Nun, das Wall Street Journal (WSJ) gelangte zu der Überzeugung, dass die Federal Reserve einen Vorsitzenden brauche, der nicht mit der Politik verbandelt sei. Darauf wird man wohl lange warten können, wenn man bedenkt, dass nach König Bernanke und dem vorzeitigen Abgang von Prinz Summers wohl Gelddruckerprinzessin Yellen das Steuerrad auf dem Fed-Dampfer ab Januar übernehmen dürfte. Laut Investor Jim Rogers alles „Schoßhündchen des Establishments“, deren Entscheidungen die Welt direkt in eine Zusammenbruchkrise führen.

Laut WSJ sei zwar zu begrüßen, dass Larry Summers, ehemaliger Ökonomieberater des Weißen Hauses, den Job nicht übernehmen wird. Denn Summers wäre wahrscheinlich zu einem außerordentlich politischen Fed-Vorsitzenden avanciert, just zu einer Zeit, in der die Spitze der Notenbank genau das Gegenteil benötige. Mit Blick auf die Frage, warum ausgerechnet einer der Mitverursacher der heutigen Weltfinanzkrise das Ruder bei der Fed nicht übernehmen sollte, möchte ich die Leser nochmals auf meinen früheren Bericht „Auszug aus Phili Fed Konferenz rockt Amerika“ verweisen.

Auch mit Noch-Vorsitzendem Helikopter Ben scheinen die Herausgeber des WSJ mit Blick auf dessen Amtszeit nicht sonderlich zufrieden zu sein. Denn unter Bernanke habe die Federal Reserve seit dem Jahr 2008 einen guten Teil ihrer politischen Unabhängigkeit eingebüßt.

Beim WSJ wünscht man sich in der Zukunft einen Fed-Vorsitzenden, der den Weg zu einer neuen und unabhängigen Führungsweise ebnet. In diesem Zuge ist man zu der Ansicht gelangt, dass der oder die neue Fed-Vorsitzende früher oder später die Leitzinsen anheben müsse. Allerdings werde der politische Druck seitens der demokratischen Partei enorm sein, eben jenes nicht zu tun. Um in der Zukunft noch ernst genommen zu werden, benötige die Federal Reserve an ihrer Spitze jemanden, der oder die ohne Rücksichtnahme auf politische Befindlichkeiten die Geldpolitik steuern und nach eigenem Ermessen verändern könne.

Nun, wenn selbst das WSJ zu dieser Ansicht gelangt ist, sind wir vielleicht endlich einen Schritt weiter. Doch diese Überlegungen gehen aus meinem Blickwinkel immer noch nicht weit genug. Denn es muss endlich eine öffentliche und groß angelegte mediale Debatte darüber geführt werden, wer in unserem bestehenden Wirtschaftssystem immer wieder für das Aufpumpen immenser Blasen verantwortlich ist. Es reicht nicht, wenn die Fed of Dallas – wie gestern berichtet – einen Schadensbericht zu den immer höheren Kosten aus diesen geplatzten Blasen publiziert, sondern die Notenbank muss sich darüber bewusst werden, dass sie allein auf Basis ihrer wahnwitzigen Geldpolitik für diese Entwicklungen die Verantwortung trägt.

Wenn die Notenbank dazu nicht in der Lage ist, wird man irgendwann – und vor allem im Hinblick auf das Platzen der jetzigen Blase, das so sicher kommen wird wie das Amen in der Kirche – über eine Abschaffung dieser Institution nachdenken müssen. Forderungen dieser Art haben sich in den vergangenen Jahren weitaus mehr Gehör verschafft, nicht nur seitens einzelner US-Politiker, sondern auch seitens einer Reihe von Großinvestoren, allen voran Jim Rogers. Laut Rogers weise der Rückzug von Summers für eine Nominierung zum zukünftigen Fed-Vorsitzenden in keiner Weise irgendeine Signifikanz auf.

Denn Rogers hat weder eine hohe Meinung von Summers, noch von dessen Rivalin Janet Yellen. Es sei eine einzige Farce, wie Rogers sich gegenüber Yahoo Finance ausdrückte. Denn beide seien von derselben Sorte. Zu dieser ablehnenden Haltung, die ich vorbehaltlos teile, möchte ich die Leser auf den Bericht „Tweedle Dee vs. Tweedle Dum – Does Janet Yellen have what it takes?“ an anderer Stelle verweisen. Laut Rogers sei es realitätsfremd zu glauben, dass jemand als Fed-Chef/in vorgeschlagen werden könnte, der oder die einen Unterschied zum aktuellen Personal machen würde. Bei all diesen Personen handele es sich schließlich nur um „Schoßhündchen des Establishments“.

Solange diese üblichen Verdächtigen die Geschicke lenkten, werde sich nichts ändern. Und dies werde sich alles andere als gut für die Welt erweisen. Denn die politische Leitlinie dieser Personen sei lediglich gut für deren paar Freunde. Größtes Problem sei ohne Frage die exzessive Erzeugung elektronischen Kapitals. Wenn diese Strategie zu einem Ende komme, werde die Welt schwer darunter zu leiden haben. Seit Ausbruch der Finanzkrise hätten Notenbanken lediglich einen artifiziellen See aus Liquidität erzeugt. Weltweit sei diese Sache vollkommen aus dem Ruder gelaufen.    

Wenn dieser artifizielle See aus Liquidität austrockne, werde das kein gutes Ende nehmen – egal, um was auch immer es sich handele. Auf die Frage, was Zentralbanken dazu bringen sollte, ihre Liquiditätsflutung aufzugeben, entgegnete Rogers, dass deren Verantwortliche entweder irgendwann wieder zur Besinnung kämen oder die Märkte zu gegebenem Zeitpunkt revoltierten, ganz einfach, weil sie das Toilettenpapier namens Währungen irgendwann nicht mehr akzeptierten. 

Keith McCullough, CEO bei Hedgeye Risk Management, erklärte gestern, dass Bernanke nahezu seine gesamte Hoffnung auf ein anziehendes Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten vernichtet habe. Von daher habe es ins Bild gepasst und sei zu begrüßen, dass er auch gleich die BIP-Prognosen der Federal Reserve gesenkt habe.

Bester Weg, um das reale Wirtschaftswachstum eines Landes zu schwächen, sei, seine Währung ins Höllenfeuer zu werfen. Der Tag der Fed-Entscheidung habe sich als großartiger Tag für die US-Aktienmärkte erwiesen, jedoch als hoffnungsloser und sehr trauriger Tag für Amerika. Der S&P 500 befinde sich nominal auf einem neuen Allzeithoch, doch dies einzig und allein auf Basis von völlig falschen Gründen.