Stop-loss-Marken sind nicht nur bei Aktien, sondern auch bei Fonds ein beliebtes Instrument, um sich vor stärkeren Kurseinbrüchen zu schützen. Sie richtig zu setzen, ist nicht ganz einfach. Man setzt sie i.d.R. kurz unter charttechnischen Unterstützungen. Doch diese Marken werden gerne absichtlich von Profis getestet. Welche Alternativen gibt es? Ein modifiziertes Money-Management kann helfen.

Alternative zur Stop-loss-Strategie

Normale Stopp-Orders haben den Nachteil, dass Sie starre Kursmarken sind, die man regelmäßig anpassen muss und die von Marktteilnehmern gerne getestet werden. Es besteht also neben dem Aufwand für die Anpassung immer die Gefahr, dass man bei kurzen aber heftigen Korrekturen ausgestoppt wird und dann bei einer anschließenden Aufwärtsbewegung ohne Investition an der Seitenlinie steht.

Eine Alternative dazu wäre die Trailing-Stopp Order. Die hier gesetzte Stopp-Marke wird bei steigenden Kursen automatisch im vorgegebenen Abstand (Prozentsatz oder absoluter Betrag) nachgezogen (Trailing), jedoch nie herangesetzt. Das hat den Vorteil, dass die Stoppmarke nicht ständig kontrollieren und manuell heraufsetzen muss. Man kann also mit der Trailing-Stopp Order die Strategie „Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“ leicht umsetzen. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass sich die zuvor nach charttechnischen Gesichtspunkten gesetzte Stoppmarke bei Kurssteigerungen „selbständig“ macht und keinen charttechnischen Argumenten mehr folgt.

Alternative – Abwandlung vom Money-Management

Kurse haben die Eigenschaft, sich nach Übertreibungen nach oben oder unten immer wieder der 200-Tage-Linie anzunähern. Das ist kein Marktphänomen, sondern reine Mathematik. Je weiter sich die Kurse von der 200-Tage-Linie (also vom mittelfristigen Trend) entfernen, desto höher ist das Korrekturpotential. Je nach vorhandenem Trend nach oben als auch nach unten.

Der Abstand der Kurse zur 200-Tage-Linie kann sich auf unterschiedliche Art verringern. Entweder durch eine Trendumkehr bei der Kursentwicklung oder jedoch (bei längeren Trends) durch die 200-Tage-Linie selber, die dem Trend mit zeitlicher Verzögerung folgt. Auch eine ausgeprägte Seitwärtsentwicklung der Kurse (Konsolidierung) führt zu diesem Effekt.

Stark volatile Fonds (Bsp. BGF World Gold) schwanken bis zu 40% um die 200-Tage-Linie.

Andere, wie der DWS Global Growth, hingegen nur bis zu 30%.

Ziel der angepassten Strategie ist es nun, diese Schwankungen mit überschaubarem Aufwand auszunutzen und in Phasen von positiven Übertreibungen den Anteilsbestand zu verringern, um Teilgewinne zu realisieren und in Phasen negativer Übertreibungen den Anteilsbestand zu erhöhen, um den Einstandskurs zu reduzieren. Dabei sind nur die großen Abweichungen (über 10%) strategisch interessant. Der Bereich +/- 10% bleibt bei dieser Strategie unberücksichtigt.

Mit dieser Erkenntnis kann man nun aktiv sein Investment wie folgt steuern.

Als ersten Indikator und Signalgeber nutzen wir die 90- und die 200 Tage-Linie. Dadurch glätten wir die Kursentwicklung, um nicht allzu viele Handelssignale zu erhalten.

Durchstößt die schnellere 90-Tage-Linie die 200-Tage-Linie von unten nach oben, erhalten wir ein erstes Kaufsignal und investieren 100% des geplanten Anlagebetrages. Solange wir dieses Signal nicht erhalten, verfahren wir bei der Erstanlage streng nach dem Trendfolgemodell (siehe Beitrag vom 15.06.2016).

Als zweites Signal messen wir den Abstand der Kurse zur 200-Tage-Linie in Prozentpunkten. Wie bereits erwähnt, interessiert uns bei dieser Strategie vorrangig Abweichungen von mind. 20%.  Bei Fonds mit geringerer Volatilität kann der Grenzbereich jedoch auch reduziert werden.

Steigende Kurse

Entfernt sich der Kurs weiter als 20% von der 200-Tage-Linie nach oben, verkaufen wir jeweils in 10%-Schritten 25% des Anteilsbestandes. Bei einer Abweichung von 20% also das erste Fünftel, nach 30% das zweite Fünftel usw.. Durchbricht die 90-Tage-Linie die 200-Tage-Linie von oben nach unten, wird der gesamte Bestand veräußert.

Fallende Kurse

Befinden sich die Kurse hingegen unterhalb der 200-Tage-Linie, verfahren wir analog wie bei den Verkäufen. Bei 20% unterhalb der 200-Tage-Linie investieren wir das erste Fünftel des Anlagebetrages, bei 30% das zweite Fünftel usw., bis 100% des geplanten Anteilbestandes investiert sind. Sollte zuvor die 90-Tage-Linie die 200-Tage-Linie von unten nach oben durchstoßen, wird der restliche Anteilsbestand sofort investiert.

Beispiel

Ich habe diese Strategie mit dem Fonds BGF World Gold einmal für Sie aufgearbeitet, um Ihnen das System bildlich darzustellen. Aufgrund der begrenzten Datenhistorie von 10 Jahren abzgl. 200 Tage für den gleitenden Durchschnitt, stehen für das Beispiel nur ca. 9 Jahre zur Verfügung.

Anlagebetrag = 10.000 EUR

Start ist der 04.09.2007 aufgrund des Kaufsignals durch die 90-Tage-Linie, die die 200-Tage-Linie von unten nach oben durchbricht. Es wurden 340 Anteile zu 29,30 EUR gekauft. Zur Vereinfachung habe ich bei dem Beispiel jeweils die Börsenschlusskurse des Vortages gewählt. 68 Anteile entsprechen jeweils 20% des investierten Anteilbestandes.

Es werden nie mehr als 340 Anteile erworben. Überschüssige Liquidität verbleibt zur Vereinfachung auf dem Verrechnungskonto.

Die einzelnen Transaktionen sähen dann wie folgt aus:

Wichtiger Hinweis!

Je nach Fonds, dessen Volatilität und je nach eigener Risikoeinstellung müssen bzw. können die einzelnen Handlungsmarken individuell angepasst werden.

Der Vorteil dieser Strategie besteht darin, dass Sie im Gegensatz zum reinen Trendfolgemodell etwas mehr Zeit haben zu reagieren, da sich die Übertreibungsphasen i.d.R. über einen längeren Zeitraum hinziehen.

Diese Strategie macht insbesondere bei stark volatilen Fonds Sinn, da hier die größten Effekte erzielt werden können. Mit den schrittweisen Käufen nutzen Sie die Vorteile des Cost-Average-Effekts. Durch die stufenweisen Verkäufe realisieren Sie Teilgewinne und bauen dadurch Ihre strategisch wichtige Liquidität wieder auf. Zudem handeln Sie meist antizyklisch, was gerade bei stark psychologisch getriebenen Märkten ein strategischer Vorteil sein kann.

Gut gemanagte Mischfonds oder Fonds, die nach einem eigenen Trendfolgemodell gemanagt werden, sind für dieses Modell weniger geeignet.

Dennoch kann diese Vorgehensweise generell für die Anleger interessant sein, die bei ihren Anlagen Übertreibungsphasen erkennen möchten und ggf. handeln wollen.

Die Nachteile dieser Strategie bestehen u.a. darin, dass sie sich (je nach Depotbank und deren Kostenmodell) nur für größeren Einzelanlagen eignet, da ansonsten die Gefahr besteht, Kleinstorder mit vergleichsweise hohen Kosten zu generieren. Auch steht nicht jedem Anleger die Möglichkeit zur Verfügung, die Abweichungen von der Trendlinie automatisch über einen Indikator berechnen zu lassen. Der Aufwand für eine händische Berechnung wäre unverhältnismäßig hoch.

Wie bei allen Strategien erfordert auch diese eine gehörige Portion Disziplin.