“So in Summary, Your Majesty, the failure to foresee the timing, the extent and the severity of the crises, and to head it off, while it had many causes, was principally a failure of the collective imagination of many bright people, both in those country and international, to understand the risks and the system AS A WHOLE”.

(Zusammenfassend formuliert, Eure Majestät, beim Versagen der zeitlichen Vorhersage, der Ausmaße und der Ernsthaftigkeit der Krise, sowie ihres Abfangens, wobei sie auf verschiedenen Ursachen beruht, handelte es sich um ein grundsätzliches Versagen der gemeinsamen Vorstellungskraft einer Menge intelligenter Menschen, sowohl in diesem Land als auch auf internationaler Ebene, die Risiken und das System ALS GANZES zu verstehen.)

So antwortete die “British Academy” im Juli 2009  auf die Anfrage der Queen, wieso sie die größte Krise seit 1929 nicht kommen sah und welche Ursachen dieser zuzuordnen seien.

Es ist dass Eingeständnis des Totalversagens einer ganzen Zunft: der Ökonomen!

http://www.economics-ejournal.org/datasets/dp2010-18_revised_verison.pdf/view

„Before Our Very Eyes“... (Vor unseren  eigenen  Augen)
lautete der Titel des Befundes der Financial Crises Inquiry Commission (FCIC) des US-Kongresses vom Jänner 2011 über die größte Krise seit 1929. Es wurden Millionen von Dokumenten durchwühlt und Hunderte Personen interviewt. Dieser Bericht ist der 1. offizielle Bericht, der die Ursachen der Krise erklärt. Die USA standen vor der Alternative, entweder den Kollaps der Finanzinstitute und großer Konzerne (wie General Motors z. B) hinzunehmen – oder diese mit Billionen Dollar  Steuergeld zu retten.  Der Befund bezog sich auf viele Dokumente, die das erste Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden – ein einzigartiges Beispiel für gelebte Demokratie! Das Ergebnis ist ein niederschmetterndes Zeugnis der Qualität der Finanzinstitutionen als auch der Fähigkeiten ihrer Akteure:

“This crises was avoidable:
A result of human actions, IN-actions and MIS-judgements; warning signs were ignored.”

http://cybercemetery.unt.edu/archive/fcic/20110310173545/http://c0182732.cdn1.cloudfiles.rackspacecloud.com/fcic_final_report_full.pdf

Im Detail kam der Befund u. a. zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • umfangreiches Versagen der Regulierung und FED (US-Notenbank) und rücksichtsloses Agieren der Finanzinstitutionen ohne profunde Risikokontrolle
  • Unkenntnis des Finanzsystems (ebenso wie bei der „British Aacademy“!)
  • Systematische Verstöße gegen die eigene Verantwortung und ethischen Regeln auf allen Ebenen.


Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) ließ  das eigene Versagen durch das untersuchte das Independent Evaluation Office (2011)  analysieren. Das Resümee zeigt ein erschütterndes Bild der Ökonomenzunft auf:

  • die Fähigkeit die Risken korrekt zu identifizieren wurde durch einen hohen Grad an Gruppendenken untergraben
  • die Grundannahme, dass finanzielle Krisen in großen Volkswirtschaften unwahrscheinlich sind, herrschte vor als auch intellektuelle Befangenheit eine große Rolle spielte.  
  • die Notwendigkeit stärkerer Regulierung wurde heruntergespielt und die Kultur des IMF war darauf ausgelegt, abweichende Meinungen zu entmutigen!

http://www.ieo-imf.org/ieo/files/completedevaluations/01102011IEO_full_report_crisis.pdf

Die Bank of England hat die Lösung: „Follow the Money"

Die Studie „Growing Fragilities? Balance Sheets in the Great Moderation“ der englischen Notenbank erklärt das flächendeckende Versagen der Wirtschaftswissenschafter, Banker und Ökonomen. Richard Barwell und Oliver Burrows sind einfach den Spuren des Geldes gefolgt, d.h. sie haben die Veränderung der Vermögensverhältnisse (Vermögen minus Schulden) pro Jahr zwischen den 4 Sektoren der Wirtschaft (Haushalte, Privatwirtschaft die sich in reale Unternehmen und (Zentral-)Banken unterteilt,  Staat und Außenwirtschaft, also Exporte/Importe usw.) in einer Gesamtschau untersucht und festgestellt, auf welch tönernen Füßen Wirtschaft und Banken vor der Krise bereits standen.

Wenn sich die privaten Haushalte zwischen 2001-07 um netto 412 Mrd. bei Banken verschulden (Schulden von 782 Mrd. standen nur Spareinlagen von 370 Mrd. gegenüber) und dieser Saldo einem IRR-realen Wertzuwachs der Immobilien gegenübersteht – so ist der Crash für jeden Menschen sichtbar, außer er gehört zur Spezies der Investmentbanker und Aktienanalysten...

http://www.bankofengland.co.uk/publications/Documents/fsr/fs_paper10.pdf

Anders gesagt:

Die beiden Autoren haben zusätzlich zur Entwicklung der Volkswirtschaft (BIP, Wachstum z.B.) auch die volkswirtschaftliche Bilanz (Verschuldung der einzelnen Sektoren) mit den verbundenen Geldströmen (Cash-Flow-Rechnung bei Unternehmen) verglichen! Allein die Tatsache, dass die Ökonomen diese elementaren Querverbindungen in den letzten Jahrzehnten in ihren Studien und wirtschaftspolitischen Empfehlungen an die Politik unberücksichtigt ließen, lässt starke Zweifel an deren Seriosität und Kenntnis der realen Zusammenhänge aufkommen!

Nun - da drängt sich jedem vernunftbegabten Menschen die simple Frag auf:

Wieso wurden weder auf EU- noch auf nationaler Ebene derart umfangreiche Analysen und Befragungen der verantwortlichen Akteure - von der EZB über die Banken bis hin zu den Finanzministern – durchgeführt oder gar von den gewählten Mandataren  eingefordert?

How Did Economists Get It So Wrong?

fragte Paul Krugman bereits in der „Financial Times“ vom  6. September 2009 – und angesichts des desaströsen „Managements der Krise“ durch die EU-Troika, müssen wir uns die Frage stellen:

Und WAS hat sich seither geändert?

Auch Krugman kommt zu ähnlichen Einschätzungen wie die zitierten Institutionen zuvor. Er ortet quasi eine Verliebtheit in die eigenen (mathematischen) Modelle - die natürlich immer in einem zauberhaften Gleichungsmodell münden - die den Blick für die ökonomische Realität versperrt haben Die meisten (Mainstream)Ökonomen hingen mit Leib und Seele an der Vision eines Kapitalismus, der für sie wie nahezu ein perfektes System funktioniere. Angesichts 70 Finanzkrisen innerhalb der letzen 40 Jahre, verlangt einem eine Theorie, die die Effizienz der Märkte als Mantra vor sich her trägt, schon viel an Frustrationstoleranz ab. Viele gegen solch simplen Dogmen Bedenken einbringen, wurden sofort als Außenseiter und „foolish“ abgekanzelt.

Geradezu bizarr sind die Ansichten von Casey Mulligan (Chicago) zu werten, der meinte dass die Arbeitslosigkeit deshalb so gestiegen sei, weil viele Menschen durch „finanzielle Anreize“ vom Arbeiten abgehalten werden – so als ob alle 8 Mio. Menschen die ihre Jobs verloren haben, dies aus freien Stücken getan hätten: welch eine weltfremde Gedanke!

http://www.nytimes.com/2009/09/06/magazine/06Economic-t.html?pagewanted=all

Schluss mit dem Imperialismus der Ökonomen...
forderte der renommierte Ökonom und Chef des HWWI-Institutes in Hamburg, Herr Straubhaar. Mal davon abgesehen, dass ich eine derartige radikale Abrechnung mit seiner Zunft in Österreich für ausgeschlossen halte (Zivilcourage ist eine sehr, sehr seltene Charaktereigenschaft in Österreich),  zeigt sein Outing, wie sehr ihm die Sprechblasen schon auf dem Herzen gelegen haben müssen. „Es gibt ökonomische Ideen und Glaubenssätze, die ich zu lange akzeptiert habe, obwohl sie mit der Empirie nicht übereinstimmen. Das will ich nicht mehr, sondern kritisieren, was falsch läuft“.

http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:ftd-interview-mit-thomas-straubhaar-schluss-mit-dem-imperialismus-der-oekonomen/70003717.html

Im Interview der FTD.DE vom 5. März 2012 gab er zu Bedenken, dass

  • es die einfache Weisheit: Der Markt ist immer besser – eben nicht mehr gibt. Diese einfache Formel sei nur eine große ILLUSION gewesen und die Welt stelle sich viel komplexer dar.
  • durch die Mathematisierung wohl die Möglichkeiten überschätzt worden seien
  • Kollegen keine Verantwortung spürten, die z.B. die Banken einfach pleite gehen lassen wollen, nur weil es so in den Lehrbüchern steht.
  • es in Deutschland weniger Kritik gäbe als in den USA, weil die Professoren lebenslang versorgt seien, was die Innovationsfähigkeit vermindere als auch eine ausgeprägtes Kastendenken vorherrsche.

DASS SASS!

Ich will nicht die unzähligen Repliken (pro wie contra) hier ausbreiten – aber seine öffentliche Kritik an den Wirtschaftswissenschaften hat dazu geführt, dass sich immer mehr kritische Stimmen meldeten.

Viele Ökonomen nehmen ihre simplen Modelle zu ernst...
meinte der Nobelpreisträger Amartya Sen im Handelsblatt – und da kann man ihm nur beipflichten!

http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/nobelpreistraeger-amartya-sen-viele-oekonomen-nehmen-ihre-simplen-modelle-zu-ernst/6500622.html

Auch er prangert die Modellverliebheit, wie zuvor Straubhaar auch, an. Sie würden nur fiktive Volkswirtschaften beschreiben – die eben nur in dieser theoretischen Welt gut funktionieren würden. Andere Ökonomen, wie u.a. Walrass und Wicksell, wiesen darauf hin, dass die wahre Welt ganz anders aussieht.

Was Adam Smith betrifft, so meint Herr Sen, dass die Mainstream-Ökonomen ihrer einseitigen Lesart und ihrer intellektuellen Tradition zum Opfer gefallen seien, weil sie nur den 1. Teil der Arbeit von ihm gelesen hätten. Smith seien auch andere Teile der Wirtschaft, wie ein gut funktionierender Staat als auch eine durchdachte Regulierung, wichtig gewesen. Auch Fragen der Umverteilung und Armut, waren wesentliche Bestandteile denen sich Smith widmete. „Eigentlich hat sich Adam Smith mit nichts so sehr beschäftigt wie mit dem Thema Armut“.

Mal ehrlich: Haben Sie jemals einen deutschen Ökonomen so über Smith reden gehört!

Zu Europas derzeitigem Kurs meinte er, dass wir ein Versagen der Demokratie erleben, zumal das alte Prinzip: „Keine Besteuerung ohne parlamentarische Repräsentation“ momentan nicht gelte. Überdies (sinngemäß zitiert) zählen in Griechenland, Portugal und Spanien

  • die Meinungen der Wähler weniger als jene der Ratingagenturen und Banker
  • die Bevölkerung habe keine Stimme mehr, was komplett den Idealen und der großen europäischen Bewegung widerspricht, die sich einst für ein vereintes und demokratisches Europa stark gemacht habe.

„Die grundlegende Frage, die sich Ökonomen stellen sollten, ist: Was können wir tun, um eine anständige Gesellschaft zu haben, in der die Menschen weit mehr Freiheit haben, ein Leben zu führen, auf das sie stolz und glücklich sind. Und wir müssen uns fragen, welche Hilfe der Staat leisten kann, damit es diese substanzielle Freiheit gibt.“
P.S. Wenn dieses Bekenntnis in das Programm der Piraten aufgenommen wird, wähle ich sie!