Religion gilt dem gemeinen Manne als wahr, dem Weisen als falsch und

dem Herrschenden als nützlich."

(Seneca d.J.)

Ein ganzes Land in Geißelhaft der Ökonomen: Griechenland als „Role-Model“

(Der amerikanisch Soziologe Robert K. Merton hat in den 1950er Jahren den Begriff role model geprägt, als er das Motivationsverhalten von Medizinstudenten beobachtete. Er verstand darunter das Lernen (Nachahmen) anhand von Vorbildern, die als Rollenmodell dienen). Während dem Imitations-verhalten in sozialen Prozessen sicher eine wichtige Funktion zukommt, ist ein derartiges „Exempel“, angewandt auf die wirtschaftliche Entwicklung und den Ruin eines ganzen Landes, ein Paradebeispiel dafür, wie weit sich die „Religiosität der Wirtschaftswissenschaften“ von der Realität abgekoppelt hat.

Der fundamentale Irrtum besteht darin, gesamtwirtschaftliche Fragen anhand einzelwirtschaftlicher Lebenserfahrungen (Zitat von Guido Westerwelle: „Der Staat muss sparen, so wie eine schwäbische Hausfrau auch“!) begreifen und anwenden zu wollen. Wenn alle Unternehmen sparen und die Löhne senken, dann wirkt sich das unmittelbar auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus – und in weiterer Folge vermindern sich die Umsätze der Unternehmen, die sodann ihre Beschäftigung anpassen. Aufgrund unsicherer Aussichten, investieren die Unternehmen weniger. Die Abwärts-spirale ist eingeleitet. Agiert nun der Staat als wichtigster volkswirtschaftlicher Akteur gleich wie alle Unternehmen – so ist die Depression das logische Ergebnis. In weiterer Folge nehmen die Steuereinnahmen ab und die Staatsschulden steigen  - u.a. auch aufgrund der explodierenden Arbeitslosigkeit!

Dieses volkswirtschaftliche Phänomen (Sparen führt zum gegenteiligen Effekt) bezeichnete der berühmte Ökonom J.M. Keynes als SPAR - PARADOXON!

Das oben angeführte Zitat Senecas verkehrt sich in der Ökonomie genau ins Gegenteil, denn die von der EU-Troika verordnete „Wirtschaftsreligion“

  • wird weder von den normalen Leuten als wahr anerkannt,
  • bestätigt die fehlende Weisheit der Eliten, diese als falsch zu erkennen,
  • ist von keinerlei Vorteil, da bereits 9 Regierungen aus ihren Ämtern gewählt wurden.

Gelebter Unsinn: Staatsschulden in % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ... ?

Sorry - ich kann mit dieser wichtigen Kennziffer als Stabilitätskriterium (die Staatschulden sollten nicht mehr als 60% des BIP ausmachen z.B.) nichts anfangen. Schulden können nur durch Geldüberschüsse (die Einnahmen sind größer als die Ausgaben) getilgt werden. Nehmen wir als Beispiel den Hypothekarkredit: die Familie Müller kann die monatliche Rate (Tilgung + Zinsen) für ihr kleines Haus nur aus dem Geldüberschuss zahlen, der vom Nettoeinkommen abzüglich aller Ausgaben für  Energie, Betriebkosten, Ernährung, Bildung, Verkehr und alle sonstigen lebensnotwendigen Auslagen, übrig bleibt. Diesen Betrag kalkuliert jede Bank bei Kreditvergabe bis ins kleinste Detail.

Keine Bank käme je auf die absurde Idee, die Summe eines Hypothekarkredites

in Bezug zur Anzahl der verbauten Ziegel zu setzen!

Wieso sollte dies bei der Staatsschuld anders sein?

Der Wert der erzeugten und verkauften Produkte eines Landes (BIP) entspricht ja nicht den Ein-nahmen des Staates  - oder? Auch kann der Staat (so wie die Familie Müller auch) nur mit einem Geldüberschuß seine offenen Schulden bezahlen. Dass ein steigendes BIP auch zu höheren Steuereinnahmen (MWSt, Mineralölsteuer, Lohnsteuer usw.) führt, ist richtig. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass selbst bei steigenden Einnahmen die Staatsausgaben noch stärker steigen, sonst würde es ja zu keinen Defiziten (die Ausgaben übersteigen die Einnahmen) kommen. Ergo dessen müssten die Staatsschulden in Bezug zu den Einnahmeüberschüssen des Staates gesetzt werden! Und da (fast) alle Staaten seit 60 Jahren keine Überschüsse erwirtschaften . . .

Es macht keinen schlanken Fuß, wenn die „(an)gelernten Ökonomen“ Äpfel mit Kürbissen vergleichen!

Die permanente Volksverdummung: Das „Gesetz von Angebot und Nachfrage“

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich so mit 15 oder 16 Jahren in der Handelsakademie (eine österreichische Art von Gymnasium mit wirtschaftlichem Ausbildungsschwerpunkt) dieses „Gesetz“ von den Vortragenden völlig kritiklos vorgebetet bekam. Dass es den meisten Menschen an grundlegendem Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge fehlt, wird Jahr für Jahr durch x-Meinungsumfragen bestätigt. Und genau in den jungen Jahren der Ausbildung, egal in welcher sekundären Bildungsinstitution, werden die hanebüchenen, religiösen Mantras in die Hirne der SchülerInnen eingehämmert, OHNE darauf hinzuweisen, dass es in den Sozial- und Wirtschafts-wissenschaften NIE (!) Gesetzmäßigkeiten, wie z.B. in der Physik, geben kann. Dass sich diese unkritische Lehre an den Universitäten fortsetzt, zeigen die Beispiel von Hr. Bofinger (Mickey-Mouse-Modelle...) als auch die REVOLUTION der Studierenden in HARVARD! (siehe hierzu Teil 2)

JEDE Volkswirtschaft kennt nur 2 Preise:

den Zins – und den Devisenkurs der Landeswährung!

Schauen wir uns die beiden Preise mal etwas genauer an und versuchen wir herauszufinden, was es denn so, mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage auf sich hat . . .

A.) Gibt es überhaupt einen Gleichgewichts-Zins?

Nun – die These besagt, dass sich das Kapital wie „ein scheues Reh“ (Anmerkung: Mitleid mit den Kapitalisten ist nicht angebracht...) dorthin bewegt, wo die höchsten Renditen für die Veranlagung bezahlt werden. Ergo dessen müsste durch das höhere Kapitalangebot (Ausweitung der Geldmenge = Kreditexpansion)  der Zins (Preis) s i n k e n, bis es zu einem Gleichgewicht (z.B. auf den Kapital-märkten) kommt – so das Gesetz von Angebot/Nachfrage.  

Zum Ersten wird dieses Dogma - auf dem ja ALLE Gleichgewichtstheorien fußen – durch die einfache Tatsache widerlegt, dass die Zinsen auch bei steigendem Angebot (Geldmenge) s t e i g e n, was aus der Grafik klar ersichtlich ist (siehe Teil 1 JOHN LAW).

Anders gesagt: die These widerspricht den Fakten mehrjähriger Beobachtung! .

Zum Zweiten stellt sich die Frage, wie der Chef der US-Notenbank (FED), Bernanke, imstande ist, den Zins für das Jahr 2014 vorherzusagen und zu bestimmen, wie er dies vor ca. 2 Monaten über die Presse tat? Er meinte (sinngemäß): Der Leitzins wird sich in den kommen 2-3 Jahren sicher nicht erhöhen! Kann es sein, dass er - quasi so wie der „heilige Geist der Kapitalmärkte“ – alle zukünf-tigen Marktentwicklungen vorhersieht und punktgenau kennt? Wohl kaum ...

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:spekulationen-ueber-qe3-bernanke-schuert-hoffnung-auf-neuen-geldsegen-der-fed/70014294.html

3.) Das „Zinsorakel“ der EZB!

Da wird in einem Hinterzimmer (böse Zungen wurden sagen: bei Wiener Würstel und mehreren Glas Wein) über den Zins gebrütet, der sodann die Märkte in Einklang bringen soll. Natürlich hat man sich bei dieser „wissenschaftlichen Methode“ auch schon heftig vergeigt, wie z.B. im Sommer 2008 wo man den Zins um 0,25% anhob, gleichwohl die kommende Rezession schon längst absehbar (die USA waren bereits 2 Quartale in einen Abschwung geraten) war und die USA schon Monate zuvor ihren Leitzins stark senkten. Auch Draghi - ja, der neue „Wunderwuzzi“ der EZB und ein gestandener Spekulant mit dem Stallgeruch von Goldman-Sachs - ist ein Meister der Zinsprognose, denn schon am 1. Tag nach seinem Amtsantrittes, senkte er den Leitzins um 0,25%.

Wieso die Zinsen sinken MÜSSEN, hat einen politischen Hintergrund: allein ein Anstieg um 1%-Punkt bedeutet für Italien eine zusätzliche Zinsbelastung von ca. 20 Mrd., für Spanien von ca. 15 Mrd. usw. Dies ist genau das Gegenteil, was die Haushaltsbudgets angesichts der verheerenden Sparpolitik gebrauchen können. Würde Herr Draghi wirklich „marktkonform“ handeln, so müsste er angesichts der Überliquidität in den Finanzmärkten (diese sind ja der Grund aller Spekulation, denn es gilt: kein Geld – keine Spekulation!) die Zinsen e r h ö h e n, um dieses vagabundierende Kapital wieder einzusammeln.

4.) Warum Banken weltweit unter Manipulationsverdacht stehen

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:libor-und-euribor-warum-banken-weltweit-unter-manipulationsverdacht-stehen/60163713.html

Die Schweizer Wettbewerbskommission untersucht zwölf Großbanken wegen Verdachts auf Zinsmanipulationen. Laut einer Selbstanzeige, sie dürfte von der Schweizer UBS kommen (im Gegenzug hätte das US-Justizministerium Straffreiheit zugesichert: es handelt sich also um den MODERNEN ABLASSHANDEL DER JUSTIZ!); haben Banken die Referenzzinssätze Libor und Tibor manipuliert, teilten die Kartellwächter mit. Wegen ähnlicher Vorwürfe ermitteln seit Monaten auch die EU-Kommission sowie die Finanzaufsichtsbehörden in Großbritannien, Japan und den USA.. Es betrifft die Creme de la Creme der Finanzbranche, mittendrin (wie fast immer!) die Deutsche Bank, UBS und Credit Suisse, die US-Banken Citigroup und J.P.Morgan Chase (die erst kürzlich über 4-10 Mrd. Spekulationsverluste „berichten musste“) aber auch die französische Société Générale und 3 große japanische Finanzinstitute.

Es geht um eine mögliche Verfälschung wichtiger Zinsen für den Interbankenmarkt, deren Höhe auch die Kosten für Kredite an Unternehmen und Verbraucher beeinflusst:

Exkurs: (FTD.DE vom  3. Feber 2012)

„Libor, Euribor und Tibor bilden ab, zu welchen Konditionen sich die Banken gegenseitig Geld leihen. An ihre Höhe sind unter anderem Anleihen mit variablen Zinszahlungen und Hypothekendarlehen gekoppelt, aber auch Terminkontrakte, Optionen und andere Derivatezahlungen. Allein an den Libor dürften Finanzprodukte mit einer Bruttosumme von umgerechnet 250.000 Mrd. Euro gekoppelt sein. . .

Alle drei Zinssätze werden von Bankenvereinigungen ermittelt. Sie befragen dazu einen festgelegten Kreis großer Institute zu den aktuellen Kreditkonditionen auf dem Interbankenmarkt. Sollten sich tatsächlich mehrere Mitglieder dieser sogenannten Panels untereinander absprechen, würden die Ergebnisse dieser Umfragen verfälscht ( ! )

Der Euribor wird täglich einmal von der europäischen Bankenvereinigung EBF fixiert. Unter Beteiligung von 44 Geldinstituten wird der Durchschnitt der Zinssätze ermittelt, zu dem die Banken sich gegenseitig Geld leihen. Sie geben eine Einschätzung darüber ab, welchen Zins eine sogenannte Primebank einem anderen als erstklassig eingestuftem Institut anbietet. Die höchsten und niedrigsten der gemeldeten Sätze - jeweils 15 Prozent - sortiert die EBF aus, um eine Verzerrung des Durchschnitts durch Ausreißer zu vermeiden. Zu den 44 Instituten gehören hierzulande die Deutsche Bank, die Commerzbank , die DZ Bank, die Landesbank Berlin sowie die WestLB, NordLB, LBBW, Helaba und BayernLB. Von der Razzia im Herbst waren nach Angaben der EBF aber nicht alle Mitglieder des sogenannten Euribor-Panels betroffen.

Anders als beim Euribor geht es beim Libor nicht um Schätzungen. Der Libor wird von der British Bankers‘ Association (BBA) veröffentlicht. Sie verwendet dafür die täglichen Meldungen von bis zu 19 Geldhäusern, bei der Ermittlung des Libor-Satzes für kleinere Währungen sind es zum Teil weniger. Die Institute geben an, zu welchem Zins sie sich in einer Währung kurzfristig Gelder von Konkurrenten leihen konnten. Dabei geht es um Darlehen, bei denen Institute bester Bonität keine Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen müssen. Die BBA berechnet aus den Angaben einen Durchschnittssatz. Auch hier werden Ausreißer ausgeschlossen: Das Viertel der Banken mit den höchsten und das Viertel mit den niedrigsten Sätzen fallen aus der Berechnung heraus. Wie beim Euribor kann ein einzelnes Institut den Libor also nicht beeinflussen.“

Die Auswirkung der Manipulation

Sollten die Banken einen der Zinssätze künstlich nach oben treiben, müssten ihre Kunden höhere Zinsen für Kredite oder andere Finanzmarktprodukte zahlen, als dies eigentlich gerechtfertigt wäre. Die Differenz könnten die Geldhäuser dann als Gewinn einstreichen.

Umgekehrt können Banken mit der Angabe niedrigerer Zinsen den Eindruck erwecken, dass sie sich leicht am Geldmarkt refinanzieren können - sie von der Konkurrenz also als solide und gesund angesehen werden. Diesem Verdacht gehen die Aufsichtsbehörden mit Blick auf die Libor-Sätze in den Jahren 2006 bis 2008, also der Zeit unmittelbar vor und während der Finanzkrise, nach. Schon damals war Kritik an der Libor-Berechnung aufgekommen. Da sie auf freiwilligen Angaben beruht, war die Glaubwürdigkeit angezweifelt worden.

5.) Legendär: Der Lombard-Club der österreichischen Banker

http://derstandard.at/2695278

„Die acht wichtigsten Banken Österreichs haben das Land mit einem flächendeckenden Kartell überzogen, Konditionen für Spareinlagen und Kredite abgesprochen und darüber hinaus die "Abschottung des Marktes konsolidiert". Weiters: „Die Institute hätten die entsprechenden Vorwürfe der EU-Kommission nicht widerlegen können. So lautet das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) im Verfahren, das die Banken gegen die Kommission angestrengt haben. Die Kommission hatte 2002 gegen die Institute eine Strafe von 124,26 Mio. Euro verhängt“.

„Die Banken hatten in ihrer Klage gegen die Kommission die Teilnahme am Kartell nicht mehr bestritten, führten aber an, dass die in Brüssel zugerechneten Marktanteile (maßgebend für die Strafhöhe) nicht der Realität entsprachen und nicht alle Banken immer bei den Treffen im Wiener Hotel Bristol anwesend waren. . . „

JA – genau die Spezies der Bank_S_ter, die bei jedem Feuerwehrfesterl den Mund so voll nehmen und ihre Kreditnehmer auf den „freien Markt und die immer zu verbessernde Wettbewerbsfähigkeit“ hinweisen, rotten sich zusammen und manipulieren den Zins nach Belieben. Die Strafe, deren Höhe sie auch noch monierten..., ist ein Klacks angesichts eines erzielten Zinseinnahmen von ca. 18-20 Mrd. Euro pro Jahr: er macht nicht mal 1% der Zinserlöse der Banken aus!?

„Wer der Meinung ist, dass man für Geld alles haben kann,

gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist“.

(Benjamin Franklin)

B.) Der Kurs (Preis) der Währung

Tagein/Tagaus liest man derzeit von der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Länder – und der schier unheimlichen Stärke der größten Volkswirtschaft Europas: Deutschland.

Vorweg eine kurze historische Betrachtung:

Nach dem Weltkrieg wollten die Nationen unter allen Umständen die Auswüchse des „Laissez-Faire-Kapitalismus“, (TheIntelligence) der zur Weltwirtschaftskrise 1929 bis weit in die 1930er Jahre führte, verhindern. Mit dem 1944 unterzeichneten „Bretton-Woods-Systems“ wurde eine Währungssystem mit dem goldgedeckten US $ als Leitwährung und fixen Wechselkursen (kleinere Schwankungen von ca. +/- 1 % waren erlaubt) errichtet. Es wurden u. a. auch Kapitalkontrollen gestattet, was eine kontinuierliche Entwicklung der Weltwirtschaft garantierte. Vor allem galt es, eine Hyperinflation zu verhindern, die in Deutschland zwischen 1914-1923 als ein Hauptgrund des Aufstieges des Nationalsozialismus ausgemacht wurde. Das System der (quasi) fixen Wechselkurse sollte den vom Krieg stark gebeutelten europäischen Volkswirtschaften den Aufbau erleichtern, zumal deren Exportfähigkeit stark eingeschränkt war. Die Absicht war es, den Handel ohne Schwierigkeiten als auch die Zahlungsvorgängen zu stabilisieren, sodass sich dieser gemeinsam mit den wichtigen Investitionen ohne gröbere Probleme entwickeln konnte.

Milton Friedman, Nobelpreisträger 1976, wird als Wegbereiter des „Neo-Liberalismus“ (gemeinsam mit Friedrich August von Hajek) bezeichnet. Er  war Kämpfer für eine Reduktion der Staatsquote und staatlicher Fürsorge und trat für die Minimierung der Rolle des Staates ein. Er war von den Vorteilen „freier Märkte“ überzeugt und meinte, dass andere wirtschaftliche Systeme die sozialen und politischen Probleme einer Gesellschaft nicht adäquat lösen könnten. Er  lehrte ca. 30 Jahre an der University of Chicago, wo er 1976 emeritierte. Auf ihn geht auch der ökonomische Begriff der „Chicagoer Schule“ zurück. Die „Chicago Boys“ seiner Denkschule waren maßgeblich unter der Militär-Junta Pinochets am Aufbau einer neuen liberalen Wirtschaftsordnung beteiligt, die Friedman als „Wunder von Chile“ bezeichnete. Nach einem Treffen mit dem Diktator Pinochet 1975 wurde er heftig für seine Doppelmoral (er nahm einerseits billigend in Kauf, in einer Diktatur ein „liberales Projekt“ implementiert zu haben – und andererseits machte er dem Diktator keinerlei Vorwürfe ob seiner Menschenrechtsverletzungen!) kritisiert – und dies völlig zu Recht!

Nach der Auflösung der Bretton-Woods-Verträge (der Hauptgrund war die Unfähigkeit der USA, ihrer Golddeckung gerecht zu werden) war Friedman die treibende Kraft hinter der Einführung von flexiblen Wechselkursen und dem Wegfall staatlicher Handelsbeschränkungen. Die US-Politik übernahm seine Vorstellungen und schaffte 1971  die fixe Wechselkurse des US $ zu anderen Währungen ab.

Die Theorie der flexiblen Wechselkurse unterstellt, das Länder mit Importdefiziten (wie alle südeuropäischen Staaten z.B.) ihre Währung, also den „Preis ihrer Wirtschaft im Außenverhältnis“, abwerten - womit sie ihren Wettbewerbsnachteil (die Importe sind größer als die Exporte) ausgleichen. Damit würde das außenwirtschaftliche Gleichgewicht wieder hergestellt werden. (Anmerkung: Genau dieser Ausgleich über die eigene Währung ist den südeuropäischen Ländern nicht möglich!).

Verifiziert man nun die theoretischen Annahmen des Gedankenmodells von Milton Friedman, so zeichnet die Grafik ein gänzlich konträres Bild:

  • seit der Einführung der flexiblen Wechselkurse ergab sich ein  Leistungsbilanzdefizit von gigantischen 2.500 Mrd.
  • auch von der weitgehendsten Liberalisierung des Handels „ever“ konnten die USA nicht profitieren - im Gegenteil.
  • gleichwohl man die Interventionen der Zentralbanken (China z.B.) als Gegenargument anführen könnte, erklärt dies nicht, dass ein flexibler Wechselkurs - wie von der „Invisible Hand“ geleitet – zu einem Gleichgewicht im internationalen Handel führt.

Die These Friedman´s steht, so wie alle mathematischen Gleichgewichtsmodelle der orthodoxen Angebotstheoretiker, auf tönernen Beinen. Ungeachtet dessen, wird sie nach wie vor, tagein/tagaus, in den Mainstream-Medien  - wie eine „Religion“ - heruntergeleiert. 

„Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt jedoch in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handle es sich um bloße Meinungen“ (Hanna Arendt)

- - - - -

Im 4. und letzen Teil analysiere ich das Credo der „Invisible Hand“ (Adam Smith), den Homo oeconomicus als auch dem Kuriositätenkabinett der Ökonomen noch einmal gehuldigt wird.