Für viele Händler an der Wall Street gibt es kaum etwas Schlimmeres als ein Hindenburg Omen – vor allem dann, wenn es sich in kurzen zeitlichen Abständen wiederholt. Genau dies ist in den letzten Wochen jedoch geschehen, was die Befürchtungen eines Marc Faber oder anderer namhafter Marktakteure untermauert, dass den westlichen Industrieländerbörsen ein Kurscrash á la 1987 ins Haus stehen könnte.

Am Himmel über Wall Street werden Hindenburg Omen gesichtet – etwas, das eine ganze Reihe von Händlern vorsichtig werden und die aktuellen Marktbewegungen genauestens beobachten lässt. Was ist ein Hindenburg Omen eigentlich? Das Hindenburg Omen ist ein viel beachteter technischer Indikator, der nach dem Absturz des berühmten deutschen Zeppelins in den späten 1930iger Jahren benannt wurde.

Dieser Indikator wurde ins Leben gerufen, um das Potenzial für Crashs an den Finanzmärkten einzuschätzen. Beobachtet wird dabei die Anzahl der Aktien, die neue 52-Wochen-Hochs in Relation zur Anzahl der Werte, die neue 52-Wochen-Tiefs, ausbilden. Wichtig hierbei ist, dass die Anzahl der Titel, die sowohl nach dem einen oder anderen Extrem ausschlagen, überdurchschnittlich hoch sein muss.

Ein Blick auf den Dow Jones Index. In vorherigen Berichten äußerte ich die Vermutung, dass die Marke von 16.000 Punkten auf die Händler wie ein Magnet wirken dürfte, die sich aus der Verbindung der erreichten Hochpunkte in den Jahren 2000 und 2007 ableiten lässt. Schon seit Anfang Juli kommt der Dow bei sinkendem Handelsvolumen kaum mehr vom Fleck / Chart: Onvista

Grundsätzlich gilt, dass die technischen Kriterien für ein Hindenburg Omen erfüllt sind, wenn beide Extremwerte innerhalb eines Handelstages oberhalb von 2,2% unter Einbezug aller an der New York Stock Exchange gehandelten Dividendentitel liegen. Händler sehen in solchen Handelstagen ein Zeichen für eine wachsende Unsicherheit an den Kapital- und Aktienmärkten, die sich insbesondere auf die zukünftige Trendrichtung an diesen Märkten bezieht.

Anhänger dieses Indikators argumentieren, dass Hindenburg Omen sich in der Vergangenheit als extrem zuverlässiger Indikator für bevorstehende Ausverkäufe an den Börsen erwiesen haben. Es gäbe nur sehr wenige Indikatoren, die Marktcrashs mit ähnlicher Akkuratheit prognostizierbar machten. Nun, liebe Leser, meine persönliche Sichtweise zu den Kapital- und Aktienmärkten hatte ich Ihnen bereits hinlänglich erläutert.

Ein Blick auf den S&P 500 Index. Das Barometer wird jetzt zeigen müssen, ob es sich bei seinem Ausflug über 1.575 Punkte nicht tatsächlich um eine Bullenfalle handeln könnte. Auch hier sank das Handelsvolumen in den letzten Wochen deutlich.

Ich bin der Meinung, dass Sie als Kleinanleger nichts an einem Markt zu suchen haben, der sich wöchentlich durch neue Betrugs- und Manipulationsneuigkeiten auszeichnet – und der darüber hinaus überhaupt nur noch auf Basis der Verabreichung von Steroiden, desaströsen Markteingriffen und Interventionspolitik weiterlebt. Eben dadurch steigen jedoch auch die Volatilitäten, was sich heutzutage selbst in den immensen Kursschwankungen von DAX-Aktien ablesen lässt.

Interessant ist, was der alte Haudegen und renommierte Händler Art Cashin gestern zum Erscheinen des nächsten Hindenburg Omens ausführte. Laut Cashin sei es in den vergangenen Wochen zu mehreren Handelstagen gekommen, an denen sich glasklare Hindenburg Omen herauskristallisierten. Insgesamt gelte, dass Investoren an diesen Märkten mit höchster Vorsicht agieren sollten, da es nach dem Erscheinen von zeitlich derart viel aufeinander folgender Hindenburg Omen stets zu einer ausgeprägten Schwäche an den Aktienmärkten gekommen sei.

Hier ein abschließender Blick auf die Junkbondmärkte. Auf Tagesbasis droht ein Death Cross, somit der Fall der 50-Tages-Linie unter die 200-Tages-Linie. Obacht, ich hatte Sie auf die Entwicklung an den Junkbondmärkten in den letzten Wochen immer wieder hingewiesen, denen – so wenig wie den Hypothekenmärkten – steigende Treasury Bond Zinsen überhaupt nicht gut tun. 

Andere Händler berichten, dass sich im Zuge der seit November letzten Jahres zu beobachtenden Rallye eine Vielzahl von Hindenburg Omen ausgebildet hätten – allein in 5 der letzten 8 Handelstage sei es zur Ausbildung dieses Indikators gekommen, was zu größter Vorsicht mahne. Vor allem schon deshalb, weil die Anzahl der erscheinenden Hindenburg Omen mit der größten Intensität auftraten, die sich in diesem Maße zuletzt im Jahr 2007 beobachten ließ. Es sei extrem selten, derart viele Handelstage hintereinander zu beobachten, an denen sich das Hindenburg Omen ausgebildet habe.

Und nochmals: als dies letztmals geschah befanden wir uns kurz vor dem einsetzenden Bärenmarkt im Jahr 2007. Ein weiterer Zeitpunkt, zu dem diese Konstellation eintrat, geht zurück auf die Zeitspanne vor dem Absturz der Aktienmärkte im Jahr 2000. Hindenburg Omen definieren sich nicht nur durch die Anzahl ihrer gleichzeitig an einem Handelstag markierten 52-Wochen-Hochs und 52-Wochen-Tiefs. Es genügt schon, wenn die NYSE preislich höher notiert als 50 Handelstage zuvor, doch die Markttiefe und das gehandelte Volumen gleichzeitig negativ sind.

Ein Faktor, auf den ich Sie bereits seit März dieses Jahres aufmerksam machte, als ich damit begann, Sie auf die zunehmenden Marktdivergenzen hinzuweisen, die man ebenfalls nicht unter den Teppich kehren sollte. Es muss nicht unbedingt zu einem Marktcrash nach dem Erscheinen von Hindenburg Omen kommen. Doch seien Sie sich darüber bewusst, dass sich die Wahrscheinlichkeit – vor allem im Angesicht der großen Anzahl von Handelstagen, an denen sich dieser Indikator zuletzt ausbildete – größer wird, dass es dazu kommen kann.