Lage mit ihrer Geld- und Währungspolitik Fuß zu fassen. Ohne die Berücksichtigung von außerbilanziellen Verpflichtungen betrug das Verhältnis von öffentlicher und privater Gesamtverschuldung zum BIP in China 350%, in der USA 370%, in der Eurozone 457%, und in Japan 615% - all diese Werte liegen weit über dem bereits als wirtschaftsschädigend geltenden Schuldenniveau. Als Indiz für diese Überverschuldung kann gesehen werden, dass das Wachstum des zusammengesetzten nominalen BIP in allen vier Ländern gedämpft bleibt. Die Abschwächung trat trotz einer Vielzahl von noch nie da gewesenen geldpolitischen Maßnahmen ein – quantitative Lockerung, negative oder nahe-Null Tagesgeldsätze, vorausschauende Orientierungshilfe („forward guidance“), um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Denken Sie darüber nach, werte Leser. Wir heben momentan ein großes und tiefes Loch um uns herum aus, das sich voraussichtlich schließt, bevor wir uns daraus befreien können. Wir müssen anfangen uns ernsthaft Gedanken darüber machen, wie wir mit unseren Möglichkeiten auf diese Entwicklungen reagieren können.


Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von http://www.valuewalk.com für Cashkurs übersetzt. Den Originalbeitrag finden Sie in englischer Sprache unter www.valuewalk.com/2016/04/us-nonfinancial-debt-rises-3-5-times-higher-gdp