„Wenn du den Wert des Geldes kennenlernen willst, 

versuche, dir welches zu leihen.“

(Benjamin Franklin)

Fortsetzung von:

Zentralbanken und Zentralbankgeld

Münzgeld – Schlagschatz - Seignorage

Geldschöpfung in früheren Zeiten: Die Geldmenge M1 und der Wechsel

Geldschöpfung heute: Die Ausweitung der Geldmenge M1 durch die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken

Das zweistufige Geldsystem: Bar- und Giralgeld

QE – Quantitative Easing

Die Geldmenge M (Mmax) und ihre Untermengen M1, M2, M3

Der verwirrende Begriff „Einlage“

In den Definitionen zu den Geldmengen wird der Begriff „Einlage“ verwendet. Diese Bezeichnung muss als irreführend eingeordnet werden, da der Begriff leicht suggeriert, dass eine Einlage in Form von Bargeld getätigt wurde, was im heutigen Geldsystem schlichtweg nicht mehr zutrifft.

Dazu ein Beispiel:

Die Girokonten der Personen A und B weisen beide 0,00 Euro auf. Nun überweist A an B einen Betrag in Höhe von 1.000 Euro. Der Kontostand der Person A weist nun einen Saldo von minus 1.000 Euro auf, bei Person B ist eine „Einlage“ in Höhe von  1.000 Euro entstanden. Diese „Einlage“ ist ohne eine Einlage (= Einzahlung von Bargeld) entstanden. Das Plus an Giralgeld auf dem Konto der Person B ist vielmehr das Ergebnis einer Giralgeldschöpfung durch  einen (Überziehungs-)Kredit, den Person A in Anspruch genommen hat. Person B hat das Recht, dieses neu geschöpfte Giralgeld jederzeit in Bargeld wandeln zu können. (Wobei je nach Bank größere Barabhebungen angemeldet werden müssen.)

Es ist daher besser, die Begriffe „Einlagen“, „Sichteinlagen“ oder „tägliche fällige Einlagen“ durch das zutreffende Wort „Giralgeld“ zu ersetzen:

Geldmenge M1

Die Geldmenge M1 besteht aus Giral- und Bargeld. Diese Menge umfasst jenes Geld welches tatsächlich zum Bezahlen verwendet werden kann. Das Zahlungsmittel Giralgeld kann jederzeit kurzfristig in das gesetzliche Zahlungsmittel Bargeld umgewandelt werden.

Geldmenge M2

Die Geldmenge M1 zuzüglich Spareinlagen und Termingelder bis zu einer Laufzeit von 2 Jahren bilden die Geldmenge M2. Für die Laufzeit der Anlage besteht keine Verfügungsgewalt des Anlegers über die Geldanlage. Am Ende der Laufzeit wird die Geldanlage (zuzüglich Zinsen) wieder zu Giralgeld, das dann per Abhebung zu Bargeld werden kann.

Geldmenge M3

M3 enthält neben M2 weitere kurzfristige Geldanlagen, die von Banken ausgegeben werden. Dazu zählen auch sogenannte Repogeschäfte, wobei es sich um Geschäfte mit Rückkaufsvereinbarung handelt. Hierbei handelt es sich um sogenannte Pensionsgeschäfte.

Beispiel: Eine Bank kauft ein Wertpapier von einer Nichtbank, oder anders ausgedrückt: Die Nichtbank gibt ein Wertpapier bei einer Bank in Pension. Die Nichtbank verpflichtet sich, das Wertpapier zu einem bestimmten Termin (Laufzeit) wieder zurückzukaufen. Für den Verkauf erhält die Nichtbank Giralgeld. Die Nichtbank zahlt bei Laufzeitende den Rücknahmepreis zuzügl. Zins (Repo-Rate) an die Bank und erhält das in Pension gegebene Wertpapier zurück. Banken werden hierbei als Pensionsgeber, die Nichtbank als Pensionsnehmer bezeichnet. 

Auch an diesen Repogeschäften wird deutlich, dass Giralgeld als Legitimationsbasis für eine Barauszahlung nicht durch eine Einlage von Bargeld entstanden ist, sondern vielmehr durch die Einlage von Wertpapieren, die als Termin“einlagen“ bezeichnet werden. Trotzdem taucht natürlich das so entstandene Giralgeld in der Geldmenge M1 als „Einlage“ auf.

Geldmenge M (Mmax)

In der Geldmenge M3 und ihren Untermengen sind Geldanlagen mit Laufzeiten über 2 Jahren nicht enthalten. Die gesamte Geldmenge Mmax ist folglich größer als M3. Die Gesamtgeldmenge wird nicht offiziell erfasst und ähnlich den anderen Geldmengen veröffentlicht. Insgesamt kann man den statistischen Erhebungen der EZB und verschiedenen statistischen Ämtern jedoch entnehmen, dass die gesamte Geldmenge Mmax ungefähr doppelt so hoch sein muss wie die Geldmenge M3.

Im Euroraum dürfte die gesamte Geldmenge Mmax inzwischen eine Größenordnung von mehr als 17 Billionen Euro erreicht haben. Die gesamte Geldmenge Mmax findet kaum Beachtung bei den Zentralbanken und in der Wirtschaftswissenschaft. Obwohl nur die Geldmenge M1 kaufkraftwirksam sein kann, basieren Notenbankpolitik und die (oft vergeblichen) Steuerungsversuche der Geldmengen durch die Zentralbanken auf dem Aggregat M3. Zentralbanken sind jedoch nicht in der Lage, M1 direkt zu verändern, da sie nur Einfluss auf die Höhe der Geldmenge M0 ausüben können.

Die Entstehung von M2, M3 und Mmax 

Wird Geld in eine Geldanlage überführt, - umgangssprachlich „sparen“ genannt - führt das zu einer Verminderung von M1. Zeitgleich steigt die Geldmenge M2. Da M1 in M2 enthalten ist, verändert sich die Geldmenge M2 nicht. Es ändert sich lediglich die Verteilung innerhalb von M2.

Abb. 21: Geldanlagen mit bis zu 2 Jahren Laufzeit verändern die Zusammensetzung der Geldmenge M2

Betrachtet man nun eine Bankbilanz, stellt man fest, dass durch die Wandlung von Geld der Menge M1 in Geld der Menge M2 der Bank keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung stehen. Es findet lediglich eine Verschiebung auf der Passivseite in Bezug auf Giralgeld (Abnahme) und Geldanlagen (Zunahme) statt.

Abb. 22: Veränderung der Geldmengen und Bankbilanz nach einer Geldanlage

Jede Geldanlage verringert M1 und mindert die Liquidität der Geld anlegenden Nichtbanken. Die Geldmengen M2, M3 und Mmax weisen keine Veränderung auf, da M1 Bestandteil dieser Geldmengen ist. Die einzelnen Höhen dieser Mengen bleiben deshalb unverändert.

Im Geldsystem vor 1957 haben Geldanlagen die Geldmenge erhöht und nicht wie heute unverändert gelassen.

Rückblick in die Vergangenheit

Bevor das zweistufige Geldsystem entstanden ist, kam Geld durch Ausgaben des Staates in den Wirtschaftskreislauf. Spargelder wurden von Geschäftsbanken wieder eingesammelt und durch Kreditvergabe erneut in den Wirtschaftskreislauf eingespeist.

Auch heute noch bildet die damalige Praxis (Kreditvergabe wird erst durch Spargelder möglich) die Grundlage vieler fachlicher Abhandlungen volkswirtschaftlicher Fakultäten. Selbst im Bereich des Bankensektors wurde dieses Bild sehr lange aufrecht erhalten. Sogar in der regelmäßigen Veröffentlichung „Geld und Geldpolitik“ der Bundesbank kam es erst in der letzten Ausgabe 2009 zu einer Korrektur:

Auszug aus der letzten Ausgabe „Geld und Geldpolitik“ von August 2009

[...]Die Geschäftsbanken können auch selbst Geld schaffen, das sogenannte Giralgeld. Der Geldschöpfungsprozess durch die Geschäftsbanken lässt sich durch die damit verbundenen Buchungen erklären: Wenn eine Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit gewährt. Dann bucht sie in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden ein – beispielsweise 100.000 Euro. Gleichzeitig schreibt die Bank dem Kunden auf dessen Girokonto, das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird, 100.000 Euro gut. Diese Gutschrift erhöht die Einlagen des Kunden auf seinem Girokonto – es entsteht Giralgeld, das die Geldmenge erhöht.[...]

Interessant an dieser Stelle ist, dass innerhalb dieser Broschüre eklatante Widersprüche auftreten. So wird weiterhin im Kapitel Das Bankensystem suggeriert, dass Banken nur Geld verleihen können, das zuvor von anderen Wirtschaftsteilnehmern eingezahlt wurde. (Stichwort: Multiple Geldschöpfung)

Zum Vergleich hier zunächst die Darstellung der Veränderung der Geldmengen früher (vor 1957) und heute:

Abb. 23: Geldmengenveränderungen durch das Sparen früher und heute

Vor 1957 war nur Bargeld Geld im Sinne von Zahlungsmittel. Bargeld stellte die Basis für eine Kreditvergabe. Das Zahlungsmittel Giralgeld gab es noch nicht, da die technischen Voraussetzungen dafür weitestgehend fehlten. Sparen war tatsächlich ein aktiver Vorgang, bei dem Bargeld auf einem Sparkonto eingezahlt und dieses von Banken weiterverliehen wurde. Die Geldmenge M2 ist mit dem Sparen entstanden und erhöhte sich durch weitere eingezahlte Spargelder. Wie oben aufgezeigt, bleibt die Geldmenge M2 im heutigen Geldsystem durch Aufgabe von Liquidität unverändert.

Dieser kleinen Änderung mag man zunächst keinerlei Bedeutung beimessen, doch die Auswirkungen auf die Wirtschaft und ihre Teilnehmer sind gewaltig. Das klassische Geldbild der multiplen Geldschöpfung – welches auch heute noch die Grundlage vieler volkswirtschaftlicher Abhandlungen und Theorien ist (!) – hat keine Gültigkeit mehr!

Abb. 23: Geldmengenveränderungen durch das Sparen früher und heute

Vor 1957 war nur Bargeld Geld im Sinne von Zahlungsmittel. Bargeld stellte die Basis für eine Kreditvergabe. Das Zahlungsmittel Giralgeld gab es noch nicht, da die technischen Voraussetzungen dafür weitestgehend fehlten. Sparen war tatsächlich ein aktiver Vorgang, bei dem Bargeld auf einem Sparkonto eingezahlt und dieses von Banken weiterverliehen wurde. Die Geldmenge M2 ist mit dem Sparen entstanden und erhöhte sich durch weitere eingezahlte Spargelder. Wie oben aufgezeigt, bleibt die Geldmenge M2 im heutigen Geldsystem durch Aufgabe von Liquidität unverändert.

Dieser kleinen Änderung mag man zunächst keinerlei Bedeutung beimessen, doch die Auswirkungen auf die Wirtschaft und ihre Teilnehmer sind gewaltig. Das klassische Geldbild der multiplen Geldschöpfung – welches auch heute noch die Grundlage vieler volkswirtschaftlicher Abhandlungen und Theorien ist (!) – hat keine Gültigkeit mehr!

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