Money Management kommt eigentlich aus dem Trading und ist eine Grundlage für erfolgreiches und professionelles Handeln an den Märkten. Ziel ist es, die Verlustrisiken einer Position, aber auch die des gesamten Depots zu steuern und möglichst gering zu halten. Mit gutem Money Management wird erreicht, dass auch nach einer Phase häufiger Verluste ausreichend Kapital zur Verfügung steht, um neue Chancen am Markt nutzen zu können.

Wie in meinem Beitrag „Trendfolgemodell“ vom 15.06.2016 aufgezeigt, ist das Timing das schwierigste Unterfangen, um an der Börse erfolgreich zu sein. Auch wenn die erste aller Börsenweisheit sagt: „Kaufe billig und verkaufe teuer!“, ist dieses in der Praxis auf Dauer nicht möglich. Ein Großteil der Performance kommt langfristig neben der Anlageselektion bzw. Depotstruktur aus der Vermeidung von hohen Verlusten. Ein Verlust von 20% bedarf einen Gewinn von 25%, damit die Position wieder ausgeglichen ist. Bei einem Verlust von 50% sind es schon 100% Gewinn, die benötigt werden und bei 80% Verlust sagenhafte 400% Gewinn.

Deshalb sind die Vermeidung bzw. der richtige Umgang mit Verlusten eines der wichtigsten Aufgaben eines jeden Anlegers.

Vorgehensweise

1.     Ermitteln der persönlichen Risikotragfähigkeit

Jeder Anleger, der Gelder in risikoreiche Anlagen wie Aktien bzw. Aktienfonds investieren möchte, muss sich vorher intensiv damit auseinandersetzen, wie hoch maximal der Betrag sein darf, den er pro Jahr als Risiko in die Waagschale legt. Diese Größe kann ein absoluter Betrag oder auch ein Prozentsatz – bezogen auf das eingesetzte Kapital – sein.

Die von den meisten Banken gerne herangezogene Kundeneinstufung in Risikoklassen, hilft dem Anleger dabei nicht weiter. So muss ein Anleger, der sich in die Risikoklasse 4 (von 5 Klassen) einstufen lässt nicht automatisch ein spekulativer Anleger sein, wenn die Anlage mit dieser Risikoeinstufung nur einen sehr geringen Teil des Gesamtdepots bzw. des Gesamtvermögens ausmacht.

Schreiben Sie sich also diesen Betrag – bevor Sie die erste Anlage tätigen - auf einen Zettel, damit Sie sich bei allen zukünftigen Anlageentscheidungen Ihrer ursprünglichen Einschätzung bewusst sind.

2.     Festlegen der zukünftigen Anlagestrategie

Legen Sie nun fest, wie Ihr zukünftiges Depot aufgebaut und strukturiert sein soll. Denken Sie stets daran, dass Ihr Depot ausreichend diversifiziert ist und keine Klumpenbildung aufweist.

Das im letzten Beitrag von mir näher erläuterte Weltportfolio kann hier eine wertvolle Hilfestellung sein. Ordnen Sie nun jeder Einzelposition den geplanten Anlagebetrag zu.

unverbindliches Beispiel:

Anlagebetrag:             50.000 EUR

Risikotragfähigkeit:      5.000 EUR (10%) pro Jahr

Anlagestruktur:           iShare MSCI World (50% = 25.000 EUR)

iShare Emergin Markets (30% = 15.000 EUR)

Lyxor MSCI World Materials (10% = 5.000 EUR)

BFG World Gold (10% = 5.000 EUR)

Allen Positionen wird ein Risikobudget von jeweils 10% p.a. zugeordnet.

Der Übersichtlichkeit und Neutralität wegen habe ich mich auf 4 Einzelpositionen und auf ETF´s + einen aktiv gemanagten Fonds beschränkt.

Diese Fonds sind keine Empfehlungen, sondern dienen lediglich zur Demonstration.

Die beschriebene Vorgehensweise kann auf jeden beliebigen Fonds angewendet werden. Die genannten Kursmarken sind zur Vereinfachung der Rechnungen teilweise stark gerundet und müssen in der Praxis exakter bestimmt werden.

3.     Budgetverteilung

In meinem Beitrag „Trendfolgemodell“ hatte ich anhand einer DAX-Anlage demonstriert, wie man mit der 200-Tage-Linie als Trendindikator Handelssignale für den Ein- und Ausstieg erhalten kann. Bei dem in diesem Beitrag aufgeführten Beispiel wurden in den 9 Jahren mit diesem Modell 31 Handelssignale generiert, wovon nur 8 Handelssignale erfolgreich waren. Die Verluste aus den Fehlsignalen waren jedoch geringer als die Gewinne aus den erfolgreichen Signalen, was den Sinn von Verlustbegrenzungen deutlich macht. Das Gesamtergebnis war (je nach Betrachtungszeitraum) positiver als bei einer reinem Buy-and-Hold Strategie.

Das Verhältnis von erfolgreichen Signalen zu Fehlsignalen – also von erfolgreichen zu nicht erfolgreichen Trades - lag hier bei 1:4. Deshalb ist es sinnvoll, das Risikobudget der Einzelpositionen auf mehrere Versuche (im folgendem Beispiel 5 Versuche) pro Jahr zu verteilen.

4.     Chartanalyse und Berechnung der Investitionssummen

Nun schaue ich mir den Kursverlauf der einzelnen Positionen an und lege Handlungsmarken (Stopp-Marken) fest. Entweder nutze ich wie oben beschrieben die 200-Tage-Linie oder die klassische Charttechnik.

Erfahrene Anleger werden nun kontern und behaupten, dass die technische Chartanalyse nur bei einer Einzelaktie und nicht bei einem Aktienfonds funktioniert, der ja theoretisch täglich seine Zusammensetzung ändern könnte. Da jedoch viele Fonds nach einer recht festen Anlagestrategie gemanagt werden und ETF recht statische Gebilde sind, ist die technische Analyse hier m.E. durchaus anwendbar.

Bsp.: iShare MCSI World

Der Kurs liegt hier bei 39 EUR und damit unter der 200-Tage-Linie. Nach dem Trendfolgemodell haben wir also (noch) kein Einstiegssignal erhalten. Dennoch kann ein Einstieg für den Anleger sinnvoll sein, der mit einer baldigen Trendumkehr rechnet.

Die erste Unterstützungslinie liegt bei 37 EUR, die zweite bei 35 EUR. Sollte also die Stopp-Order bei 35 EUR (weiter Stopp-Kurs) ausgelöst werden, wäre der Verlust in dieser Position auf 4 EUR pro Anteil (zzgl. Kosten) begrenzt.

In diesen Fonds sollen maximal 25.000 EUR investiert werden. Das Risikobudget beträgt also 2.500 EUR (10%) bzw. 500 EUR pro Trade. 500 EUR geteilt durch 3,50 EUR ergibt einen maximalen Kauf von 125 Anteilen bzw. 4.875 EUR.

Bsp. iShare MSCI Emergin Market

Der Kurs des ETF liegt bei ca. 28,80 EUR und damit leicht über der aktuellen, abwärts gerichteten 200-Tage-Linie. Damit haben wir ein, wenn auch recht unsauberes Handelssignal für den Einstieg erhalten.

Bei 26 EUR könnte man eine Unterstützung ausmachen. Bei 24 EUR ist eine weitere Unterstützungslinie vorhanden. Maximal 15.000 EUR sollen investiert werden. Das Risikobudget beträgt 1.500 EUR gesamt bzw. 300 EUR pro Trade. Diese Summe durch 4,80 EUR geteilt, ergibt die maximal zu investierenden Fondsanteile von 62 Stück bzw. 1.800 EUR. Nimmt man die 200-Tage-Linie als Stoppmarke, könnten gut 10.000 EUR investiert werden.

Bsp.: Lyxor MSCI World Materials

Der Kurs liegt aktuell mit 237 EUR über der 200-Tage-Linie. Damit wurde also bereits ein Einstiegssignal geliefert. Die erste Unterstützung liegt bei 220 EUR, die zweite bei 210 EUR. Die maximale Anlagesumme beträgt 5.000 EUR, das Risiko damit also bei 500 EUR pro Jahr bzw. 100 EUR pro Trade. Der Kursabstand zur ersten Unterstützung beträgt 17 EUR. Damit ergibt sich ein Kauf von maximal 8 Anteilen bzw. ein Anlagebetrag von 1.422 EUR.

Bsp.: BGF World Gold

Hier wurde das Einstiegssignal bereits Anfang 2016 geliefert. Mittlerweile hat sich der Kurs (ca. 32 EUR) über 40% von der 200-Tage-Linie entfernt. Eine Korrektur wäre fällig. Wer dennoch investieren möchte, findet bei 25 EUR eine Unterstützungslinie bzw. die passende Stopp-loss-Marke.

Die maximale Anlagesumme beträgt 5.000 EUR und das Risiko pro Trade 100 EUR. Damit können maximal 14 Anteile gekauft bzw. 478 EUR investiert werden.

Die untere Grafik zeigt Ihnen die unterschiedlichen Investitionsquoten bei unterschiedlichen Stopp-Marken.

Wie Sie der Übersicht entnehmen können, dürfen bei einer Money-Management-Strategie die Einzelinvestitionen unter den eingangs genannten Kriterien (max. Risiko 10% p.a. und 5 Tradeversuche p.a.) nicht höher liegen als die in der Tabelle ermittelten Werte, damit das Gesamtrisikobudget nicht überschritten wird.

Anpassungsmöglichkeit

Wem diese Investitionsquoten zu niedrig sind, kann alternativ das Risiko erhöhen (Bsp. von 10% auf 20% p.a.) oder die Anzahl der möglichen Trades verringern (Bsp. von 5 auf 2 pro Jahr).

Selbstverständlich müssen Sie die einzelnen Risikobudgets nicht linear auf die einzelnen Positionen verteilen. Sie können die Budgets auch individuell zuordnen, solange das Gesamtbudget dabei nicht überschritten wird.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin zu warten, bis sich der Kurs der avisierten Anlage einer Unterstützungsmarke nähert. Damit verringert sich der Abstand zwischen Kaufkurs und Stoppmarke und der Anlagebetrag kann erhöht werden. Selbstverständlich besteht dabei auch die Gefahr, dass das gewünschte Kursniveau nie mehr erreicht wird und man dann den Kursen - ohne investiert zu sein – hinterherschaut.

Sollte der Kurs einer bereits getätigten Anlage nach dem Einstieg fallen, sich jedoch noch über der gewählten Stopp-Marke befinden, kann der Anleger überlegen, mit dem zweiten Tradeversuch „nachzulegen“ und diese Position nachzukaufen. Der durchschnittliche Einstiegskurs kann damit reduziert werden. Doch auch hier muss dann die Höhe der zweiten Tranchen mit der Money-Management-Methode berechnet und der Nachkauf als zweiter Tradeversuch „abgehakt“ werden. Vergessen Sie nicht, die Stopp-Order danach auf die neue, erhöhte Gesamtstückzahl anzupassen.

Zusammenfassung

Die Money-Management-Strategie ist eine sehr sinnvolle Strategie für diejenigen Anleger, die Einmalbeträge investieren und dabei das Risiko Ihrer Investitionen im Auge behalten wollen. Auch hierzu gehört – wie bei jeder Anlagestrategie – eine hohe Disziplin, um sich nicht von aktuellen Trends und möglichen Gewinnchancen verleiten zu lassen sowie voreilige Entscheidungen zu treffen.

Bei dieser Strategie wird zuerst stets die Anlage von der Risikoseite her betrachtet.

Die Statistik besagt, dass mehr als die Hälfte aller Trades mit Verlusten ausgestoppt wird. Das bestätigt auch die in früheren Beiträgen von mir gestellte Behauptung, dass das richtige Timing dauerhaft nur sehr selten perfekt gelingt. Umso wichtiger ist es dann, erfolgreiche Trades laufen zu lassen und die Stoppmarke nach oben anzupassen.

Eine Alternative zur klassischen Stopp-Order wäre die Trailing-Stopp Order. Die hier gesetzte Stopp-Marke wird bei steigenden Kursen automatisch im vorgegebenen Abstand (Prozentsatz oder absoluter Abstand) nachgezogen (Trailing), jedoch nie herangesetzt. Das hat den Vorteil, dass man die Stoppmarke nicht selber kontrollieren und manuell heraufsetzen muss. Man kann also mit der Trailing-Stopp Order die Strategie „Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“ sehr leicht umsetzen. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass sich die zuvor nach charttechnischen Gesichtspunkten gesetzte Stoppmarke „selbständig“ macht und keinen charttechnischen Argumenten mehr folgt.

Nicht immer muss ein Anleger voll investiert sein. Manchmal ist es besser, eine Chance verstreichen zu lassen und auf eine bessere Einstiegsgelegenheit zu warten. Bei den derzeitigen Marktunruhen kommen sie vielleicht eher als man denkt. Und dann ist der der Gewinner, der Cash hat.


Vorschau

Mit der richtigen Anlagestrategie zum Erfolg

Teil 8: Modifiziertes Money-Management – von Schwankungen profitieren