Reinen Tisch machen für das Börsenjahr 2014

Zum Jahresende hin zeigt sich die chinesische Wirtschaft standhaft. Der Export konnte sich zuletzt mit 12,7 Prozent gegenüber Vorjahr deutlich von der Schwächephase im Sommer erholen. Dabei weist der chinesische Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe mit seiner Export-Neuauftragskomponente - sie liegt seit vier Monaten stabil über der Expansion anzeigenden Schwelle von 50 - auch weiterhin auf einen robusten Export hin.

Auch in Japan geht es konjunkturell bergauf. Zwar ist die japanische Wirtschaft im vergangenen III. Quartal 2013 mit 0,3 anstatt 0,5 Prozent zum Vorquartal langsamer als geschätzt gewachsen. Allerdings verspricht ein neues von der Regierung beschlossenes Konjunkturpaket über umgerechnet rund 130 Mrd. Euro auch für 2014 Wachstumsimpulse, die der April geplanten Mehrwertsteuererhöhung von fünf auf acht Prozent entgegenwirken.

Ohnehin dürfte die Bank of Japan im Ernstfall einer Wachstumsabschwächung ihre bereits geplante Liquiditätsoffensive im kommenden Jahr noch weiter ausweiten. Eine Hauptstoßrichtung bleibt die geldpolitisch betriebene Abwertung des japanischen Yens. Währungsseitige Verbesserungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit schlagen sich bereits in steigenden Exporten japanischer Produkte und Dienstleistungen auf den Weltmärkten nieder.

Währungsabwertungswettlauf kann die EZB nicht kalt lassen

Auch die EZB ist gezwungen, im Rahmen des globalen Währungsabwertungswettlaufs den Blick auf den Euro zu richten, der seit Mitte 2012 eindeutig Stärke gegenüber den wichtigsten Handelswährungen zeigt. Denn vor dem Hintergrund einer lahmenden Binnenkonjunktur in Euroland sowie schwacher Investitionen ist die Exportwirtschaft ein bedeutender Faktor für die euroländische Gesamtwirtschaft. Allerdings zeigt sich der Export im Trend gehemmt. Offiziell würde das die EZB zwar nie zugeben, aber die letzten geldpolitischen Erleichterungen - z.B. die Zinssenkung auf 0,25 Prozent - zielte auch auf eine Abwertung des Euros ab.

Vor diesem Hintergrund sind 2014 weitere geldpolitische Maßnahmen - u.a. ist eine erneute EZB-Leitzinssenkung und ein negativer Einlagenzins denkbar, um Geschäftsbanken vom Geldparken bei der Notenbank abzubringen - möglich, wenn nicht sogar gerechtfertigt. Und dann sind auch Aufkäufe von Staatstiteln, die aufgrund sinkender Renditen ihre Attraktivität auch für außereuropäische Anleger schmälern, kein Tabu mehr. Zusätzliche Argumente hierfür liefern die abwärts gerichteten Inflationsrisiken in Euroland: Die Teuerungsrate liegt bei 0,9 Prozent.

Dass die geldpolitische Allmacht an den Finanzmärkten grundsätzlich Wirkung zeigt, ist an den Renditeaufschlägen 10-jähriger spanischer und italienischer zu deutschen Staatsanleihen seit dem Rettungsversprechen der EZB im Juli 2012 abzulesen. Sie befinden sich aktuell auf dem niedrigsten Niveau seit Juni 2011.

US-Budgetkompromiss liefert der Fed Tapering-Argumente

Demokraten und Republikaner beweisen mit einer Kompromisslösung im bis dato schwelenden US-Budgetstreit Handlungs- und damit Lernfähigkeit. Der direkte wirtschaftliche Niederschlag für die US-Konjunktur hält sich zwar in Grenzen. Wichtiger ist jedoch die Symbolik dieser Einigung. Der Anhebung des aktuellen US-Schuldenlimits, das nur bis zum 7. Februar 2014 befristet ist, steht nun nichts mehr im Wege. Ein potenzieller Unsicherheitsfaktor für die US-Wirtschaft für das nächste Jahr ist damit vermutlich vom Tisch. Noch wichtiger ist jedoch, dass die im letzten Jahr vom Haushaltsstreit schwer betroffenen Emerging Markets entlastet werden: Kapitalflucht und Investitionszurückhaltung sind nicht mehr zu erwarten. So kann die wichtige Rolle der Schwellenländer für die Weltkonjunktur erhalten werden.

Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf die US-Notenbank, die Drosselung ihres Anleihenaufkaufprogramms bereits auf ihrer Zinssitzung in der nächsten Woche zu beschließen. Denn neben der nicht zu leugnenden Verbesserung der Situation am US-Arbeitsmarkt ist mit der Lösung im US-Haushaltsstreit ein stets von der Fed zumindest inoffiziell betonter zweiter Risikofaktor für die US- und Weltwirtschaft weggefallen. Im vergangenen September noch hat Ben Bernanke einen Rückzieher in punkto Tapering gemacht, um den Budgetverunsicherungen geldpolitisch entgegenzuwirken.

Aktuelle Marktlage und Charttechnik

So hat die US-Notenbank nun in der kommenden Woche eine passende Gelegenheit, mit der Verkündung des Tapering reinen Tisch zu machen. Damit würde sie eine diesbezügliche Verunsicherung - über das Ob und Wie des Tapering - nicht in das Neue Jahr tragen. Es würden klare Fakten geschaffen. Wenn die Fed zusätzlich die Vorabfestlegung auf niedrige Zinsen verlängert, indem sie schwächere Konjunkturprojektionen bis 2016 vornimmt, würde sie möglichen Tapering-bedingten Marktturbulenzen noch mehr Wind aus den Segeln nehmen. Insgesamt wäre ein imaginäres Handicap für weiter steigende Aktienmärkte aus dem Weg geräumt.

Aus charttechnischer Sicht wurde im DAX das kürzliche Korrekturtief zurückerobert. Stabilisiert sich der DAX, dürfte er aufgrund der überverkauften Lage nach der Korrekturphase erneut einen Anlauf in Richtung Jahreshoch starten. Der Widerstand bei 9.070 wurde bereits durchbrochen, wird er auch bei 9.253 Punkten überwunden, warten an der Marke bei aktuell 9.363 und darüber bei 9.424 Punkten die nächsten Barrieren. Durchbricht der DAX auch diese Hürden, nimmt er Kurs auf das Jahresendziel bei 9.500 Punkten.

Das passiert in dieser Woche

Alle Aufmerksamkeit gilt der Zinssitzung der US-Notenbank am 17. und 18. Dezember. Nach dem zuletzt starken Arbeitsmarktbericht wird mit Spannung erwartet, ob die Fed die Drosselung ihres Anleihenaufkaufprogramms an diesen Tagen beschließt oder die US-Konjunkturerholung zunächst weiter beobachtet. Beeinflussende Wirkung könnte auch der Bekanntgabe der Inflationsrate zukommen, die keinen signifikanten Anstieg verzeichnen dürfte.

Die US-Konjunkturerholung setzt sich fort. Nach einem schwachen Start in das Schlussquartal 2013 dürfte die Industrieproduktion im November an Fahrt aufgenommen haben und der Einkaufsmanagerindex der Philadelphia Fed deutet eine weitere Dynamisierung der US-Industrie an. Wichtige Konjunkturimpulse kommen zudem vom US-Immobiliensektor. Entsprechend robust dürften die Zahlen zu den Baubeginnen und -genehmigungen ausfallen.

Auch in Euroland kommt es zum konjunkturellen Stimmungstest. Ein erneut nur leicht steigender Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in Euroland dürfte eine Euro-Konjunkturerholung nur in Trippelschritten signalisieren. Dabei fällt insbesondere die französische Industrie weiter als Problemkind auf. Deutlich besser wird der deutsche Einkaufsmanagerindex ausfallen. Dieses positive Konjunkturbild dürften sowohl die ZEW Konjunkturerwartungen als auch die ifo Geschäftsklimadaten unterstreichen.

In Japan bestätigt der von der Bank of Japan veröffentlichte Tankan-Index eine verbesserte Stimmung japanischer Großunternehmen.