Sie gieren nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Macht. Die großen Investmentbanken der Welt positionieren sich jedes Jahr aufs Neue mit ihren zahlreichen Prognosen zu Aktien, Rohstoffen oder Devisen. Am 01.01. eines Jahres jedoch schon voraussagen zu wollen, wo z.B. der DAX am 31.12. notiert ist gefährlich und gleichermaßen nahezu unmöglich.

Selbstverständlich bringen markante Schlagzeilen mit griffen Prognosen einen hohen Grad an Aufmerksamkeit. Dabei darf man sicherlich davon ausgehen, dass nur die Wenigsten am Ende des Jahres einen Vergleich anstellen. Jedoch nur so wäre die Leistungsfähigkeit der hoch bezahlten und oftmals gut betuchten Analyseabteilungen, die den Markt doch eigentlich viel besser kennen sollten als wir, zu rechtfertigen.

Das Statistische Bundesamt hat für 2015 die Prognosen von insgesamt 36 Banken ausgewertet. Der Mittelwert aller abgegebenen „Expertenmeinungen“ belief sich auf einen DAX-Stand von 10.731 Punkten am Ende dieses Jahres. Auch wenn das Jahr noch nicht vorbei ist, wäre dies zum heutigen Stand bei ca. 11.092 (Stand 19.11.2015) tatsächlich ganz gut ins Schwarze getroffen. Allerdings ist das Jahr auch noch nicht vorbei. Folgend seht ihr dazu eine kleine Übersicht einzelner Prognosen und der jeweils dazugehörigen Häuser, welche Ende 2014/Anfang 2015 abgegeben wurden. Dabei wird deutlich, dass jedoch ein Großteil der Meinungen sich weit entfernt von dieser Marke bewegt.

Das Jahr 2015 wird jedoch kein Einzelfall sein. Banken haben sich schon seit jeher verschätzt, Preisentwicklungen falsch prognostiziert und mit regelmäßigen Anpassungen die vorher falsch getroffenen Voraussagen offen legen und revidieren müssen. Ein Überblick über die letzten Jahre, sowie auch die Krisenjahre 2002 (Dot-Com-Blase) und 2008 (Lehman-Pleite) machen die völlig orientierungslos wirkenden Kursziele deutlich.

Auch Banker besitzen keine Glaskugel

Die beiden Krisenjahre, in denen die Fehleinschätzungen im Schnitt am markantesten ausfielen lassen die Krux in der Sache deutlich werden. Weder der bestbezahlteste Analyst, erfahrenste Investmentbanker oder schlitzohrigste Aktienhändler verfügt über die Fähigkeit Ereignisse in der Zukunft und die damit einhergehenden Kursreaktionen vorherzusagen. Dies klingt sicherlich überspitzt spiegelt jedoch gut wieder, mit welchem Hintergrund die Marketingabteilungen der Banken von ihren „Experten“ eine Meinung einfordern, welche sich am Markt alle Jahre wieder einer großen Aufmerksamkeit erfreut.

Bei mir treffen diese Ziele hingegen immer wieder auf Unverständnis. Sowohl politische, unternehmerische oder ökologische Ereignisse sorgen dafür, dass die dynamischen und dadurch niemals langweiligen Kapitalmärkte sich von Tag zu Tag völlig neuen Rahmenbedingungen ausgesetzt sehen. Natürlich ist ein Skandal wie der um Volkswagen (die starke Gewichtung der Automobilkonzerne hat somit auch den DAX in essentiellem Maß belastet), die Atomkatastrophe in Fukushima oder der zunehmende Flüchtlingsstrom als außerordentlich einzustufen. Aber eben diese außerordentlichen Events gehören zur Normalität, der sich ständig im Wandel befindlichen Gesellschaft.

Da niemand genaue oftmals einschneidende Ereignisse hervorsagen kann, sollte es auch schwer fallen die Aktienmarktentwicklungen prognostizieren zu wollen. Aus diesem Grund ist für mich ein etwas kurzfristiger Blick für Indizes bei langfristigen Engagements in fundamental ordentlich aufgestellten Aktien der deutlich richtigere Weg.

Auflage schlägt Inhalt

Es sind jedoch nicht nur die Banken, sondern gleichermaßen auch bekannten Magazine, die ihre Fahnen populistisch zur Steigerung der Auflage in den Wind halten. Hier wird sogar noch besser ersichtlich, dass Sie den unterschiedlichen Schlagzeilen (dies zieht sich durch alle Magazine) lieber mit Vorsicht gegenüber treten sollten. Natürlich sind griffige Aufreißer in Hausse-Phasen ideal, da sie den Meinungen vieler Leser entsprechen und zum Kauf der Zeitschrift bewegen. Wer fühlt sich schließlich nicht in seiner Meinung bestätigt, gerade wenn er mit Aktien in der jüngsten Zeit bereits ordentliche Gewinne eingefahren hat? Wenn man dann noch die Titelstory liest und am fließenden Band in seiner Meinung bestätigt wird, wirkt dies wie Balsam für die eigene Seele. Die Lehre der Börsenpsychologie zeigt uns hingegen, dass genau solche Beobachtungen eher antizyklisch betrachtet werden sollten.

Unterm Strich ist es wichtig, den Markt mit eigenen Augen zu betrachten, das wilde Treiben links und rechts zwar wahrzunehmen, jedoch nicht zuzulassen, dass fremde Meinungen eigene Entscheidungen ersetzen. Die Treue zur eigenen Strategie und die damit verbundenen Erfolge sollten also weiterhin den Hauptanteil der Konzentration einnehmen.

Genau diese antizyklischen Bewegungen wollen wir dann auch in der kommenden Woche im Webinar zum Thema Börsenpsychologie besprechen. Mit vielen spannenden Grafiken und griffigen Beispielen, wie man es der Masse zeigen kann, werden wir dann gemeinsam untersuchen. Ich freue mich auf Ihre Teilnahme.

http://www.cashkurs.com/kategorie/meldungen/beitrag/ankuendigung-eventherbst-auf-cashkurs/

Beste Investment-Grüße

Ihr Andreas Meyer    

Quellen: www.am-capital.de www.statista.com

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