Schön war es in Frankreich. Und auch wenn das Handy ausblieb (ebenso wie deutsches Fernsehen) und sich für einige Zeit die totale Entspannung einstellte, gab es einige Eindrücke, die es sich nachtäglich journalistisch aufzubereiten lohnen.

Von der Finanzkrise ist für Außenstehende kaum etwas zu spüren. Auffallend hoch ist der Anteil an Neuwagen auf den Straßen – ein Effekt der französischen Abwrackprämie, die dem Anschein nach vor allem die rumäinische Renault-Tochter Dacia eingestrichen haben sollte. Auffallend sind auch die langen Schlangen an den Tankstellen. Geduldig warten Autofahrer zehn Minuten und länger, um sich den Tank füllen zu können. Das liegt nicht etwa an der niedrigen Tankstellen-Dichte. Bei Total, Shell oder BP (sowieso) kommt man schnell dran. Gefragt sind die „Billig-Tanken“ der Supermarktketten. Diese verdienen im Gegensatz zu den deutschen Pendants diesen Namen sogar.

Denn während die freien Tankstellen in Deutschland meist nur einen oder zwei Cent unter den Literpreisen der Markenkonkurrenz liegen, kann man bei Carrefour, Leclerc, Intermarché und Co. veritable Schnäppchen machen. Es lassen sich bis zu 25 Cent pro Liter sparen. Tanken wird damit billiger als in Deutschland (1,08 Euro je Liter Diesel gegenüber 1,19 Euro an meiner Tanke zuhause).

Dass Frankreich ein teures Land ist hat sich aus den deutschen Blickwinkel ohnehin dank Ökosteuer und Mehrwertsteuererhöhung stark relativiert (worauf ich in einer anderen Kolumne noch eingehen werde), doch der Wettbewerb unter den Tankstellen ist wirklich beeindruckend.

Natürlich hat der billige Sprit auch Nachteile. Wer keine französische Kreditkarte hat, kann außerhalb der Geschäftszeiten vielerorts nicht ran an den Sprit. Die Tankautomaten skzeptieren nur selten anderes Plastik als die „Carte Bleu“.  Die Geschäftszeiten sind gewöhnungsbedürftig. Die Damen und Herren in den Kassenhäuschen haben lange Mittagspausen.

Außerdem sparen die Tanken am Service. Es gibt kein Wasser, keine Luft, und Öl muss man im Supermarkt kaufen. Den fehlenden Service bieten die freien Waschanlagen gegen Bares. Drei Minuten Luftdruckprüfen kostet dort 50 Cent. Das erscheint angesichts der Ersparnis an der Zapfsäule durchaus zu verschmerzen. Es soll aber auch Leute geben, die mit vollem Tank eine teurere Tankstelle anfahren, um sich die kostenlosen Dienste zu sichern.

Die Frage ist, warum hierzulande noch keiner den Preiskampf aufgenommen hat. Unterschiede von 25 Cent scheinen problemlos möglich zu sein, das Gejammere über zu niedrige Margen wirkt vorgeschoben, da auch französische Supermarktketten wohl über keine eigenen Raffinerien und damit eine breite Wertschöpfungskette verfügen. Vielleicht ist man einfach zu bequem für mehr Wettbewerb. Ist ja bei den hohen Preisen auch nur allzu verständlich.   

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