Wie in vielen anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union der Fall, ist auch Frankreichs Staatsregierung bis über beide Ohren verschuldet. Im Land der schönen Künste summiert sich der öffentliche Verschuldungsgrad zum aktuellen Zeitpunkt nach offizieller Lesart auf über 2 Billionen Euro. Da die Lage immer brenzliger wird, waren einige namhafte Stimmen in letzter Zeit vorgeprescht, um einen potenziellen Verkauf von teuren Kunstwerken zur Senkung der staatlichen Verschuldungsquote ins Spiel zu bringen. Doch wie realistisch wäre eine solche Maßnahme und welche potenziellen Erträge würde sie bringen?

Frankreich ist als Land der schönen Künste bekannt. Die Grande Nation unterhält allein in der Hauptstadt Paris mehr als 170 Museen, in denen teils sündhaft teure und – wie es offiziell heißt – unverkäufliche Kunstwerke wie die Mona Lisa ausgestellt werden. Das Lächeln von Leonardo da Vincis Mona Lisa lockt im Jahr Hunderttausende von Touristen in den Pariser Louvre.

Ließen sich tatsächlich stattliche Sondererträge durch einen Verkauf an private Sammler und Kunstliebhaber generieren? Nicht nur dem Magistrat der mit mehr als 4 Milliarden Euro verschuldeten Metropole Paris, sondern auch der klammen Staatskasse des Elyssee Palastes würden diese Sondererträge bestens ins Kontor passen.

Es stellt sich im Angesicht der aktuell geführten Diskussionen jedoch die Frage, wie viel zum Beispiel das dem Volksvermögen zuzurechnende Gemälde der Mona Lisa eigentlich wert ist? Unter Kunstexperten und -sammlern wird das Gemälde als unverkäuflich bezeichnet. Blickt man in das Jahr 1962 zurück, so wurde da Vincis Mona Lisa laut französischer Medien im Zuge des Abschlusses einer Versicherungspolice zum damaligen Zeitpunkt auf einen Wert von 100 Millionen US-Dollar taxiert.

Legt man die Inflationsentwicklung von damals bis heute zugrunde, so würde sich der aktuelle Wert der Mona Lisa auf rund 1 Milliarde US-Dollar belaufen. Potenzielle Käufer würde es selbst zu diesem Angebotspreis mit großer Sicherheit geben. Wer diesen rein hypothetischen Erlös jedoch einmal in Relation zum Staatsschuldenberg von mehr als 2 Billionen Euro stellt, erkennt, dass ein Erlös dieser Sondererträge lediglich dem Tropfen auf dem heißen Stein ähneln würde.

Anders sähe es aus, wenn solche Erlöse allein dem Pariser Magistrat zufließen würden. Laut Expertenschätzungen würde allein ein Verkauf aller impressionistischen Gemälde des Musée d’Orsay dazu beitragen, Frankreichs Hauptstadt und auf einen Schlag zu entschulden. In wie weit es Politikern tatsächlich in den Fingern jucken könnte, um derart drastische Maßnahmen ins Auge zu fassen, ist bislang noch nicht raus.

Fest steht jedoch eines, nämlich dass die gesetzlichen Hürden für einen solchen Verkauf extrem hoch sind! Denn die bestehenden Gesetze verbieten es der französischen Politik, sich an Volksvermögen dieses Charakters zu vergreifen, um aus deren potenziellen Erlösen die eigens zu verantwortenden Sünden der Vergangenheit und das Aufpumpen eines massiven Staatsschuldenbergs auszulöschen.

Um es rundheraus zu sagen: Verkäufe von teils Jahrhunderte alten Kunstwerken sind durch die französische Gesetzgebung strikt verboten und wären aus diesem Grunde illegal. So heißt es beispielsweise in Artikel 451, Absatz 5 des französischen Gesetzes zum Nationalen Erbe und dem Denkmalschutz, dass Kunstsammlungen in den Museen des Landes, die Teil des öffentlichen Eigentums – und somit Volksvermögen – sind, unverkäuflich durch die Regierung und das Finanzministeriums sind, weil diese Kunstwerke stets öffentliches Eigentum bleiben müssen.

Der ein oder andere wird vielleicht anführen, dass gerade die letzten Jahre gezeigt haben, dass Gesetze nur solange Gültigkeit haben, solange sie nicht durch die Regierenden ignoriert und /oder umgeschrieben werden. Doch selbst durch die Politik möglicherweise ins Auge gefasste Gesetzesänderungen hätten es vom rein rechtlichen Standpunkt aus betrachtet schwer, jemals umgesetzt zu werden.

Denn der größte Teil von Frankreichs gesammeltem Kulturerbe stammt und setzt sich aus Schenkungen seitens privater und oftmals schon lange verstorbener Individuen zusammen. Diese Individuen – falls sie noch am Leben sind – oder deren Erben genießen signifikante Steuervergünstigungen, die ihnen die Regierung als Dank für ihre Generosität gewährt. Und eben in jenem Punkt beißt sich die Katze in den Schwanz.

Denn die Stifter und/oder deren Erben müssten durch die Regierung im Fall eines ins Auge gefassten Verkaufs von Kunstwerken finanziell stattlich kompensiert werden. Dass der Druck auf die Regierenden wächst, zeigt allein die Tatsache, dass sich die Pariser Regierung zuletzt an diversen Sachwerten vergriffen hatte, um diese gewinnbringend zu veräußern. Dazu zählte unter anderem auch eine erlesene und teure Sammlung feinster Weine, die in den Kellern des Elyssee Palastes lagerten.

Auch von verschiedenen Immobilienobjekten in Staatsbesitz trennte man sich, wozu zum Beispiel auch das ehemalige und in Paris verortete Internationale Konferenzzentrum in der Nachbarschaft des Arc de Triomphe zählt. Wer das Gebäude erworben hat, möchten Sie wissen? Selbstverständlich ein Konsortium, das sich aus Käufern aus China und dem Golfemirat Katar zusammensetzt.

Doch mit Blick auf diverse Kunstsammlungen schießen die Preußen aus genannten Gründen nicht so schnell! Man muss in diesen Tagen jedoch nur nach Portugal blicken, um zu erkennen, dass es Mitgliedsländer in der Europäischen Union gibt, deren Regierungen in der Tat einen sehr reifen Grad der Verzweiflung erreicht haben müssen. Denn die Lissabonner Regierung tut genau das, was ihrem französischen Pendant auf Basis von nationalen Gesetzen verboten ist.

Erst vor Kurzem hat sie eine Kunstsammlung, bestehend aus wertvollen Miro-Gemälden, zum Verkauf ausgeschrieben. Keine Frage, die Bildersammlung wird ganz gewiss in Kürze einen Käufer gefunden haben. Die erhofften Erlöse summieren sich auf etwas mehr als 35 Millionen Euro. Wahrlich ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man Portugals Staatsschuldenberg von 210 Milliarden Euro zugrundelegt und zu diesen potenziellen Erlösen in Relation setzt.