Nicht nur Pacific Investment Management (Pimco), größter Anleihefonds der Welt, hat in den letzten Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Herbe Verluste, ein zunehmender Kapitalabzug unter Investoren und der unrühmliche Abgang von Bondkönig Bill Gross und dessen Partner Mohamed El-Erian sorgten an der Wall Street für Kopfschütteln. Derweil sollen sich auch eine ganze Reihe von anderen Finanzinstitutionen in Schieflage befinden. Dazu gehört unter Bezugnahme auf aktuelle Finanzmarkt- und Hedgefondsberichte auch der durch Wall Street Darling Meredith Whitney gegründete Hedgefonds Kenbelle Capital LP.

Meredith Whitney braucht man den meisten Lesern wohl nicht näher vorzustellen. Spätestens seit dem Finanzkrisenjahr 2008 zählt Whitney zu den in der breiten US-Öffentlichkeit am meisten bekannten Wall Street Analystinnen.

Ihre zunehmende Popularität versuchte Whitney – die sich auf Basis einer Reihe von treffenden Prognosen zum Banken- und Immobiliencrash zwischen den Jahren 2006 und 2008 ihren Ruf als den Bankensektor beobachtende „Staranalystin“ verdiente – im November 2013 durch die Gründung ihres Hedgefonds Kenbelle Capital LP in klinge Münze umzuwandeln.   

Zurzeit sprießen an der Wall Street Spekulationen ins Kraut, laut denen sich Kenbelle Capital schon nach nur etwas mehr als einem Jahr in Schieflage zu befinden scheint. Fakt ist, dass Whitney ihren Hedgefonds nicht auf eine breite Palette von Investoren ausrichtete, sondern sich auf das Einsammeln von Kapital unter einer kleinen Anzahl von Anlegern beschränkte.

Zu Whitneys größten Investoren zählt eine Tochter der Anlagegesellschaft BlueCrest Capital Management von Milliardär Michael Platt. Nicht nur interne Quellen, sondern auch diverse Medienberichte legen Zeugnis darüber ab, dass BlueCrest sich aus dem einst eingegangenen Engagement zurückzuziehen gedenkt und bereits mehrmals um einen kompletten Ausstieg aus Whitneys Hedgefonds samt Kapitalrückzahlung ersuchte.


Im Hinblick auf die durch BlueCrest investierte Summe handelt es sich allerdings um einen überschaubaren Betrag von weniger als $50 Millionen. Ob überschaubar oder nicht, spielt im Angesicht von Liquiditätsproblemen keine große Rolle. Hinzu kommt, dass Stephen Schwartz, Co-Gründer und Portfoliomanager von Kenbelle Capital das Unternehmen schon im vergangenen Monat ohne nähere Angabe von Gründen verließ.

Ihm folgten nur kurze Zeit später Finanzchef Andrew Turchin sowie Verwaltungschefin Brittani Caetano, die derweil schon bei einem Konkurrenzunternehmen eine Anstellung gefunden hat. Liegt es vielleicht daran, dass sich Meredith Whitneys Versprechungen bis dato in keiner Weise erfüllt haben? Die eigens veranschlagte Messlatte lag nämlich doch ziemlich hoch.

So versprach Whitney ihren Investoren Renditen von zwischen 12% und 17% pro Jahr. 

Anstelle dessen fuhr die Tochterfirma Revival Fund LP in der ersten Jahreshälfte einen Verlust von knapp 5% ein, wie ein Brief an Investoren aus dem Spätsommer dieses Jahres zeigte. Wie es heißt, soll der ersuchte Kapitalabzug seitens BlueCrest die einst zwischen beiden Firmen getroffene Vereinbarung verletzen.

Interne Quellen sind der Ansicht, dass man bei BlueCrest vor allem aufgrund der stark zunehmenden Volatilität an den Finanzmärkten kalte Füße bekommen hat. Dies ist ein Thema, dem wir uns in den vergangenen Jahren immer wieder einmal gewidmet hatten. Die Dauerinterventionen der Zentralbanken in die Währungs-, Bond- und Aktienmärkte führen dazu, dass jedwede Prognosen obsolet werden und sich in Luft auflösen.

Starhedgefondsmanager wie der einst mit George Soros zusammenarbeitende Stanley Druckenmiller hatten dies bereits sehr frühzeitig im Jahr 2010 erkannt, was mit einer der Gründe gewesen ist, warum Druckenmiller sein bis dahin sehr erfolgreiches Unternehmen Duchesne auflöste und Investoren ihr veranlagtes Kapital zurück auf ihre Konten überwies.

Dass jemand eine herausragende Bankenanalystin sein kann, im Betreiben eigener Handelsgeschäfte jedoch weniger gut aussieht, zeigt auch die Tatsache, dass Whitney ihre Consultingfirma Meredith Whitney Securities LLC nach drei unprofitablen Jahren in Serie im Sommer 2013 aufgab und von der Börse nehmen ließ.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Lage unter global agierenden Hedgefonds seit Ausbruch der amerikanischen Immobilien- und Finanzkrise nicht mehr so schlimm war wie in diesen Tagen. Laut aktueller Industriedaten haben sich die Insolvenzen und Geschäftsaufgaben unter Hedgefonds im 1. Halbjahr 2014 dramatisch beschleunigt.

Danach sind allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr als 460 Unternehmen aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Sowohl die deutlich zunehmende Volatilität als auch die stark wachsende Unberechenbarkeit, Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit der Entwicklung an den Finanzmärkten tragen dazu einen großen Teil bei. Auch Pimco oder eine Meredith Whitney machen dabei keine Ausnahme...