Liebe Cashkurs-Leser,

um Ihnen einen optimalen Überblick über die Wirtschafts- und Finanzwelt zu bieten, stellen wir Ihnen ab sofort exklusive Übersetzungen von Artikeln ausgewählter englischer Webseiten und Blogs zur Verfügung. Diese Quellen sollen Ihnen vor allem dazu dienen, eine internationale Perspektive zu den auf Cashkurs behandelten Themen kennenzulernen.

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Von Pepe Escobar


Wir befinden uns in düsteren Zeiten. Ich hatte in letzter Zeit ausführlich mit  glaubwürdigen Insidern gesprochen, die zwar über die momentanen Entwicklungen sehr gut Bescheid wissen, jedoch lieber nichts an die große Glocke hängen wollen. Alle die ich befragt habe, sind sehr besorgt. So schrieb mir zum Beispiel ein Strategic Planner aus New York:
„Die Propaganda gegen Putin- ihn also mit Hitler auf eine Stufe zu stellen - ist so extrem geworden, dass man glauben muss, dass die Russen ihren Ohren nicht trauen und den Amerikanern unter keinen Umständen mehr vertrauen können.
Ich kann nicht glauben, wie wir es geschafft haben, uns in diese Situation zu bringen. Wie konnten wir die Betrüger in der Ukraine, die Putin doch beseitigen wollte, unterstützen und darüber hinaus die Eier besitzen, einen weitaus größeren Betrüger an die Macht kommen zu lassen? Aber das ist Geschichte.


Was sicher ist, ist dass die MAD (die Strategie der gesicherten gegenseitigen Zerstörung) heute nicht mehr der Abschreckung dienen soll, wenn beide Seiten glauben, dass die andere Atomwaffen benutzen würde, falls Ihnen die Situation günstig erscheint und dass die Seite, die diesen entscheidenden Vorteil zuerst bekommen sollte, auch wirklich zuschlagen wird. Die MAD ist von jetzt an vorbei.“


Das klingt zwar etwas extrem– ist an sich aber eine sehr schlüssige Ergänzung zu dem, was der russische Präsident, in seinem jetzt schon legendären Interview mit der ARD in Wladiwostok letzte Woche, der Öffentlichkeit zu verstehen gegeben hat: Der Westen stachelt Russland zu einem neuen Kalten Krieg an (1)
Mikhail Gorbachev betonte noch vor ein paar Tagen, dass der „Neue Kalte Krieg“ bereits im Gange sei. Stephen Cohen von der Princeton University sagt, dass der Kalte Krieg an sich nie wirklich vorbei war. The Roving Eye berichtete schon vor Monaten über den Kalten Krieg 2.0. Die Briten – die offensichtlich noch nicht über das „Great Game des 19. Jahrhunderts“ hinweggekommen sind“ -  ziehen es vor, auf die „hoch giftige Persönlichkeit des Größenwahnsinnigen Putins“ aufmerksam zu machen (2). Er sei „der rücksichtslose, einnehmende und hochgradig skrupellose Mann, der den Kalten Krieg wieder in Mode hat kommen lassen“.

Wie vorherzusehen war, betrauert die Council on Foreign Relations das Ende der Nachkriegszeit, kritisiert das momentane Chaos und träumt von den guten alten, unkomplizierten Tagen (3).


Die unbestreitbar beste Beschreibung dafür, wie wir in diese äußerst gefährliche Situation geraten konnten, ist die von Vladimir Kozin vom russischen Institut für Strategic Studies (4). Lesen Sie sorgfältig, was er sagt. Es stimmt, wir befinden uns in einem zweiten Kalten Krieg. Ein doppelter Krieg, sowohl zwischen den USA und Russland als auch der NATO und Russland.


Putin kocht vor Wut


In dem Interview mit der ARD berief sich Putin auf Tatsachen: „Die NATO und die Vereinigten Staaten haben Militärstützpunkte auf der ganzen Welt, einschließlich in an uns angrenzende Gebiete. Die Frage lautet: Wird diese Zahl zunehmen?
Darüber hinaus, wurde erst kürzlich noch entschieden, Spezialeinsatzkommandos wieder einmal sehr nah an unserer Grenze einzusetzen. Sie haben verschiedene russische Militärübungen, Erkundungsflüge, Flottenbewegungen und so weiter angesprochen. Halten diese immer noch an? Ja, das stimmt“
Für all diejenigen, die Russland verteufeln, ist es immer leicht zu vergessen, dass die NATO-Expansion nach Georgien und Ukraine bereits in einer NATO Konferenz in Bukarest im April 2008 beschlossen wurde. Ukraine ist dabei ein sich entwickelnder Faktor.


Fest entschlossen, sagte Putin ebenfalls im Interview mit der ARD der EU-Koalition von ahnungslosen Marionetten, dass er das ukrainische Kartenhaus in einem Streich zum Einstürzen bringen könne. Moskau müsse nur klarmachen, dass es an der Zeit ist, die riesigen Mengen an Geld einzufordern, die ihr rechtmäßig zustehen.


Putin machte darüber hinaus deutlich, dass Moskau auf keinen Fall zulassen würde, dass die Donbassregion von Kiew überrannt, zerstört und ethnisch gesäubert werden würde. „ Es herrscht Krieg in der Ost-Ukraine. Die Entscheidungsträger in Kiew haben bewaffnete Truppen dorthin geschickt und machen sogar von Raketengeschossen Gebrauch. Aber darüber wird natürlich nicht gesprochen. Also was bedeutet das? Was sagt uns das? Es deutet auf die Tatsache hin, dass „ihr“ wollt, dass die Ukrainischen Entscheidungsträger alles und jeden dort vernichten und zwar alle politischen Feinde und Gegner. Wollen Sie das? Wir wollen das sicherlich nicht und wir werden das auch nicht zulassen“(5).


Laut öffentlicher ukrainischer Quellen, wurden nicht weniger als 65% der Wohngebäude sowie 10% der Schulen und Kindergarten in der Donbassregion zerstört. Über 40.000 mittelständische Unternehmen sind lahmgelegt. Die Arbeitslosenrate in der  gesamten Ukraine liegt bei über 40 %. Die Staatsverschuldung liegt nach aller Wahrscheinlichkeit bei mehr als 80 Milliarden Dollar. Erwarten sie also nicht, dass der Internationale Währungsfonds, der die Ukraine besitzt- sich nun philanthropisch zeigen wird. Am schlimmsten ist aber, dass Kiew seine Milliarden an Gasrechnungen an Gazprom nicht zahlen kann, da es ein Vermögen für die Terrorisierung der Ost-Ukrainischen Bürger ausgibt und die USA und EU einfach zuschauen. In einer Hasstirade von Poroshenko wird dies nochmal deutlich. 


Die NATO wurde also in Hinblick auf die wahren Absichten Russlands gewarnt. Dennoch können die Eliten in Washington und der Wall Street nicht genug vom Krieg bekommen. Und sie spielen gerne mit dem Feuer (6). Niemand sollte jemals die grenzenlose Dummheit der zum Leben wieder gekehrten Neo-Con Toten unterschätzen, wenn sie ihr liebstes Walzwerkzeug benutzen: Das Titelblatt des Wall Street Journal. 


Dass beim „Cold-War 2.0“, der nun in vollem Gange ist,  die Europäische Stabilität natürlich außer Acht gelassen wird, ist völlig logisch. Die Obama Regierung gab bekannt – mit der NATO als Speerspitze – die Eurasische Integration tatsächlich verhindern und eine neue Berliner Mauer in Kiew errichten zu wollen. Das erklärte Ziel dabei sei, die russische Wirtschaft zu untergraben und auf lange Sicht am besten einen Regierungswechsel in Russland herbeizuführen


Es wird also deutlich was hier gespielt wird. Die wirtschaftlich stark angeschlagene EU spielt keine Rolle. Das einzige was für die USA zählt, ist die NATO. Zudem kommt, dass eine überwältigende Mehrheit ihrer Mitglieder mit von der Partie sind, indem sie die in Washington vorherrschende Meinung über Putin verbreiten und diesen so behandeln, als wäre er ein Milosevic, Saddam Hussein oder Gaddafi. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass das Team um Obama gewillt ist, die Situation zu deeskalieren. Und wenn dann noch  Hillary Clinton irgendwann den Thron besteigen wird, na dann gute Nacht.


Quellen:
1. Putin's Sunday Interview on German TV (Dubbed + Transcript), Russian Insider, November 19, 2014.
2. The new cold war: are we going back to the bad old days?, The Guardian, November 19, 2014.
3. The Unraveling: How to Respond to a Disordered World, foreignaffairs.com, December 2014 issue.
4. See here.
5. The broken-down beauty of Eastern Ukraine, 25 years after the end of the USSR, Quartz, November 15, 2014.
6. The Wall Street Journal Wants the US to Go To War in Ukraine, Russia Insider, November 18, 2014.

Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von Pepe Escobar für www.cashkurs.com übersetzt. Den Originalbeitrag finden Sie in englischer Sprache unter: www.atimes.com/atimes/Central_Asia/CEN-01-211114.html

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