Das Weiße Haus hat am Mittwoch Sanktionen gegen niederländische und schweizerische Ölhandelsfirmen und deren offizielle Vertreter verhängt. Der Washingtoner US-Regierung sind die Geschäfte der betroffenen Unternehmen mit der syrischen Führung ein Dorn im Auge. Normalerweise müsste sich in Europa ein Aufschrei der Entrüstung vernehmen lassen. Es stellt sich die Frage, wie lange sich europäische Regierungen noch in ihre staatliche Souveränität durch Washington hineinpfuschen lassen wollen.

Das im wirtschaftlichen Niedergang befindliche Imperium hat sich erneut zur Verhängung von Wirtschafts- und Finanzsanktionen entschlossen. Diesmal befinden sich allerdings nicht der Moskauer Kreml und Wladimir Putin im Spotlight dieser Maßnahmen. Vielmehr holt das Weiße Haus gegen europäische Ölhandelsfirmen aus, die es tatsächlich wagten, weiterhin Geschäfte mit der syrischen Regierung von Baschar al-Assad zu betreiben.

Wir erinnern uns: Wenn es einem Land in der Welt erlaubt ist, mit Diktaturen zusammen zu arbeiten und kommerziellen Handel zu betreiben, so ist dies allein der selbst ernannten und „unentbehrlichen Nation“ gestattet.

Nicht selten wurden im Namen von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten eben jene Diktaturen durch CIA & Co. nach Regierungsumstürzen zuvor installiert. Man braucht in diesen Tagen nur in die Ukraine zu blicken, um sich dieser Tatsache einmal mehr bewusst zu werden. 

Immer dann, wenn ein Diktator mit Washington kooperiert und nach dessen Pfeife tanzt, handelt es sich selbstverständlich um einen „guten“ Diktator, der nach offizieller Lesart den schwierigen Pfad zur gesellschaftlichen Transformation in eine Demokratie ebnet.

Dass sich hinter solch abgedroschenen Slogans knallharte Wirtschafts-, Rohstoff- und Politinteressen verbergen, ist der Welt gerade und vor allem unter Berücksichtigung der Ereignisse im letzten Jahr keineswegs verborgen geblieben.

Und so werden – nach dem Angriff auf das Schweizer Bankensystem – einmal mehr die europäischen Vasallen zur Räson gebracht. In diesem Zuge verhängten die Vereinigten Staaten gestern Sanktionen gegen eine niederländische und zwei schweizerische Ölhandelsfirmen.

Das amerikanische Finanzministerium bezichtigt die in den Niederlanden ansässige Firma Staroil B.V. wie auch die beiden in der Schweiz ansässigen Unternehmen Rixo International Trading Ltd. und Bluemarine SA, mit der Regierung von Baschar al-Assad zu kooperieren.

Folge ist, dass das US-Finanzministerium die genannten Firmen auf seine Sanktionsliste gesetzt hat, wodurch die Unternehmen von einer US-Dollarfinanzierung an den globalen Kapitalmärkten abgeschnitten werden.

Ist es eigentlich noch ein Wunder, dass Regierungen von immer mehr Ländern darüber nachdenken, den Dollarstandard zu verlassen, um sich in der Zukunft unabhängiger von der willkürlichen Machtpolitik der Washingtoner Regierung zu machen??!!

Normalerweise müsste sich in Europa ein Aufschrei der Entrüstung vernehmen lassen. Man sollte sich die Frage stellen, wie es überhaupt sein kann, dass eine Washingtoner Regierung über die Köpfe der transatlantischen Partnerregierungen in Europa heimische Unternehmen sanktioniert!

Über welche Macht verfügen eigentlich die Regierungen in den Niederlanden, der Schweiz und anderen europäischen Staaten, um sich gegen derlei markante Eingriffe in die staatliche Souveränität zu wehren und aufs Schärfste zu verwahren??